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Kaarst: 5 Hauptschüler - 5 Erfolgsgeschichten

Kaarst : 5 Hauptschüler - 5 Erfolgsgeschichten

Montag beginnt das Anmeldeverfahren für die weiterführenden Schulen in Kaarst. Von den Zahlen wird die Zukunft der Hauptschule abhängen. Die NGZ hat mit fünf Ex-Hauptschülern gesprochen. Alle haben etwas aus ihrem Leben gemacht und beweisen: Die Hauptschule ist besser als ihr Ruf.

Nehmen wir Kevin Lietz. Vor drei Jahren hat der 19-Jährige seinen Abschluss an der städtischen Gemeinschaftshauptschule in Büttgen gemacht – mit einem Bombenzeugnis. "An der Realschule", sagt er, "war ich auch mal. Da wollten sie mich nicht. Weil ich kein einfacher Schüler war." Alle sechs Wochen hatte der Junge seine Null-Bock-Phase. Seinen Weg ins Berufsleben ist er trotzdem gegangen. Nach einem Praktikum in einem Büttgener Familienbetrieb blieb der Kontakt bestehen. Aus einem Ferienjob wurde ein Ausbildungsverhältnis. Heute ist Kevin Lietz Anlagenmechanik-Azubi im dritten Lehrjahr. Momentan überlegt er, sein Abitur nachzumachen. Eventuell möchte er Lehrer werden.

Schüler wie den 19-Jährigen, die Erfolg haben, nicht obwohl, sondern gerade weil sie einen Hauptschulabschluss haben, hat Hermann Köster viele. Und auf die sind Köster uns seine Kollegen auch ziemlich stolz. Auf circa 328 Schüler kommen derzeit 23 Lehrer und zwei Sozialarbeiter. "Was das Lernen und Motivieren betrifft, läuft bei uns viel auf der Beziehungsebene ab", sagt der Schulleiter. Das Problem ist nämlich: Wer die Hauptschule besucht, kennt ganz oft nur das Gefühl, zu den Schlechten zu gehören. Und dieses Gefühl sitzt meist sehr, sehr tief. "Ziel unserer pädagogischen Arbeit ist es, Kinder, egal, zu welchem Zeitpunkt sie zu uns kommen, anzunehmen, ihr Selbstvertrauen aufzubauen, sie zu motivieren und ihnen Perspektiven zu zeigen", sagt Köster. "Wir gehen intensiv auf jedes Problem, jede Lernsituation ein."

Unterm Strich geht es darum, die Schüler fit zu machen für einen erfolgreichen Übergang von der Schule in den Beruf. Umgesetzt wird das Konzept auf verschiedenen Ebenen. "Anschauliches Lernen" ist zum Beispiel ein Stichwort, das an der GHS eine große Rolle spielt. Das heißt, es gibt längere Übungsphasen und eine intensive Lernbegleitung, eine gezielte Sprachförderung und jede Menge Kontakt zur "echten" Arbeitswelt. Auch Albulena Hyseni (23, ausgebildete Verkäuferin) und Sarah Grosser (22, Hotelfachfrau) haben über ein Praktikum herausgefunden, welcher Beruf der richtige für sie ist. Das, sagen beide, habe definitiv Türen geöffnet.

Rebecca Liebich (23) hat an ihren qualifizierten Hauptschulabschluss das Fachabitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung dran gehängt. Heute arbeitet sie in einem Finanzbüro in Düsseldorf. "Ich hätte auch an eine andere Schule gehen können", sagt sie. "Aber ich wollte immer zu dieser Hauptschule gehen. Meine Eltern haben auch beide einen Hauptschulabschluss gemacht und ihr Leben gelebt. Die Entscheidung haben sie mir überlassen."

(NGZ)