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Lineg renaturiert die Große Goorley in Kamp-Lintfort.

Umweltschutz in Kamp-Lintfort : Mehr Natur für die Große Goorley

Ein 670 Meter langes Teilstück des Gewässers wird für 2,86 Millionen Euro naturnah umgestaltet. Das Land fördert mit 1,2 Millionen Euro.

In einem sanften Bogen schmiegt sich die Große Goorley an die Ringstraße in Kamp-Lintfort. Der Bachlauf im Osten des ehemaligen Zechengeländes wirkt zurzeit noch wie eine Kraterlandschaft, Baufahrzeuge arbeiten sich durch das Erdreich. Schon im August soll das Gewässer dort jedoch wieder sichtbar fließen. Die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft (Lineg) lässt ein 670 Meter langes Teilstück, den Oberlauf der Großen Goorley seit Juli 2018 naturnah umgestalten und die ökologische Fließgewässerfunktion wieder herstellen. Die Renaturierung hat für die städtebauliche Entwicklung des ehemaligen Bergwerkstandorts eine hohe Bedeutung: Im Zuge der Landesgartenschau 2020 soll ein Teil des Geländes als Parklandschaft entwickelt und Besuchern zugänglich gemacht werden. Die Große Goorley ist ein zentrales Element dieser Entwicklung. Bis die Große Goorley aber so weit ist, gibt es für die beauftragten Firmen viel zu tun. Die reinen Baukosten sind mit etwa 2,86 Millionen Euro (brutto) veranschlagt. Die Maßnahme wird mit 1,2 Millionen Euro vom Land NRW gefördert.

Die Große Goorley ist etwa 2,4 Kilometer lang, durchfließt das Kamp-Lintforter Stadtgebiet und verbindet die Altsiedlung mit dem Stadtteil Kamp. Dort mündet sie unterhalb des Klosters Kamp in die Fossa Eugeniana. Das Gewässer, das ursprünglich frei fließend seinen Anfang in einem Sumpfgebiet am nicht mehr bestehenden Gormannshof nahm, entwickelte sich im Zuge der Industrialisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem Entwässerungsgraben zu einem Abwasserkanal der Zeche Friedrich Heinrich sowie der damals noch neuen Wohn- und Geschäftshäuser an der Moerser Straße. „Grubenwasser sowie der Ablauf der Kläranlage wurden über die Große Goorley abgeleitet“, erläutert die Genossenschaft. Vor der Baumaßnahme stellte sie sich als ein Gewässer dar, das stark ausgebaut und überformt war. „Sie war über mehrere Teilstrecken verrohrt“, beschreibt die Lineg den Zustand zu Beginn der Umgestaltung. Im Zuge der Renaturierung wird das Teilstück nun komplett offengelegt und nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie in seinen alten Zustand zurückgebaut.

Verrohrung und Betonsohlschalen wurden in den vergangenen Monaten entfernt, die alte Kläranlage an der Albertstraße abgebrochen. „Sie wird nicht mehr benötigt“, so die Lineg. Im Bereich des Quellbauwerkes, das durch gereinigtes Grund- und Regenwasser gespeist wird, wurde mittlerweile an der Franzstraße durch die RAG MI Ersatz für die alte Grundwasserreinigungsanlage geschaffen. Das Gewässerbett wurde auf der Strecke auf Höhe gebracht, damit – so der Bauleiter im RP-Gespräch – die Goorley wahrnehmbar wird und die zukünftigen Uferböschungen nicht zu steil sind. Der Bachlauf wird mäandernd verlegt. Es sind Verzweigungen vorgesehen, der Verlauf wird in Tiefe und Breite variieren, und es wird eine Ersatzaue geschaffen, erläutert die Genossenschaft. Eine Herausforderung war sicherlich der Kino-Neubau am Kreisel Ring- und Moerser Straße, den die Planer der Lineg ebenso berücksichtigen mussten: Der Verlauf der Großen Goorley wurde deshalb um einige Meter von der alten Trasse entfernt verlegt. Die Bauarbeiter errichteten außerdem eine Sohlgleite von 50 Metern Länge, damit das Wasser im Bereich der Friedrichstraße unterirdisch in das Regenrückhaltebecken der Stadt Kamp-Lintfort weiter fließen kann. Dafür wurden unter anderem Betonpfahlwände gebaut, vergleichbar einer Flügelwand, die an das bestehende Schachtbauwerk anschließen. Die Lineg geht davon aus, dass die Bauarbeiten zügig vorangehen, so dass das Gewässer noch dieses Jahr wieder fließen wird.