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Grevenbroich: Kneipensterben belastet Taxi-Geschäft

Grevenbroich : Kneipensterben belastet Taxi-Geschäft

Abends und nachts befinden sich die Grevenbroicher Taxifahrer immer öfter in der Warteschleife. Immer weniger Kneipen und ein zurückgehendes Ausgeh-Angebot sorgen dafür, dass der Umsatz deutlich zurückgegangen ist.

An die gute alte Zeit erinnert sich Adi Rath gerne. Der Vorsitzende des Vereins Taxizentrale Grevenbroich spricht mit Wehmut von den Tagen, als der Dorfplatz im Montanushof jedes Wochenende Tausende Besucher anlockte. Als die Kneipenszene in Grevenbroich brummte. Als das Nachtleben noch tobte.

Das ist lange her, der Dorfplatz im Montanushof zum Beispiel hat vor zehn Jahren zugemacht. Hinzu kommt, dass viele Gaststätten leerstehen. "Wir spüren das deutlich", sagt Rath. Nächtliche Taxifahrten sind in Grevenbroich inzwischen eine Rarität. "Eigentlich funktioniert nur noch der Samstagabend, aber auch da ist es längst nicht mehr wie früher."

Das "Kneipensterben" hat der Branche zugesetzt. Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen: Zwischen 2002 und 2010 haben etwa ein Drittel der Schankwirtschaften in Nordrhein-Westfalen dichtgemacht. Genaue Zahlen für Grevenbroich gibt es zwar nicht. "Aber der Trend ist auch hier spürbar", meint Rath. Auch die Zahl der Taxi-Konzessionen ist in Grevenbroich rückläufig. Aktuell sind es 44, 2001 waren es noch 49. Das teilt das Straßenverkehrsamt im Rhein-Kreis Neuss als zuständige Behörde mit. Die fünf Lizenzen seien freiwillig zurückgegeben worden, heißt es dort. Auch das ist ein Beleg dafür, wie schwer es die Taxi-Branche hat.

Früher war das anders. Die Dorfplatz-Zeiten bringen die Augen der Taxifahrer noch immer zum Funkeln. Wenn sie darüber sprechen, klingt es, als sprächen sie von einem El Dorado, das zerfallen ist. Das in der Zeit verstaubte und leer gefegt zurückblieb wie eine Goldgräberstadt, in der sich einst die Abenteurer und die Hungrigen tummelten. "Im Grunde herrscht heute Leere", sagt Adi Rath. Für die Taxifahrer in Grevenbroich ist die gute, alte Zeit längst Geschichte. "Nur während der Schützenfeste und an Karneval ist es noch ein wenig wie früher."

Fernab solcher Fest-Tage ist der Umsatz deutlich zurückgegangen. Die Kunden seien zunehmend auf die Bahn umgestiegen. Auch das neue Nachtbusangebot sieht Rath daher kritisch. Allerdings fiel die erste Bilanz des seit Jahresbeginn bestehenden Nachtbusses äußerst mau aus. Technischer Dezernent Werner Hoffmann lieferte ernüchternde Zahlen: "Im Schnitt nutzten lediglich vier zahlende Fahrgäste pro Wochenende das Angebot." Die Initiatoren des Nachtbusses setzen nun auf die Sommermonate. Dann werden auch die Taxifahrer sehen, ob sich die Linie zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickelt.

Generell aber hoffen Rath und seine Kollegen wie viele andere Grevenbroicher darauf, dass der Dorfplatz wiederbelebt werden kann. Montanushof-Manager Tim Grevelhörster würde dies nur zu gern tun. Die Suche nach Investoren läuft. "Aber sie gestaltet sich äußerst schwierig", sagt er. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Einerseits halten sich Investoren mit Blick auf die Finanzkrise zurück, andererseits sind neue, kostenintensive Bestimmungen — zum Beispiel beim Brandschutz — in Kraft getreten. Gesucht wird ein überzeugendes Gesamtkonzept für die Fläche, das für die Investoren finanziell stemmbar ist. "An Ideen mangelt es aber nicht", betont Grevelhörster.

Kaum Hoffnungen setzen Adi Rath und seine Kollegen in eine baldige Wiederbelebung der Kneipenszene. "Ähnliche Probleme gibt es ja auch in anderen Städten", sagt Rath. Und dann bricht noch einmal die Nostalgie durch. "Die Zeit mit dem Dorfplatz und Kneipen wie der ,Zille' und dem ,Flönz' war einfach wunderbar."

(NGZ/rl)