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Grevenbroich: Hülchrath: 7000 Gäste erleben das Mittelalter

Grevenbroich : Hülchrath: 7000 Gäste erleben das Mittelalter

Ein Bauleiter, der ein Schwein am Spieß brät. Ein Mechaniker, der zum Mäuseroulette einlädt: Warum das Mittelalter die Menschen fasziniert.

Rauch von den vielen prasselnden Feuern lag in der Luft. Ein Bankkaufmann aus Viersen im Wikinger-Gewand, der Lamellenpanzer anfertigt. Ein Automechaniker aus Siegburg, der seine Maus "Prinzessin Samtpfote" nennt. Ein Bauleiter aus Düsseldorf, der im Leinengewand, wie man es im 13. Jahrhundert trug, ein Ferkel am Spieß drehte: Das 15. Mittelalter-Spektakel auf Schloss Hülchrath zog Individualisten, die sich gerne in frühere Zeiten zurückbeamen, magisch an. Und das schöne daran: Sie lebten ihre Leidenschaften nicht allein aus, sondern vor großem Publikum. Bereits am Samstag war die Resonanz erfreulich groß. Mitveranstalter Albert Stromann konnte zufrieden sein. Der bisherige Rekord von 7000 Besuchern konnte am vergangenen Wochenende erneut erreicht werden.

"Petrus meint es gut mit uns. Es ist viel Volk unterwegs, alle genießen den Sommer", sagte Albert Stromann zufrieden. Aber die Besucher genossen weit mehr als lediglich das schöne Wetter, nämlich eine unvergleichliche Atmosphäre: das historische Schloss, die zahlreichen auf Mittelalter getrimmten Stände und die rund 600 Mittelalter-Darsteller — das sorgte für ein einzigartiges Ambiente. Und es gab enorm viel zu entdecken, auf die Besucher wirkten unzählige Sinneseindrücke ein: Geräusche und Gerüche, bizarre Gestalten, kulinarische Genüsse, und zwar von allem reichlich.

Raimondus von Bilicis heißt eigentlich Raimond Trippmacher. Der 52 Jahre alte Düsseldorfer drehte gemeinsam mit Saxmat von Rüde, der auf den Namen Peter Steinberg getauft wurde und der das Geld für sein Leinengewand samt Bundhaube als Bauleiter verdient, einen Spieß mit einem Schwein. "Die Gerresheimer", wie ihre Gruppe sich nennt, hatte Hunger.

Sicher, sie hätten auch in die "Gräfliche Fladenbäckerey" oder zum "Gasthaus Bauchvoll" gehen können. Dort boten Christian Koch und sein Kumpel Duke unter anderem selbstgemachte Spätzle an. "Nein, junger Recke": Balthasar wollte einem kleinen Jungen seine Jonglage-Bälle nicht ausleihen. Balthasar heißt eigentlich Stefan Nowara. Den Alltags als Automechaniker lässt der Siegburger am Wochenende Jahrhunderte weit hinter sich. "Mein Hauptgeschäft ist das Mäuse-Roulette", erklärte der 30-Jährige. Mit dem Geschäft war er nicht so ganz zufrieden, mit den Mäusen schon. Sie sind zwar nicht in der Mäusegewerkschaft, aber nach zwei Jahren schickt er sie in Rente. Alfred Berg aus Neuss begeisterte als mittelalterlicher Falkner mit seinem stolzen Falken "Hera".

Die Ritter in voller Montur wurden von Besuchern "Dosenfutter" genannt. Diese "Dosen" gab es bei Peter Lange (51) aus Viersen zu kaufen. Der Bankkaufmann fand etliche Abnehmer für seine Ritterrüstungen. Ganz in Metall: Die Teilnehmer des Ritterturniers, das nach vier Jahren endlich mal wieder auf dem Programm stand. Sie demonstrierten, wie früher um die Gunst der Jungfrau gebuhlt wurde. Bei allem Faible für's Mittelalter: Bekanntschaften via Internet zu knüpfen ist da deutlich ungefährlicher.

(barni)