Kreis Viersen: Fachkräfte haben beste Perspektiven

Kreis Viersen: Fachkräfte haben beste Perspektiven

Der Mangel wird in der Region mehr und mehr spürbar. Industrie- und Handelskammer und Kreishandwerkerschaft appellieren an die Betriebe, sich verstärkt um Nachwuchs zu bemühen. Noch immer sind Ausbildungsplätze unbesetzt.

Die Zahl der bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein neu eingetragenen Ausbildungsverträge lag zum Ende des Ausbildungsjahres mit 4340 etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Die Lage in den verschiedenen Regionen ist allerdings sehr unterschiedlich: "In Krefeld und im Kreis Viersen konnten wir einen leichten Zuwachs verzeichnen, in Mönchengladbach und im Kreis Neuss gab es leichte Rückgänge", sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Angesichts rückläufiger Schulabgänger- und Bewerberzahlen sowie steigender Studentenzahlen sind die aktuellen Eintragungszahlen bei den Ausbildungsplätzen zufriedenstellend.

Eine besondere Aufgabe bleibe es, Unternehmen und mögliche Auszubildende zusammenzubringen und bei Jugendlichen, Eltern und Lehrern für die bewährte duale Ausbildung zu werben. Dazu schickt die IHK im Rahmen ihres Projekts "Ausbildungsbotschafter" Azubis in die Schulen. "Außerdem sorgen wir mit unseren Matcherinnen für eine passgenaue Vermittlung, informieren Eltern im Elterncafé und beraten Unternehmen bei der Gewinnung von Fachkräften", sagt Steinmetz. Dank zahlreicher gemeinsamer Initiativen - zum Beispiel "Check in Berufswelt" - und einer engagierten Unternehmerschaft sei der Mittlere Niederrhein eine attraktive Ausbildungsregion.

Der IHK-Hauptgeschäftsführer appelliert an die Unternehmen, Ausbildung zu unterstützen und auszubauen und dabei auch denjenigen eine Chance zu geben, die nicht zu 100 Prozent in das Anforderungsprofil passen. Der Fachkräftemangel sei bei den Betrieben der Region inzwischen deutlich spürbar angekommen und stelle ein wesentliches Risiko für die konjunkturelle Entwicklung dar. "Die Verantwortlichen müssen erkennen, dass nur eine Lösung gibt: Ausbilden." Steinmetz appelliert aber auch an die jungen Leute und deren Eltern: "Es ist wichtig, nicht nur den einen Traumberuf im Kopf zu haben, sondern auch ähnliche Berufe in Erwägung zu ziehen oder sich über unbekante Berufe zu informieren." Auch längere Fahrtzeiten solle man in Kauf nehmen.

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Das Handwerk der Region konnte das Ausbildungsniveau deutlich steigern. Zum Ende des Ausbildungsjahres wurden im Bereich der Kreishandwerkerschaft Niederrhein 1504 neue Lehrverträge abgeschlossen, fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. "Diese Zahlen belegen, wie attraktiv das Handwerk nach wie vor für junge Menschen ist", sagt Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Besonders die technisch anspruchsvollen Berufe wie Elektroniker, Kfz-Mechatroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik böten sehr sichere Arbeitsplätze und hervorragende Zukunftsperspektiven. Hinzu komme, so Koralewski weiter, dass zahlreiche Betriebe nicht nut gut ausgebildete Fachkräfte suchten, sondern auch Nachfolger in der Unternehmensleitung. "Das zieht sich durch nahezu alle Branchen", sagt Koralewski. Somit sei eine handwerkliche Ausbildung eine hervorragende Basis, etwa für eine Selbstständigkeit. Für die berufliche Karriere brauche man nicht unbedingt ein Studium: "Wer ehrgeizig ist, hat im Handwerk allerbeste Chancen."

Trotz der durchaus erfreulichen Zunahme blieben im Handwerk noch genügend Ausbildungsplätze unbesetzt. Es fehlten, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer, aufgrund des demografischen Wandels und des "Akademisierungswahns" dringend benötigte Bewerber im Handwerk. Trotzdem lasse sich festhalten, dass die Imagekampagne im Handwerk Erfolg zeige und wieder mehr junge Menschen den Weg in die duale Ausbildung und ins Handwerk suchten.

(RP)