1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Serie Das Lebt In Der Düssel (3): Vögel führen eine Saisonbeziehung

Serie Das Lebt In Der Düssel (3) : Vögel führen eine Saisonbeziehung

Die Düssel als Gebirgsbach zu bezeichnen, wäre übertrieben. Dass sich trotzdem die Gebirgsstelze dort einfindet, liegt vermutlich an künstlich erzeugten Wasserfällen.

Sturzbachabschnitte durch Wehre und Mühlen verleihen dem Fluss abschnittsweise einen Wildbachcharakter. Der bevorzugte Lebensraum der Gebirgsstelze sind bewaldete und somit schattige Flussabschnitte mit Geröllufern. Das Wasser soll rauschen und über Steine springen, dann fühlt diese Stelzenart sich offensichtlich am richtigen Platz. Ein solcher Wohlfühlort befindet sich an der Winkelsmühle, wo das Wasser aus dem Mühlgraben über das Mühlrad tost. Dort ist die Gebirgsstelze während der Brutsaison häufig in den frühen Morgenstunden zu sehen.

Flatternd hüpft sie von Stein zu Stein auf der Jagd nach Insekten. Fühlt sie sich gestört, stößt sie einen lauten Warnpfiff aus und fliegt schnell und wellenförmig davon. Von der schwarz-weißen Bachstelze (Motacilla alba) unterscheidet sich die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) deutlich im Federkleid. Schiefergrauer Rücken, dunkelgraue Flügel und ein schwarzer Kehlfleck bilden beim Gebirgsstelzenmännchen einen schönen Kontrast zur leuchtend gelben Unterseite. Auffällig lang ist der Schwanz, mit dem nach Stelzenart ständig gewippt wird. Ab März beginnt das Männchen, mit Gesang um sein Weibchen zu werben und das Revier zu verteidigen. Da sowohl das Männchen als auch das Weibchen sehr reviertreu sind, finden sich oft aufs Neue die alten "Ehepaare" wieder zu einer Saisonbeziehung zusammen. Das Nest wird unmittelbar am Wasser in Löchern, Spalten und Nischen von Felswänden oder Mauern angelegt.

Das Männchen hilft bei der Materialbeschaffung, aber gebaut wird vom Weibchen allein. Das Nest besteht aus Moos, Halmen und Laub mit einer Mulde in der Mitte. Diese wird aus feineren Materialien gestaltet und mit Tierhaaren ausgekleidet. Beide Elternteile bebrüten tagsüber abwechselnd die vier bis sechs Eier. Nachts allerdings bleibt nur das Weibchen im Nest. Nach zwei Wochen schlüpfen die jungen Gebirgsstelzen, nach weiteren zwei Wochen sind sie flügge. Gebirgsstelzen sind eilige Vögel — in jeder Beziehung.

Im Mai wird die zweite Brut großgezogen; in guten Jahren kommt es sogar noch zu einer dritten Brut im Juli. Wie bei vielen anderen kleinen Singvogelarten wird auf diese Weise die hohe Jungensterblichkeit ausgeglichen um die Art zu erhalten, denn nur rund 30 Prozent der Jungtiere überleben das erste Jahr.

Ist im Tal ein metallisch-scharfer Warnpfiff zu hören, kann es auch der Eisvogel (Alcedo atthis) sein. Er ist der bekannteste Vogel des Naturschutzgebiets, der aber am seltensten zu sehen ist. Pfeilschnell fliegt er vorbei. Ein saphirblaues Blitzen — und schon ist er wieder verschwunden. Hat ein Eisvogel ein Revier besetzt, duldet er keine Artgenossen in seiner Nähe. Das führt zu einer geringen Besiedlungsdichte. Und obwohl Eisvögel bis zu drei Bruten mit je sechs bis sieben Jungen von März bis August aufziehen können, ist der Bestand gering und kann in strengen Wintern nahezu verlöschen. Derzeit gibt es schätzungsweise deutschlandweit nur 5000 bis 8000 Brutpaare. Wo im Neandertal der Eisvogel brütet, wird nicht verraten.

Außer ungünstiger Witterung hat der Eisvogel im Neandertal nur einen "Feind", der selber vielleicht nichts davon ahnt: Menschen und Hunde, die die Wege verlassen und am Flussufer stöbern und spielen. Eisvögel sind sehr empfindlich gegen Störungen. Manchmal kann ein verpatzter Jagderfolg über Leben und Tod eines Jungtiers entscheiden. Um Beute zu machen, lauert der Eisvogel von einem überhängenden Ast aus auf kleine Fische. Im Sturzflug taucht er bis zu 60 Zentimeter tief ins Wasser und schnappt zu. Im klaren Wasser hat er dabei eine 100-prozentige Trefferquote. Ist aber das Wasser getrübt wie die Düssel nach starken Regenfällen, wird die Nahrungsbeschaffung schwierig und nicht jeder hungrige Schnabel kann dann gestopft werden.

(RP)