Kreis Wesel: Immer mehr Unfälle mit Pedelecs

Verkehrsunfallbilanz der Polizei im Kreis Wesel: Immer mehr Unfälle mit Pedelecs

Die Kreispolizei begrüßt den Pedelec-Trend, warnt aber vor Risiken. Die Zahl der Unfälle mit den modernen Rädern steigt stark an. Es gibt auch erfreuliche Zahlen in der Jahresbilanz für 2018. Die Zahl der Verkehrstoten ist rückläufig.

Elektrische Pedelec-Fahrräder sind das Trend-Fortbewegungsmittel auch am Niederrhein. 800.000 Pedelec-Nutzer soll es mittlerweile in Deutschland geben. Rüdiger Kunst, Chef der Kreispolizei Wesel, rechnet mit einem starken Anstieg der Zahlen in den kommenden Jahren auch im Kreis. „Schon jetzt sieht man, wenn man sonntags auf den Marktplatz in Xanten fährt, fast nur noch Pedelecs“, sagt Kunst. Das veränderte Mobilitätsverhalten macht sich auch in der neuen Unfallstatistik der Kreispolizei bemerkbar. Die Zahl der Unfälle mit Rad- und Pedelecfahrern ist auf einem Höchststand.

Die Zahlen im Detail: Gab es 2017 564 Unfälle mit Radfahrern im Kreisgebiet (Moers: 127), so stieg die Zahl auf 663 (139). Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer stieg von 68 (Moers: 107) auf 76 (132). Die Polizei Wesel steuert gegen den Trend, indem sie als eine von nur zwei Behörden im Land Pedelec-Training anbietet (Anmeldung: 0281 1073220). Weil ein Pedelec deutlich schneller sein kann als ein mit Muskelkraft betriebenes Rad, sind andere Bremswege zu bedenken. „Das ist ein Problembereich, der wird bleiben“, sagte Rüdiger Kunst. Er betont aber, dass es die Polizei generell begrüße, wenn Senioren, durch ein Pedelec wieder mobil werden können.

Einige erfreuliche Tendenzen lassen sich in der Unfallstatistik feststellen: Zwar stieg die Zahl der Unfälle kreisweit an, von 3445 pro 100.000 Einwohner auf 3472. Der Kreis Wesel liegt aber deutlich unter dem Landestrend. In NRW gibt es pro 100.000 Einwohner aktuell 3688 Unfälle. Im Kreis gab es 2019 16 Unfalltote, das ist auch der Mittelwert des vergangenen Jahrzehnts. Den Hauptanteil machen mit elf die Pkw- und Klein-Lkw-Fahrer aus, unter den Toten sind aber auch ein Pedelecfahrer, ein Fußgänger und ein Radfahrer sowie zwei Traktorfahrer. Rüdiger Kunst verweist aber auf Langzeitveränderungen. „Im Jahr 1976 hatten wir bei der Kreispolizei noch über 120 Tote pro Jahr zu vermelden.“ Ein Kind ist im vergangenen Jahr im Kreis im Straßenverkehr nicht ums Leben gekommen, dafür zwei „junge Fahrer“, die gerade erst den Führerschein hatten.

Die Polizei ist auch auf diesem Feld präventiv unterwegs. Rüdiger Kunst und sein Stellvertreter Norbert Klump verwiesen auf das Landesprogramm „Crash Kurs NRW“, bei dem Schülern die Folgen von Unfällen drastisch aufgezeigt werden. 3000 Weseler Jugendliche wurden bei insgesamt 24 Veranstaltungen an Schulen damit erreicht. Eine Folge: Die Zahl der Unfälle mit „jungen Fahrern“ fiel mit 559 auf ein Zehn-Jahres-Tief, in der Spitze waren es 2011 sogar 802 Unfälle. Rüdiger Kunst kann sich vorstellen, dass die Möglichkeit des Führerscheins mit 17 Jahren, bei begleitetem Fahren durch die Eltern, sich hier positiv auswirkt.

Ein Schwerpunkt der Polizeibehörde lag im vergangenen Jahr auf dem Kampf gegen Unfälle mit Kindern. Es habe sich schon Mitte des Jahres abgezeichnet, dass die Zahl der Unfälle mit Kindern zunehmen wird, sagte Kreisdirektor Ralf Berensmeier. Letztlich verunglückten im vergangenen Jahr kreisweit 169 als aktive oder passive Verkehrsteilnehmer. Die Zahl der Unfälle stieg von 108 auf 134 (davon 34 in Moers, 16 in Kamp-Lintfort und 12 in neukirchen-Vluyn). Rüdiger Kunst appelliert an die Eltern, den Schulweg zu trainieren, auch bei sonntäglichen Radtouren die Verkehrsregeln zu erklären. Eltern von Kindern, die in Wesel die Verkehrsregeln missachten, bekommen von der Behörde einen Brief. Darin ist das Vergehen genannt, auch technische Mängel des Rades werden aufgeführt. 422 solcher Briefe wurden 2018 geschrieben.

Auch bei den älteren Verkehrsteilnehmer stieg die Zahl der Unfälle im Kreis (851 in 2017 gegenüber 910 in 2018) sowie der Verunglückten (von 291 auf 339). Auffällig: 141 der Verunglückten waren Nutzer von Rad oder Pedelec.

Eine unrühmliche Zahl bleibt die Unfallflucht: Ähnlich wie im Land ist das auch im Kreis ein Trend. Die Zahl der Unfallfluchten stieg von 2804 in 2017 auf 2966 in 2018. „Von den 16.000 Unfällen waren 3000 solche mit Unfallflucht, das ist viel“, sagte Norbert Klump. Nach einem Anfahren des parkenden Autos reiche es nicht, einfach einen Zettel an die Windschutzscheibe zu heften. Die Polizei warnt: „Die Aufklärungsquote bei Unfallflucht mit Personenschaden liegt im Kreis Wesel bei 70 Prozent.“

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