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Unsere Besten - 1: Imperium auf kleinem Fuße

Unsere Besten - 1 : Imperium auf kleinem Fuße

Unternehmer Gustav Hoffmann gehört zu den Vorschlägen für die RP-Aktion "Unsere Besten". Gesucht werden der größte Sohn oder die größte Tochter der Stadt Kleve. Leser können eine Kreuzfahrt gewinnen.

Gustav Hoffmann — Visionär, Unternehmer, Lebemann — und mit Sicherheit ein Kandidat für die Auswahlliste zur RP-Serie "Unsere Besten". Der am 10. Mai 1872 als erstes Kind eines Fachhändlers für Schuhmacherbedarf in Kleve geborene Unternehmer revolutionierte die Welt, indem er ein Produkt erfand, das es bis dahin überhaupt noch nicht gegeben hatte — Kinderschuhe passend für rechte und linke Füße. Gemeinsam mit seinem Schwager Fritz Pannier gründete er 1895/96 ein Unternehmen, das sich allein der Produktion von Kinderschuhen widmete. "Die Firma richtete ihr ganzes Interesse darauf, von Monat zu Monat bester Fabrikate zu erreichen", berichtete Hoffmanns jüngerer Bruder Heinrich.

Auf Anhieb kein Erfolg

Der Erfolg stellte sich dennoch nicht auf Anhieb ein, mehrfach musste Hoffmanns Vater mit Geld aushelfen, um die Produktion am laufen zu halten. Die Schuhe von damals hießen "Robinson", "Dornröschen" oder "Kinderfreund" und wurden verkauft als "gediegener Knabenstiefel" oder "eleganter Mädchenstiefel". Nach und nach setzten sich die neuen Produkte auf dem Markt durch. 1908 lief das Unternehmen schließlich so gut, dass die beiden Unternehmer sich trennten, ohne dass sich zuvor ein Zerwürfnis ereignet hätte. Große Egos, die ihre eigenen Wege gehen wollten und als Demarkationslinie die Schuhgröße 27 zogen, um sich in Zukunft nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen.

Hoffmann startete an der Materborner Allee neu, bereits damals mit einem frei verfügbaren Vermögen in Höhe von 238 000 Mark, eine Summe, für die ein Industriearbeiter damals etwa 300 Jahre hätte arbeiten müssen. Und Hoffmann hatte weiter Erfolg, und zwar in einem Ausmaß, dass er sich auch selbst daran berauschen konnte. Er ließ sich in einer Luxuskarosse des Fabrikats Minerva durch Kleve kutschieren, die er persönlich entworfen hatte. Zum Fahrer hielt er mittels eines Sprechrohrs Kontakt. Hoffmann war der erste Klever mit einem Telefonanschluss, natürlich Nummer 1, und er nutzte sein Vermögen, um Immobilien zu sammeln wie andere Leute Briefmarken. So erwarb er das Hotel Maywald (1920) und das Ausflugslokal Bresserberg (1924). Er selbst residierte an der Nassauer Allee in der Villa Hoffmann, ein Gebäude, das beim Luftangriff auf Kleve am 7. Oktober 1944 zerstört wurde.

Den Gewerkschaften war er nie freundlich gesonnen, allerdings legte er großen Wert darauf, dass seine Mitarbeiter gut versorgt waren. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise richtete er eine Konsumsanstalt ein, in der seine Beschäftigten ohne dass durch die Inflation entwertete Bargeld bezahlen konnten. Hoffmann ließ Werkswohnungen bauen, richtete eine Werksküche ein und kam sogar auf die Idee, seine Angestellten in den Pausen mit Klängen von einem automatischen Klavier zu unterhalten. 1927 landete Hoffmann den Coup, der dem Unternehmen bis zum Jahre 2004 sein Gesicht gab. Er schuf die Marke "Elefanten", die von da an zum Inbegriff für fußgerechte Kinderschuhe wurde.

Hoffmann selbst konnte diesen Erfolg allerdings nur noch zu kleinen Teilen auskosten. Die Wirtschaftskrise Ende der Zwanziger Jahre zwang ihn dazu, seine Immobilien zu verkaufen, 1933 wurde die Lederfabrik Carl Freudenberg, der größte Gläubiger der Schuhfabrik, neuer Besitzer. Am 2. Februar 1935 erlag Gustav Hoffmann beim Tanzen im Hotel Maywald einem Herzinfarkt.

(RP/jul)