Weeze: Geizefurt — Weezes Ursprung

Weeze: Geizefurt — Weezes Ursprung

In der Reihe Weezer Archiv veröffentlichte die Gemeinde jetzt den dritten Band, der sich unter anderem mit der ersten urkundlichen Erwähnung und Lokalisierung der mittelalterlichen Hofanlage Geizefurt befasst.

Viel früher, als der Name Weeze irgendwo auftaucht, wurde schon die Villa Geizefurt erwähnt — im Jahr 855 nämlich. Als die Weezer Bürger 1956 mit einem historischen Umzug eine 1100-Jahr-Feier begingen, ignorierten sie den Umstand, dass sie sich nur auf Geizefurt, nicht auf Weeze als Ort, berufen konnten.

"Aber das ist nicht verwunderlich — zehn Jahre nach Kriegsende war jeder Anlass, zu feiern, willkommen", entschuldigt Weezes Bürgermeister Ulrich Francken die Nachlässigkeit seiner Amtsvorgänger. Die Villa Geizefurt ist übrigens kein einzelnes Gebäude, sondern ein Höfekomplex, der auf dem Gelände des heutigen Büssenhofes am Kalbecker Weg lag. Bislang gilt die Erwähnung Weezes von 1226 als ältester Hinweis auf den Ortsnamen.

Wissenschaftliches Kolloqium

Der inzwischen verstorbene ehemalige Kreisarchivar Karl-Heinz Tekath hatte der Gemeinde vor Jahren geraten, ein wissenschaftliches Kolloquium zu veranstalten, an dem der Historische Verein für Geldern und Umgegend sowie die grenzüberschreitend tätige Niederrhein Akademie mitwirken sollten. Das geschah im November 2005. An der Tagung mit dem Titel "Weeze und der Raum an Niers und Kendel" nahmen damals Professoren mehrerer Universitäten, Wissenschaftler von Ämtern und Behörden, Archivare aus der Region sowie als lokale Kapazität Bernd Kibilka, Rektor der St. Hubertus Grundschule, teil.

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Zusammenfassungen und Ergebnisse der damals gehaltenen Referate veröffentlicht die Gemeinde nun in Band 3 ihrer Schriftenreihe "Weezer Archiv". Redaktionell bearbeitet hat das informative Werk Weezes Archivar Franz-Josef Hetjens.

Was war denn nun die Villa Geizefurt? Bert Thissen, Archivar aus Kleve, beschreibt in einem längeren Beitrag die Verbindung von Geizefurt und der Reichsabtei Lorsch. Die hatte nämlich seit dem achten Jahrhundert Besitzungen von den Niederlanden bis in die Schweiz. Geizefurt gehörte dazu, nachzulesen ist dies im Codex Laureshamensis, einer Handschrift aus der Zeit um 1180 mit Nachträgen bis ins 15. Jahrhundert.

Thissen verfolgte die Reihe der Eigentümer mehrerer Höfe über viele Generationen zurück. Mit dem Büssenhof der heutigen Familie Verheyen hatte er Glück und stieß im 16. Jahrhundert auf einen Hinweis zu Geizefurt.

Neben der Lokalisierung von Geizefurt geht's in den Beiträgen des Buches auch um die Geschichte der anderen Weezer Adelsgeschlechter, die die Entwicklung der Gemeinde seit dem Mittelalter beeinflussten. Auch die Grafen von Geldern und Kleve sowie das Stift Xanten werden bedacht. Bernd Kibilka äußert sich zur "wahren Geschichte der Grabung in der St. Cyriakus Pfarrkirche Weeze", Prof. Derks von der Uni Duisburg-Essen nimmt sich der frühen Ortsnamen an Niers und Kendel an.

(RP)