Jüchen: Otzenrather als erster Fotograf prämiert

Jüchen: Otzenrather als erster Fotograf prämiert

Gert Behr bekommt als erster Fotograf im DVF-Regionalverband Rheinland Gold für seinen Wettbewerbs-Erfolg.

Eine gute Kamera ist das eine. Wer allerdings wirklich gute Fotos machen möchte, der muss auch sein Handwerk verstehen. Gert Behr aus Otzenrath ist einer derjenigen, die seit Jahrzehnten erfolgreich hinter der Kamera stehen: Er weiß um richtige Lichtverhältnisse und ideale Perspektiven. Der 78-Jährige wurde jetzt vom Regionalverband Rheinland des Deutschen Verbandes für Fotografie (DVF) mit der goldenen "Iris" ausgezeichnet - eine Leistungsmedaille, die noch nie zuvor im Regionalverband vergeben wurde.

Tatsächlich führt Gert Behr mit 122 Punkten, die er bei verschiedenen Wettbewerben für seine Fotos erhielt, die Punkte-Tabelle des Verbandes deutlich an. Wenn er auch seit 48 Jahren Mitglied des Verbandes ist, so deutet die Auszeichnung auf den Erfolg seiner Bilder hin: Gert Behr fotografiert aus Leidenschaft. Und um gute Fotos zu machen, ist er sich auch nicht zu schade, sich hinzuknien, auf Leitern zu steigen - oder längere Zeit auf perfekte Lichtverhältnisse zu warten. "Ich versuche, meine Fotos so wenig wie möglich nachzubearbeiten. Wenn es zu viel Bearbeitung ist, dann ist es nicht mehr mein Foto", sagt der Otzenrather, der sich im Alter von gerade einmal 15 Jahren mit seiner ersten Analog-Kamera im Fotografieren versuchte.

"Leitlinie": Dieses Foto entstand in einer Kölner U-Bahn-Station. Foto: Behr

Das erste Foto, mit dem er international bei Wettbewerben Erfolg erzielte, machte Behr 1973. Es ist ein Porträt seines Vaters, der Tauben gezüchtet hat. Das Foto zeigt seinen Vater, sitzend, während eine Taube "aus dem Bild heraus flattert". "Für das Foto habe ich bestimmt drei Filme verbraucht. Es kam einfach auf den richtigen Moment an." Behr hatte es damals zu einem von der UNO zur Messe Photokina ausgeschriebenen Wettbewerb geschickt und erhielt seine erste Medaille.

"Meine Euphorie war damals natürlich sehr groß. Ich habe dann bis 1993 regelmäßig an internationalen Wettbewerben teilgenommen", sagt der Otzenrather, der in 33 Ländern auf allen fünf Kontinenten Erfolge mit seinen Fotos erzielte. Ein Höhepunkt seiner Karriere: die Auszeichnung mit dem Ehrentitel des Weltverbandes für künstlerische Fotografie, die er im Jahr 1986 erhielt.

Knalliges Orange trifft Schwarz-Weiß: "Notausgänge" nennt Gert Behr dieses Foto. Foto: Behr
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Inzwischen lässt es Gert Behr etwas ruhiger angehen. An Wettbewerben nimmt er immer noch teil, allerdings nur noch auf Landes- und Bundesebene. "Ich freue mich heute noch über jede Auszeichnung", betont der Fotograf, der in Jüchen vor allem für seine Otzenrath-Fotos bekannt ist. Der 78-Jährige schätzt, dass sein Archiv rund 10.000 Negative umfasst, die Ansichten aus dem alten Ort zeigen. Theoretisch könnte er Alt-Otzenrath mit allen Häusern jeder Straße rekonstruieren - und das für die Zeit vor Beginn der Umsiedlung des Dorfes, das inzwischen vollständig dem Braunkohlentagebau Garzweiler gewichen ist. Viele Autoren haben in den vergangenen Jahren auf seine Sammlung zurückgegriffen: Sie gilt als "echter Schatz".

"Zweikampf": Der Otzenrather besucht mit seiner Kamera auch Sportveranstaltungen. Foto: Gert Behr

Über die Dokumentation hinaus versucht Gert Behr mit seinen Fotos auch banale Dinge des Alltags festzuhalten. "Oft wirken sie auf Fotos ganz anders. Es kommt auf die Perspektive an", erzählt der Otzenrather, der beim Fotografieren oft jede Menge Geduld an den Tag legt. Für bestimmte Motive wartet er auf eine ideale Sonneneinstrahlung mit entsprechendem Schattenwurf, für andere Fotos wartet er auf eher graues Wetter. Das hat sich unter anderem bei der Ablichtung der Fassade eines großen Logistikzentrums bei Jüchen bewährt, an der mehrere Notausgänge ins Freie führen. Auch dieses Bild ist ausgezeichnet worden.

"Ruheplatz": Den Mann porträtierte Behr genau im richtigen Moment. Foto: Behr

Ans Aufhören denkt Gert Behr nicht: Er experimentiert weiter und hat bereits eine Auswahl getroffen, welche Fotos er zum nächsten Wettbewerb des Deutschen Verbandes für Fotografie einschicken möchte. Der Otzenrather möchte seinem Stil dabei treu bleiben - und weiterhin auf starke Nachbearbeitung seiner Fotos verzichten. "Das ist die wahre Kunst."

Mit dem "Taubenfreund" feierte Behr seine ersten internationalen Erfolge. Foto: Gert Behr
(cka)
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