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Kreis Mettmann: Hauptschüler suchen eine Schule

Kreis Mettmann : Hauptschüler suchen eine Schule

In vielen Städten existieren keine Hauptschulen mehr. Auswärtige Kinder werden in anderen Städten oft abgelehnt.

Auch im Kreis Mettmann haben viele kreisangehörige Städte ihre Hauptschulen geschlossen, oder sie befinden sich in der Auslaufphase. Schüler mit einer entsprechenden Empfehlung für die weiterführende Schule können zum Teil in kooperierenden Nachbarstädten, oder an Sekundar- und Gesamtschulen angemeldet werden. "Allerdings bieten nicht alle Städte im Kreis dieses Schulangebot an", so Martina Köster-Flashar, Sprecherin für Bildungspolitik der Grünen im Kreistag: "Eine verpflichtende Aufnahme durch die Nachbarstädte gibt es nicht!"

Die Ratinger Martin-Luther-King-Gesamtschule weist auf den Engpass in der Sekundarstufe eins direkt auf ihrer Homepage hin. Originaltext: "Liebe Eltern! Bitten stellen Sie zZt. keine Anfragen bezüglich eines Schulplatzes für die Sekundarstufe I. Aus Kapazitätsgründen können wir momentan nur Ablehnungen aussprechen. Wir bitten um Ihr Verständnis." Und noch ist nicht klar, ob Schüler mit entsprechender Empfehlung künftig einen Platz an der Friedrich-Ebert-Realschule bekommen könnten. Die Diskussion ist in vollem Gang.

Sechs Mettmanner Schüler wurden beispielsweise von der Gesamtschule Heiligenhaus abgelehnt. Inzwischen häufen sich Berichte von Eltern, deren Kinder eine Hauptschul-Empfehlung erhalten müssten, denen aber von Seiten der Grundschulen stattdessen eine Prüfung auf Behinderung ab Klasse Fünf empfohlen wird, um eine wohnortnahe Aufnahme an den Förderzentren des Kreises zu ermöglichen. Eltern hatten sich bei der Stadt Mettmann gemeldet, weil ihre Kinder von Schulen in den Nachbarstädten, an denen sie ihre Töchter oder Söhne angemeldet hatten, eine Absage erhalten hatten. Sie forderten die Stadtverwaltung auf, sich dafür einzusetzen, dass ihr Kind an der gewünschten Schule angenommen wird - vor allem für die Gesamtschulen in Heiligenhaus und in Haan. "Die Stadt Mettmann kann aber derartige Aufnahmewünsche an Schulen in Nachbarstädten nicht durchsetzen", erklärt Ute Piegeler, Fachbereichsleiterin für Bildung, Jugend und Soziales. Das Problem in Mettmann ist hausgemacht. Dort gibt es zwei Gymnasien und eine Realschule. Mangels Anmeldungen muss die Hauptschule geschlossen werden, die Schüler der letzten Klasse 10 verlassen im Sommer 2018 die Schule. In der Elternschaft und in den politischen Gremien ist seitdem immer wieder die Gründung einer Gesamtschule und die Schließung der Realschule diskutiert worden. Die Schulleitungen der drei weiterführenden Schulen in Mettmann haben sich ursprünglich gegen die Gründung einer Gesamtschule ausgesprochen und stattdessen für eine Erweiterung der Realschule um den Bildungsgang Hauptschule ab Klasse 7 (§ 132 c Schulgesetz NRW) angeregt. Doch das klappt so nicht. Die Mettmanner Liberalen befürchten bei der Errichtung einer Gesamtschule in Mettmann die Preisgabe der Realschule und eines der Gymnasien.

Die Stadt Hilden hat ihre letzte Hauptschule vor zwei Jahren geschlossen, die Fabry-Realschule folgt in wenigen Wochen. Als Alternative wurde die Marie-Colinet-Sekundarschule gestartet - mit Erfolg. Sie bildet stabil vier Eingangsklassen pro Jahr. Die Gesamtschule Langenfeld-Hilden hat im Schuljahr 2017/18 77 Schüler aus Hilden aufgenommen: Die Nachfrage ist seit Jahren weitaus höher.

Die vor einem Jahr gestartete Gesamtschule Haan kann sich vor Anmeldungen kaum noch retten: Nach Anmeldeschluss im Februar lagen 147 Anmeldungen vor. Gut 70 Prozent sind Haaner, fast 13 Prozent kommen aus Mettmann und fast zehn Prozent aus Erkrath. Weitere Anmeldungen kommen aus Wuppertal, Hilden und Solingen. Bei 135 Schülern ist die Fünfzügigkeit erreicht. Die Anmeldungen aus Wuppertal, Hilden und Solingen können abgewiesen werden. Die Kinder aus Erkrath und Mettmann nicht. Sie müssen laut Dezernentin Dagmar Formella den Haaner Kindern gleichgestellt werden. Zurzeit laufen Verhandlungen mit der Bezirksregierung für eine Überhangklasse.

(RP)