Kranenburg: NABU-Millionenprojekt: Bauern haben Angst

Kranenburg: NABU-Millionenprojekt: Bauern haben Angst

Das Life+-Projekt der NABU-Naturschutzstation sorgt für Ärger bei den Landwirten. Mit 12,3 Millionen Euro sollen 215 Hektar gekauft werden.

Andreas Natrop (52) ist Landwirt und nicht gut auf den Naturschutzbund Deutschland (NABU) zu sprechen. Nicht nur für ihn sind die Naturschützer als Feindbild unschlagbar. Die Landwirte in der Düffel sorgen sich vor dem neuen Life+-Projekt des NABU. Mit einem Volumen von 12,3 Millionen Euro aus Töpfen der EU und dem Land NRW ausgestattet wollen die Naturschützer 215 Hektar Land (überwiegend Grünland) in der Düffel kaufen, um so selten gewordene Vögel in den Feuchtwiesen besser zu schützen. Der NABU will wichtige Kernflächen erwerben und diese an Landwirte rückverpachten.

Andreas Natrop braucht jeden seiner 90 Hektar für seine 110 Kühe. "Ich könnte eher noch zehn Hektar mehr gebrauchen als einen abgeben", sagt Natrop. Der Betrieb, den sein Vater aufgebaut hat, ist auf die 90 Hektar angewiesen. Das Argument, kein Bauer sei gezwungen, Land zu verkaufen und seine Existenz zu gefährden, zieht für Natrop nicht: "Mir gehören 15 Hektar, den Rest habe ich gepachtet." Alleine von einem Besitzer hat er 22 Hektar gepachtet. Sollte der auf die Idee kommen, dem NABU die 22 zu verkaufen, könnte Natrop seinen Laden dichtmachen. "Dann müsste ich große Mengen Futter dazukaufen. Das wäre für mich das wirtschaftliche Ende", sagt der Landwirt. Und so wie bei dem 52-jährigen Milchbauern ist die Situation auch bei vielen anderen Landwirten. Die Flächen, die zu dem Projekt gehören, sind für Natrop nahezu nutzlos. Hier muss auf den Einsatz mineralischer Dünger und Gülle sowie Spritzmitteln verzichtet werden. Zusätzlich gilt eine Bewirtschaftungsruhe von Mitte März bis Juli, wenn die Wiesenvögel brüten oder Junge haben. Für Natrop würden beim Ankauf von 215 Hektar, die für die Landwirtschaft damit nahezu wegfallen, drei mittelgroße Betriebe vom Aus bedroht sein. Nahezu alle Bauernverbände stehen dem Projekt des NABU vorsichtig formuliert ablehnend gegenüber.

In der Planungs- und Umweltausschusssitzung der Gemeinde stellte Dr. Andreas Barkow vom NABU das Life+-Projekt vor. Barkow betonte, dass das Vorhaben auch für die Region gut sei, es würde ein Mehrwert geschaffen und es fände ein Geldfluss in die lokale Wirtschaft statt. Ziel sei die Bestandssicherung der Wiesenvögel. Vor allem in Reihen der vielen Landwirte lösten seine Ausführungen alles andere als Jubelstürme aus. Auch die nicht zu verachtenden Kosten von 12,3 Millionen Euro wurden thematisiert. Im vergangenen Jahr gab es 0,3 Jungvögel pro Brutpaar im Naturschützgebiet Düffel. "Das würde ja auf nahezu auf eine Million Euro pro Vogel hinauslaufen", merkte ein Landwirt an. Naturschützer Barkow entgegnete: "Auch ein Kilometer Autobahn würde 12 Millionen Euro kosten." Die, so der Milchbauer, seien ihm aber lieber.

Der Schritt von einer emotionalen Diskussion zum sachlichen Umgang wurde dennoch geschafft, so sah es jedenfalls Nabu-Vorsitzender Dr. Volkhard Wille: "Wir wollen jetzt eine Betroffenheitsanalyse erstellen. Es gibt sicher Interessenskonflikte, doch bin ich mir sicher, dass es für beide Seiten möglich ist, Gewinn aus dem Projekt zu ziehen." Es gebe Bauern, die auch gern verkaufen würden, weil etwa kein Hofnachfolger da wäre, so Wille.

Die Diskussion wurde von der "Stimme der Vernunft", Bürgermeister Günter Steins, beendet: "Wenn man eine Trennung zwischen intensiv und extensiv genutzten Flächen hinbekäme, würde dies beiden Seiten helfen. Nur befürchte ich, dass auch die von den Landwirten genutzten Gebiete Einschränken erfahren." Und das befürchtet wohl nicht nur er.

(RP/ac)
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