Exhibitionismus in Kleve: "Ich hörte ihn hinter mir hecheln"

Exhibitionismus in Kleve : "Ich hörte ihn hinter mir hecheln"

In den vergangenen drei Wochen gab es vier Fälle von Exhibitionismus in Kleve. Bei zwei der Fälle geht die Polizei vom gleichen Täter aus. Das letzte Opfer, eine 24-jährige Frau, sprach mit der Redaktion über das schockierende Erlebnis.

Früher Abend. Eine junge Frau (24) hat nach der Arbeit eine Freundin besucht und möchte noch schnell etwas einkaufen. Dunkel ist es noch nicht. Es dämmert aber in der Klever Sackstraße. Plötzlich spürt die Frau etwas hinter sich. Einen Mann. Er hechelt. Die Frau dreht sich um. Sein Genitalbereich ist nackt, und er hält sein Glied in der Hand. Dabei starrt er die 24-Jährige mit eindringlichem Blick an. Ein Exhibitionist.

Innerhalb der vergangenen drei Wochen kam es in Kleve zu vier Fällen von Exhibitionismus - eine ungewöhnliche Häufung. Wie groß der Drang für Exhibitionisten ist, sich zu zeigen, sieht man am ersten der vier Fälle. Am 22. September zeigte ein etwa 45-jähriger Mann sein Glied inmitten eines Drogeriemarktes in Kellen. Die letzten beiden Fälle in der Ackerstraße und in der Sackstraße liegen gerade einmal zwei Tage auseinander. Bei diesen beiden Delikten geht die Polizei vom gleichen Täter aus. Von einer Serie wollen die Fahnder aber noch nicht sprechen. Das letzte Opfer war bereit, mit unserer Redaktion zu sprechen.

Die 24-Jährige, die in der Sackstraße belästigt wurde, schilderte ihre Empfindungen so: "Ich stand unter Schock". Perplex habe sie sich umgedreht und sei weitergelaufen, berichtet die junge Frau. Nach wenigen Schritten habe sie aber gemerkt, dass sie etwas tun muss. "Ich drehte mich um, der Mann rannte schnell weg. Dann rief ich sofort die Polizei", sagt die 24-Jährige

Die junge Frau hat laut der Pressesprecherin der Polizei in Kleve, Manuela Schmickler, genau richtig reagiert. "Vor allem, wenn kein anderer Mensch in der Nähe ist, ist es wichtig, dass man dem Täter nicht das gibt, was er sich bei seiner Tat erwünscht: Aufmerksamkeit", sagt Schmickler. Wenn sich jedoch viele Menschen in der Nähe aufhalten, sollten Opfer verbal auf den Täter aufmerksam machen: "Man kann ihn laut ansprechen, um so die Aufmerksamkeit anderer Menschen auf die Situation zu ziehen", empfiehlt Schmickler. Laut der Polizei geht von den Exhibitionisten jedoch keine ernstzunehmende Gefahr aus. "In der Regel ist ein solches Erlebnis natürlich unangenehm, aber nicht gefährlich", sagt Schmickler.

Der Opferschutzbeauftragte der Polizei im Kreis Kleve, Johannes Meurs, kann das bestätigen: "In den meisten Fällen, entblößen sich die Exhibitionisten 'nur' vor den Frauen. Das reicht ihnen", sagt Meurs. "Solange die Frauen ihrem natürlichen Schutzmechanismus folgen können und nicht festgehalten werden, kommt es selten zu Folgeschäden bei den Opfern", erklärt der Opferschutzbeauftragte. In der Regel sei es wichtig, den Frauen die Angst zu nehmen, dass der Täter übergriffig werden könnte.

Meurs ist für alle Geschädigten rund um die Uhr telefonisch erreichbar. "Häufig melden sich die Frauen erst einige Tage nach dem Vorfall", erzählt Meurs. "In der Regel tragen die Opfer von exhibitionistischen Handlungen jedoch keine Spätfolgen davon", sagt der Beauftragte für Opferschutz.

Wie die Frauen letztlich mit dem Erlebten umgehen, hinge häufig von Alter und von der Reife der Frauen ab. Trotz der Erfahrung der Polizei, dass Exhibitionisten in der Regel nicht handgreiflich werden, machen sich die Täter einer "exhibitionistischen Handlung" strafbar. Ein verurteilter Exhibitionist kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr rechnen. Häufig werden die Strafen jedoch zur Bewährung ausgesetzt, oder es wird eine Geldstrafe erteilt. Wird eine solche Tat vor Kindern ausgeübt, handelt es sich jedoch immer um "sexuellen Missbrauch von Kindern".

Nachdem das 24-jährige Exhibitionismus-Opfer die Polizei über die Tat informiert hatte, ging sie einfach weiter: "Ich wollte ja schließlich einkaufen, mit dem Anruf bei der Polizei war die Sache eigentlich für mich erledigt", sagt die junge Frau. Sie glaubt, das Erlebte gut verkraftet zu haben und meint, sie habe "keinen Knacks" davongetragen.

"Mir war es trotzdem wichtig, dass ich den Vorfall der Polizei melde. Die Exhibitionisten sind zwar krank, machen sich aber trotzdem strafbar. Kurz nachdem der Mann nämlich weggelaufen ist, kam ein kleines Mädchen um die Ecke an der Sackstraße. Stellen Sie sich vor, der Mann hätte sich vor dem Kind entblößt . . ."

Auch wenn die junge Frau meint, die Tat des Exhibitionisten gut verkraftet zu haben, wird sie in Zukunft aufmerksamer durch die Straßen laufen. "Man kann nicht ausschließen, dass doch etwas Schlimmeres passiert", sagt die 24-Jährige.

(skr)
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