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Jüchen: Wappentor als Symbol für Jüchen

Jüchen : Wappentor als Symbol für Jüchen

Der Jüchener Künstler Horst Lerche spricht über das "Wappentor"-Projekt für den Kreisverkehr am Neubaugebiet Auenfeld. Seit sieben Jahren diskutieren Jüchener Politiker über eine Stiftung des Künstlers Horst Lerche an die Gemeinde Jüchen. Zwar votierte der Gemeinderat mit Mehrheit dafür, Lerches Entwurf für den Kreisverkehr am Neubaugebiet Auenfeld anzunehmen, aber die Diskussionen sind nicht aus der Welt geräumt.

Herr Lerche, vor sieben Jahren haben Sie für die Gemeinde Jüchen die Skulptur eines Wappentores entworfen. Was war damals Ihre Motivation?

Lerche Ich betrachte mich als Bürger Jüchens und als Künstler, der es als seine Aufgabe ansieht, sich mit den Gegebenheiten ästhetischer und konzeptioneller Art seines Wohnortes zu beschäftigen. In Paris der Eiffelturm und in Berlin das Brandenburger Tor — es sind Artefakte, die zur Identitätsfindung beitragen. Warum soll nicht das Wappentor solch eine symbolische Bedeutung für Jüchen annehmen, ähnlich wie bereits Haus Katz? Ob es zu einer Aufstellung des Wappentores kommt, hängt ab von der Spendenbereitschaft der Bürgerschaft, von Kulturstiftungen und von ansässigen Firmen. Angesichts der Finanzlage der Gemeinde Jüchen habe ich mich entschlossen, für die Erstellung des Wappentores kein Honorar in Rechnung zu stellen. Es handelt sich also um eine Stiftung.

In Jüchen haben Sie Ihre Wahlheimat gefunden. Fühlen Sie sich mittlerweile als Jüchener oder als Künstler, der in Jüchen lebt?

Lerche Ich lebe als Mensch in Jüchen, als Vater einer Tochter, als Großvater — und seit 36 Jahren als Eigentümer eines unter Denkmalschutz stehenden Hofes. Und ich lebe hier natürlich auch als Künstler.

Vor kurzem hat der Gemeinderat entschieden, Ihren Entwurf zu realisieren. Dabei gab es heftige Kritik an Ihrem Werk. Wie denken Sie darüber?

Lerche Der Gemeinderat hatte darüber zu befinden, ob das Projekt zu gestatten ist. Er hat lediglich die Erlaubnis erteilt, dass die Konstruktion — genannt "Das Wappentor" — im noch zu errichtenden Kreisverkehr am Ortseingang von Jüchen auf der Kölner Straße aufgestellt werden kann. Dass Entscheidungen mitunter eine lange Geschichte haben, ist nichts Neues. Es gibt selbstverständlich immer verschiedene Auffassungen. Fürsprecher und Widersacher gehören mit zum politischen Geschäft. Ich weiß das. Von denenigen, die große Vorbehalte gegen das Projekt haben, weiß ich nicht, wie weit deren Kompetenz reicht, um so etwas beurteilen zu können.

Herr Lerche, haben Sie nach sieben Jahren der Diskussion überhaupt noch Freude an der Realisierung des Projekts?

Lerche Die Freude entwickle ich mit der Arbeit als solcher — und das ist der nächste Schritt. Freude an der Arbeit ist immer gegeben in der Auseinandersetzung mit einer künstlerischen Idee.

Was entgegnen Sie Kritikern, die sagen: "Das ist hässlich, keine Kunst!"

Lerche Es gibt ignorante Menschen.

Karin Verhoeven führte das Gespräch.

(RP/ac)