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Weihbischof Rolf Lohmann in Kamp-Lintfort: Zölibat gehört auf die Agenda

Kirche in Kamp-Lintfort : Weihbischof: Zölibat gehört auf Agenda

Rolf Lohmann tauschte sich im Kloster Kamp mit Politikern aus der Region aus.

Hören, was die Menschen der Kirche zu sagen haben – für Weihbischof Rolf Lohmann, Regionalbischof für den Niederrhein und Recklinghausen, ist das ein großes Anliegen. „Wir dürfen in der Kirche nicht unter uns bleiben, um über die wichtigen Themen zu sprechen“, sagte er bei einem Treffen mit Politikerinnen und Politikern auf Kloster Kamp. „Wir brauchen das Gespräch und die Diskussion.“ Lohmann hatte niederrheinische Politiker zu einem „kleinen Gipfeltreffen am Niederrhein“, wie er es schmunzelnd nannte, eingeladen. Dabei sprach er zunächst den Missbrauchsskandal an, „der einen riesigen Schatten auf unsere Kirche wirft“. Ein Thema, das von vielen Politikern aufgegriffen wurde. So betonte etwa die Landtagsabgeordnete Charlotte Quik (CDU), dass eine „schonungslose Aufklärung“ der Vorfälle notwendig sei. Der Weseler Landrat Ansgar Müller sagte, es sei zwar schon etwas getan worden, „aber bei Weitem noch nicht genug“.

Gesprochen wurde aber auch über die Herausforderungen in der Region. In den ländlichen Gebieten sei das Pfarrheim manchmal der einzig verbliebene Versammlungsraum in einer Gemeinde, „aber auch wir können nicht alles halten“, sagte der Weihbischof. Bundestagsmitglied Sabine Weiß (CDU) sagte, dass „diese Treffpunkte in keinem Fall wegfallen dürfen“. Sie seien eine Chance, Jugendliche für die Kirche zurückzugewinnen. Auch der Bundestagsabgeordnete Bernd Reuther (FDP) betonte, dass die Kirche vielerorts eine der wichtigen letzten Anlaufstellen sei, um Jugendarbeit und Ehrenamt im ländlichen Raum zu stärken.

Der Klever Landrat Wolfgang Spreen wies darauf hin, dass man der Kirche im sozial-karitativen Bereich in vielen Formen begegne, etwa in Form von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und der Caritas. Daher sei die katholische Kirche für ihn „ein wichtiger Partner im Kreis Kleve.“ Die Vorstellung einer Gesellschaft ohne Kirche erschrecke ihn, sie sei „ein Kitt für die Gesellschaft“.

Deutlich wurde, dass von der Kirche Reformen erwartet werden. „Die katholische Kirche braucht Vielfalt in der Einheit“, betonte die ehemalige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). In bestimmten Großregionen sollten die jeweiligen gesellschaftlichen Strömungen Beachtung finden. „Wir brauchen innerhalb der Kirche strukturelle Änderungen, sonst werden wir auf Dauer nicht überleben können“, warnte sie. Marie-Luise Dött, die für die CDU im Bundestag sitzt, wies unter anderem auf die Rolle der Frau hin, die „sichtbarer“ werden müsse. Eine Forderung, die von Charlotte Quik unterstützt wurde: „Sie kommen an den Frauen nicht vorbei“, sagte sie und fügte lächelnd hinzu, dass das „in der Politik genauso“ sei.

Lohmann sagte, er nehme die Äußerungen der Politiker „mit in die Konferenzen auf Bistumsebene und in die Bischofskonferenz.“ Er versprach, sich für Reformschritte einzusetzen. Dabei dürfe kein Thema ausgespart werden. „Auch das Thema ,Zölibat‘ oder Zugangsbedingungen zum kirchlichen Amt gehören auf die Agenda, ebenso wie das Thema ,Frau in der Kirche‘“, erklärte er. Ebenso will sich der Weihbischof für eine erneuerte Sexualmoral, die der Wirklichkeit des Zusammenseins entspricht, stark machen.

((pbm/cb))