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Was die Adler-Insolvenz für den Standort in Hilden bedeutet

Einkaufsstadt Hilden : Was die Adler-Insolvenz für den Hildener Standort bedeutet

Das Unternehmen ist einer der Anker-Mieter im Itter-Karree am Warrington-Platz: In der Hildener Filiale sollen die Umsätze stimmen.

Die Adler Modemärkte AG hat beim Amtsgericht Aschaffenburg den Antrag gestellt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu eröffnen. Grund seien die erheblichen Umsatzeinbußen durch den Corona-Lockdown. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben 171 Märkte, davon 143 in Deutschland sowie einen Onlineshop. Die Gruppe beschäftigt rund 3350 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2019 einen Umsatz von 495,4 Millionen Euro.

Adler ist einer der Anker-Mieter im Itter-Karree. Das Einkaufszentrum hat eine wichtige Funktion für die Innenstadt, weil es für Kundenfrequenz im Bereich Warrington-Platz/Axlerhof sorgt. Der Geschäftsbetrieb soll unter Aufsicht eines Sachwalters in vollem Umfang fortgeführt werden. Das lässt darauf schließen, dass in der Unternehmensführung Zuversicht besteht, die Firma durch die Corona-Krise zu bringen. Bei einer Insolvenz in Eigenregie werden in der Regel die Mietverträge aller Filialen gekündigt und dann gegebenenfalls neu verhandelt. Dabei ergibt sich häufig ein Spielraum, den das Unternehmen offenbar nutzen möchte. Die Adler-Filiale in Hilden soll nicht schlecht gelaufen sein, berichten Fachleute.

Das Itter-Karree belebt die untere Mittelstraße. Der Standort hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich.  Am 31. März 1981 eröffnete Hertie nach 1,5 Jahren Bauzeit am Warrington-Platz „Hildens größtes Kaufhaus“ - mit 250 Mitarbeitern, 4750 Quadratmetern Verkaufsfläche auf zwei Ebenen, Restaurant (mit 142 Plätzen) und 265 Parkplätzen. Doch hohe (Personal-)Kosten und schlechte Rentabilität sorgten dafür, dass der Kaufhaus-Konzern tiefrote Zahlen schrieb – nicht nur in Hilden. Am 30. Juni 1986 kam das „Aus“. Nach 12 Millionen Mark Verlust in fünf Jahren gehörte Hilden zu den insgesamt 16 Filialen des damals drittgrößten deutschen Warenhaus-Konzerns, die geschlossen werden sollten.

Die 130 Mitarbeiter waren geschockt. Betriebsrat und Stadtrat kämpften fast ein Jahr lang gemeinsam für den Erhalt des Kaufhauses. Durch einen Vertrag mit der Stadt war der Kaufhaus-Konzern gezwungen, über 20 Jahre ein Vollkaufhaus mit Parkhaus zu betreiben. Im Juni 1987 stimmte der Stadtrat einem neuen Nutzungskonzept zu. Hertie investierte noch einmal knapp fünf Millionen Mark in den Umbau des Kaufhauses in ein Gemeinschafts-Warenhaus. Im Erdgeschoss zog P&C ein, im Obergeschoss ein Supermarkt. Hertie verpflichtete sich damals, das Gemeinschaftswarenhaus und Parkhaus bis zum 31. März 2001 zu betreiben. Hertie/Karstadt hatte die Immobilie zwischenzeitlich an einen Fonds verkauft. Ende 2000 schloss der Kaufpark-Supermarkt. 2011 zieht  P&C aus. 2012 kaufte die Hahn-Gruppe die Immobilie und investierte 17 Millionen Euro in die Renovierung.

Zur Eröffnung im März 2013 kommen 20.000 Besucher. Ankermieter sind Saturn, Kaiser´s, Adler. 2013 wird das Itter-Karree (so der neue Name) an die Patrizia Immobilien AG in Augsburg verkauft. Eine Passantenzählung des Stadtmarketings Hilden zeigt 2013: Das Itter-Karree entfaltet tatsächlich die erhoffte Magnetwirkung und belebt den Warrington-Platz.