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Interview mit Michael Heesch: Kultur ohne Sponsoren nicht möglich

Interview mit Michael Heesch : Kultur ohne Sponsoren nicht möglich

Dass in der überschuldeten Schloss-Stadt kulturelle Vielfalt zu finden ist, liegt nicht nur an aktiven Mitarbeitern. Sponsoren und Ehrenamtler sind wichtig – und werden in Zukunft noch wichtiger werden, sagt Erster Beigeordneter Michael Heesch.

Dass in der überschuldeten Schloss-Stadt kulturelle Vielfalt zu finden ist, liegt nicht nur an aktiven Mitarbeitern. Sponsoren und Ehrenamtler sind wichtig — und werden in Zukunft noch wichtiger werden, sagt Erster Beigeordneter Michael Heesch.

Leere Kassen im Kulturbereich: Ehrenamtler und Sponsoren sorgen für Vielfalt; etwa beim Musiksommer mit der "Bon-Jovi"-Trbute-Band "Bounce". Foto: archiv/

Grevenbroich ist überschuldet, der Sparkommissar droht: Wie lässt sich da ein vitaler Kulturbetrieb aufrechterhalten?

Michael heesch Die Praxis vor Ort zeigt, dass es möglich ist, ein lebendiges, bürgernahes Angebot vorzuhalten und trotz schwieriger finanzieller Bedingungen weiter zu entwickeln. Dies zeigt sich in unseren Institutionen: Unsere vitale Bücherei, das neu konzipierte Museum und unsere solide Archivarbeit sind beispielgebend. Öffentliche und private Förderer und Zuschussgeber haben und hatten diese qualitätvolle Arbeit mit ihren Zuwendungen auch honoriert.

Wie wichtig sind Ehrenamtler im Kulturbereich für eine überschuldete Stadt wie Grevenbroich?

HEeSCH Sehr wichtig. Sie ermöglichen Veranstaltungsprogramme der Einrichtungen, zum Beispiel in der Bücherei der "Sommerleseclub (SLC)", die "Leselust", das Angebot "Vorlesen und basteln" oder die Reihe "Fernweh", die seit dem Jahr 2005 im Museum und seit 2006 von unseren aktiven Fördervereinen begleitet, unterstützt und in die Öffentlichkeit getragen werden. Und auch der Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) Nordrhein-Westfalen zeigt mit der verliehenen Ampel deutlich, dass die Kriterien wirtschaftlichen Arbeitens geleistet werden.

Beispiel Bühnenabende: Um deren Überleben hat man immer wieder gekämpft. Statt das Angebot vollständig aufzugeben, kann die Verwaltung jetzt ein neues Konzept präsentieren. Wie flexibel muss man im Kulturbereich sein, um noch attraktiv zu bleiben — gerade auch in der Konkurrenz zu Großstädten wie Köln und Düsseldorf?

Heesch Grevenbroich versteht sich als Mittelzentrum zwischen den Oberzentren. Dies gilt auch für die Kulturarbeit. Ihr Ziel ist es, lokale Impulse aufzugreifen und zu modifizieren. Ein Beispiel ist die neue Strukturierung der Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landestheater. An einem neuen Standort gilt es nun, neue Formate zu entwickeln, zu prüfen und gegebenenfalls zu optimieren — ein spannender Prozess!

Beispiel "Museum der Niederrheinischen Seele": Haben sich die Erwartungen ans neue Konzept erfüllt?

Heesch Ja, zur vollsten Zufriedenheit

Wo muss noch nachgebessert werden?

Heesch Bei der Fassade der denkmalgeschützten Villa Erckens.

Beispiel Kultursponsoring: Am kommenden Samstag findet der 2. Musiksommer statt. Ohne Geldgeber wie das GWG wäre er unmöglich. Werden solche Sponsoren in Zukunft eine noch größere Rolle spielen (müssen), damit der Kulturbetrieb lebendig bleibt?

Heesch Förderer und Sponsoren sind unverzichtbar für kulturelle Projekte. Der Sommerleseclub in der Stadtbücherei, der von großen Förderern, aber auch von vielen kleinen Spendern lebt, die Grevenbroicher Unternehmen durch Sach- und Finanzmittel leisten, — oder die zahlreichen Publikationen des Stadtarchivs: seit 2009 etwa das Buch über Diedrich Uhlhorn, die DVD "Grevenbroich im Film", der Bildband mit Stadtansichten oder die Unternehmensgeschichte der Firma Pick.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welchen Künstler oder welches kulturelle Ereignis würden Sie nach Grevenbroich holen?

Heesch "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal auf der Museumswiese an einem schönen Sommerabend.

DANIELA BUSCHKAMP FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ)