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Grevenbroich: Schandfleck altes Finanzamt

Grevenbroich : Schandfleck altes Finanzamt

Anwohner des Bereichs zwischen Bahnhof und Innenstadt sind zunehmend über den schlechten Zustand des ehemaligen Finanzamtes an der Erckensstraße verärgert. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes ist gefragt.

Wilder Müll, kreuz und quer wachsendes Unkraut: Das ehemalige Finanzamtsgebäude an der Erckensstraße ("Braunes Finanzamt") wird immer mehr zum Schandfleck. So sehen es zumindest verärgerte Anwohner und Innenstadt-Händler.

Zwar macht zum Beispiel die Stellwerk-Initiative, in der sich Händler und Anwohner des Bahnhofsquartiers zusammengeschlossen haben, ihren Unmut über die Zustände rund um das seit April des vergangenen Jahres leerstehende Gebäude kund. Allerdings sind der Stadt die Hände gebunden: Eigentümer ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Lands NRW — und damit für die Behebung der Missstände zuständig.

Stadtsprecher Andreas Sterken betont, dass die Stadt darauf hofft, dass in absehbarer Zeit eine Lösung gefunden wird — am besten durch den Verkauf des Gebäudes durch den BLB. "Wünschenswert wäre eine Nutzung, die zu einer grundlegenden Aufwertung der Gegend um das Gebäude führt", sagt Sterken. Aufgrund seiner Lage zwischen Bahnhof und Innenstadt spielt die Zukunft des 1960 errichteten Gebäudes eine zentrale Rolle bei den Plänen zur Aufwertung der City.

Der BLB versucht das zwischen Innenstadt und Bahnhof gelegene Bürohaus mit 3160 Quadratmetern Nutzfläche bereits seit der Schließung im vergangenen Jahr zu verkaufen. Der Preis: 1,62 Millionen Euro — und damit offenbar zuviel. Nach NGZ-Informationen gibt es zwar Interessenten für das Gebäude. Sie sind aber nicht bereit, die aufgerufene Summe zu zahlen.

BLB-Sprecherin Christa Bohl will dazu keine Stellung beziehen — sie stellt aber in Aussicht, dass die Missstände umgehend behoben werden: "Müll wird entsorgt, defekte Fensterscheiben werden ersetzt", sagt Bohl. Die Fenster im Erdgeschoss sollen mit Holzverkleidungen vernagelt werden, um sie vor Zerstörungen zu bewahren.

Anwohner befürchten, das Gebäude könne zu einem traurigen Beispiel für die sogenannte Broken-Windows-Theorie ("Zerbrochene-Fenster-Theorie") werden. Diese beschreibt, wie ein an und für sich leicht zu behebender Missstand an einem Haus — zum Beispiel ein zerbrochenes Fenster — zunehmend zur Verwahrlosung des Gebäudes führen könne.

Die Faustregel: Ist das erste Fenster eingeschlagen worden, dann muss es repariert werden — sonst dauere es nicht lange, bis weitere Fenster eingeschlagen werden. Die Botschaft der 1982 von den US-Sozialwissenschaftlern James Q. Wilson und George L. Kelling veröffentlichten Theorie: Der physische Verfall eines städtischen Bereichs gehe oft mit einem Anstieg der Kriminalität einher.

(NGZ/rl)