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Grevenbroich: Stadt gegen Spielhallen im Bahnhofsviertel

Grevenbroich : Stadt gegen Spielhallen im Bahnhofsviertel

Im Bahnhofsviertel sollen keine weiteren Spielhallen mehr angesiedelt werden. Die Stadt fürchtet um das Image dieses Quartiers.

Das Bahnhofsviertel in Grevenbroich soll künftig mehr Lebensqualität bieten. Die Stadtverwaltung wartet zurzeit auf Fördergelder des Landes, mit deren Hilfe die von vielen Anliegern befürwortete Umgestaltung in Gang gebracht werden soll. Unabhängig von diesem Projekt wird der Planungsausschuss in der nächsten Woche einen ersten Schritt unternehmen, der nichts kostet, aber Wirkung zeigen soll: Zwischen dem Platz der Deutschen Einheit, der Bahnstraße und dem Bahnhof sollen keine weiteren Vergnügungsbetriebe mehr angesiedelt werden, also weder Spielhallen noch Wettbüros.

Das Bahnhofsviertel wird größtenteils bestimmt durch Einzelhandelsgeschäfte, Gaststätten und Wohnungen. In deren Umgebung gibt es heute schon vier Spielhallen, darüber hinaus Internetcafés und Telefoncenter. "Das Gebiet ist ,Trading down"-gefährdet", warnt Planungsdezernent Werner Hoffmann. Was er damit meint: Noch mehr Vergnügungsstätten würden sich mit der Zeit negativ auf das Image des Quartiers auswirken — etwa durch zusätzlichen Lärm oder sinkende Grundstückspreise.

Wie Hoffmann erklärt, gebe es vermehrt Anfragen für Spielhallen oder Wettbüros im Bahnhofsviertel. Er schlägt dem Planungsausschuss vor, in diesem Bereich das Vergnügungsstättenkonzept wirksam werden zu lassen, das der Rat bereits im September 2011 verabschiedet hat. Dieses Handlungskonzept zeigt genau auf, wo sich Spielhallen, Nachtbars oder Striptease-Lokale in der Stadt Grevenbroich ansiedeln dürfen und wo nicht.

Der Vorschlag von Werner Hoffmann dürfte im Planungsausschuss auf eine große Mehrheit treffen. Denn im Vorfeld haben sich CDU und SPD dafür ausgesprochen, das Bahnhofsviertel sozusagen "unter Schutz" zu stellen.

"Schon jetzt gibt es in diesem Quartier eine Menge von Vergnügungsstätten — dazu zähle ich ausdrücklich auch Kioske, in denen Spielautomaten aufgestellt sind", erklärt Martina Suermann. Vor diesem Hintergrund befürwortet die SPD-Ratsfrau ein Verbot von weiteren Ansiedlungen. "Mit der Genehmigung von weiteren Spielstätten würden wir uns schließlich ins eigene Fleisch schneiden und unsere Bemühungen um eine Aufwertung dieses Quartiers konterkarieren", betont Suermann. Für sie steht fest: "Ein zwielichtiger Charakter würde diesem Viertel nicht gut tun."

Das sieht auch die CDU so: "Ein solches Milieu lehnen wir im Bahnhofsviertel rigoros ab", sagt der planungspolitische Sprecher Wolfgang Kaiser: "Im Innenstadt- und Bahnhofsbereich dürfen solche Betriebe nicht mehr angesiedelt werden." Dem stimmt auch Fraktionsvorsitzender Norbert Gand zu: "Spielhallen und ähnliche Betriebe würden die Entwicklung der Geschäfte in diesem Quartier behindern", meint er.

Gand geht noch einen Schritt weiter. Er fordert das Ordnungsamt dazu auf, einige bestehenden Betriebe genau unter die Lupe zu nehmen. "Es gibt Hinweise darauf, dass dort Vorschriften gebrochen werden, indem einige Geschäfte faktisch zu Spielhallen umfunktioniert wurden. Das muss, vor allem Blick auf die Entwicklung des Quartiers, akribisch geprüft werden."

(NGZ/rl)