Stadt Kempen: Den Himmel in Szene setzen

Stadt Kempen: Den Himmel in Szene setzen

Egal, ob früh am Morgen oder abends kurz vor der Dämmerung: Der Himmel ist als Fotomotiv beliebt. Doch wie knipst man solche Bilder eigentlich am besten? Der Kempener Fotograf Guido de Nardo gibt Tipps.

Wer regelmäßig in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, wird ihnen vermutlich schon oft begegnet sein: Fotos, die den Himmel zeigen. Bei Tag, bei Nacht, im Winter und im Sommer, mal mit gigantischen Wolkenformationen, mal mit leuchtenden Sternen. Auf Fotoplattformen wie Instagram werden solche Bilder pro Tag zu Tausenden eingestellt, viele halten her als Hintergrundmotive auf Smartphones und Computern. Doch warum faszinieren uns Aufnahmen des Himmels, der schon in Kunstepochen wie der Romantik im Zentrum der Malerei stand, eigentlich so sehr?

Einer, der es wissen muss, ist der Kempener Fotograf Guido de Nardo. "Der Himmel verändert sich ständig und kann unzählige Stimmungen transportieren. Deshalb fotografieren wir ihn gern", sagt der 45-Jährige, der am Buttermarkt ein Fotostudio betreibt. Seit 1984 ist de Nardo selbstständig und bildet heute als Mitglied des Gesellenprüfungsausschusses Fotografen in der ganzen Region aus. Er weiß, wie man den Himmel fotografiert und was zum Scheitern führt - die Kamera in die Luft halten und einfach mal abdrücken zum Beispiel. Der Profi erklärt den Weg zum perfekten Bild in vier Lektionen.

Ausrüstung wählen Der erste Ratschlag ist bitter für die Geldbörse: Den Himmel nicht mit dem Handy fotografieren, stattdessen lieber in eine Digital- oder sogar in eine Spiegelreflexkamera investieren, empfiehlt der Fotograf. Da können - je nach Gerät - schon mal mehrere Hundert Euro fällig werden. "Wer ein gutes Bild vom Himmel machen will, sollte kein Smartphone benutzen", sagt de Nardo. Das eigne sich zwar für schnelle Schnappschüsse, aber aufgrund der geringen Brennweite nicht für solch aufwendige Außenaufnahmen. "Auch wenn die Technik dort immer besser wird: Handys kommen derzeit nicht an professionelle Kameras heran." Außerdem solle man für schlechte Lichtverhältnisse, besonders in der Dämmerung, ein Stativ einpacken. Wer gegen das Licht fotografieren will, sollte eine Gegenlichtblende nutzen. "Das Licht kann so nicht direkt auf die Linse fallen und das Bild durch Reflexionen beeinträchtigen", sagt de Nardo.

Das schönste Motiv finden

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Kreativ sein kann man lernen - zumindest bis zu einem gewissen Grad, sagt de Nardo. Zwar könne man nicht erwarten, sofort preisverdächtige Bilder zu knipsen, aber es sei möglich, "ein Bild wie ein Maler zu komponieren". Wichtig sei, so der Kempener Fotograf, sich vorher Gedanken über das Motiv zu machen. "Man sollte auf eine besondere Perspektive oder einen besonderen Kontrast achten", sagt de Nardo. Dabei helfe, die Umgebung am Boden in das Foto einzubinden: Gebäude, Flüsse, Felder oder große Brücken. Wer sicher sein will, den richtigen Moment und die richtige Stimmung einzufangen, solle mehrere Fotos machen und erst zu Hause entscheiden, welches das beste ist, rät der Fotograf.

Kamera richtig einstellen "Mit dem Kamera-Modus steht und fällt alles", sagt de Nardo. "Der Automatik-Modus macht durchweg Bilder, die okay sind, aber eben nicht außergewöhnlich." Es sei damit nicht möglich, auf sehr wenig oder sehr viel Licht zu reagieren. Der Fotograf empfiehlt den manuellen Modus. Dort kann man unter anderem die Blende und die Belichtungszeit einstellen. Letztere sollte bei klaren Lichtverhältnissen eher kurz, bei schwierigen eher lang sein. Eine große Blendenöffnung sorgt für den typisch unscharfen Vorder- oder Hintergrund, eine kleine Blendenöffnung für eine große Tiefenschärfe. "Es ist außerdem wichtig, im sogenannten RAW-Format zu fotografieren", sagt de Nardo. Damit können die Bilder später am Computer mit mehr Optionen bearbeitet werden. Wer das Handy trotzdem zum Fotografieren nutzen will, sollte den HDR-Modus einschalten, der die Farben besser zur Geltung bringt, und darauf achten, dass die Linse den richtigen Bildausschnitt fokussiert.

Foto am Computer bearbeiten Der Feinschliff sollte nicht draußen in der Natur, sondern am Schreibtisch stattfinden, sagt de Nardo. An speziellen Programmen wie Photoshop oder der kostenlosen Software RAW Therapee lässt sich das Bild dann individuell entwickeln. "Man kann dort fast alles verändern - den Kontrast, die Farben, die Helligkeit und sogar Fehler, die beim Fotografieren entstanden sind, korrigieren", sagt de Nardo. Auch Zuschneiden lässt sich das Foto am Computer. Ein solcher Schnitt könne das Bild völlig anders wirken lassen, so der Fotograf. "Bei einem Foto von einem Sonnenuntergang habe ich die Sonne einfach mal abgeschnitten. Man sah nur, wie sich das Licht im Wasser spiegelt." Anders als bei Porträtfotos könne man sich bei Landschaftsaufnahmen am PC austoben - und habe dann vielleicht ganz schnell ein richtig hübsches Bild, sagt de Nardo.

(atrie)