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Sozialkaufhaus in Kamp-Lintfort setzt auf Nachhaltigkeit und Ökologie

Einkaufen in Kamp-Lintfort : Sozialkaufhaus im Gestfeld setzt auf Nachhaltigkeit und Ökologie

Das Kaufhaus Help im Gestfeldcenter verkauft Möbel, Haushaltsgeräte, Kleidung und Geschirr.

Dirk Weber (49) ist ein Freund der Shabby-Chic-Bewegung, die vor 30 Jahren von der englischen Stylistin Rachel Ashwell gegründet wurde, als sie in Santa Monica im US-Bundestaat Kalifornien einen Laden eröffnete. Dort verkaufte sie Flohmarktmöbel, die sie vorher farblich verändert hatte – wie im Landhausstil. „Die Stücke sind individuell“, sagt der Alpsrayer. „Sie haben einen persönlichen Stil und sind oft hochwertig gefertigt. Sie sind alles andere – nur nicht bäh, obwohl das viele meinen.“ Er hat den „Shabby Chic“ zum Inhalt seines Berufslebens gemacht, nachdem er zunächst als gelernter Industriemeister und Abteilungsleiter tätig war. Er arbeitete unter anderem in einem Chemieunternehmen. Heute geht es ihm, wie er sagt, um Nachhaltigkeit, die neben der Individualität die Idee des Möbel-Zweit-Einsatzes ist. „Die Schrankwand ist schon einmal in die Rechnung eingegangen, wie ein alter Schrank, den wir im Shabby Chic aufbereiten. Und wenn eine Schrankwand 20 Jahre lang hält, hält sie weitere 20 und noch einmal 20. Es entsteht kein Müll.“

Im Mai 2018 eröffnete er im Gestfeldcenter das Sozialkaufhaus Help 2007. Dort bietet er mit seinen Mitarbeitern vor allem Möbel und Hausgeräte an, aber auch Kleidung, Porzellan, Spielzeug, Bücher oder Schallplatten. „Wir sind ein großer Trödelmarkt“, blickt er auf die Fläche von 400 Quadratmetern, die bis in die 1990er Jahren vom Supermarkt Spar Urban belegt war, um dann mehrfach zu wechseln und lange leer zu stehen.

Möbel und Trödel stammen vor allem aus Haushaltsauflösungen. „Wir bieten alles an“, erzählt Dirk Weber. „Es kann eine Hilfeleistung sein, zum Beispiel wenn jemand seine alte Couch zum Sperrmüll anmeldet, aber niemanden hat, der sie hinunter trägt. Es kann eine Umzugshilfe sein, wenn jemand noch alles einräumen kann, aber jemanden braucht, der die Möbel aus der Wohnung räumt. Oder es kann eine komplette Haushaltauflösung sein, wenn zum Beispiel jemand in ein Seniorenheim zieht und Töchter oder Söhne nicht in der Nähe wohnen.“

Dabei hauchen die Mitarbeiter des Sozialkaufhauses nur Schränken, Tischen oder Stühlen ein zweites Leben ein, die gut erhalten sind und in kleine Wohnungen passen. „Gefragt sind Betten, Sessel, kleine Schränke, Jugendzimmer oder Küchenelemente“, zählt der Kaufhausbesitzer auf. „Nicht gefragt sind große Wohnzimmerschränke, Glastische und Möbel aus minderem Material. Unsere Kunden sind meistens Menschen, die nicht mehr als den Hartz-IV-Satz haben. Entsprechend niedrig sind die Preise.“ So bietet das Kaufhaus zum Beispiel ein hochwertiges, fast neues Jugendzimmer mit Schrank, Bett, Matratze, Schreibtisch und Stuhl für 190 Euro an. „Geld verdienen kann ein Sozialkaufhaus nicht“, berichtet Dirk Weber. „Wir sind glücklich, wenn wir jeden Monat eine schwarze Null schreiben. Uns geht es gar nicht ums Geldverdienen. Wir tun etwas Sinnvolles, etwas gegen Kinderarmut und Altersarmut. Wir leisten etwas für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“

Das Sozialkaufhaus Help liegt im Gestfeldcenter, Rundstraße 39, im Kamp-Lintforter Stadtteil Gestfeld. Es hat montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet und samstags von 11 bis 16 Uhr. Es ist erreichbar über Telefon 02842 9735737 oder E-Mail kamp-lintfort@help.de