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Grevenbroich: Die Trauer überwunden

Grevenbroich : Die Trauer überwunden

Vor fast zwei Jahren verlor Carola Keulertz ihren Mann durch einen Unfall. Für die fröhliche Frau ein tiefer Schock. Nur allmählich lernte sie, ihre Trauer zuzulassen. Wie sie den Weg in ein Leben ohne den langjährigen Partner fand.

Der 22. April 2010 war ein Tag wie jeder andere: Mit einem Kuss, einem schnellen "Bis heute Abend" verabschiedete sich Jupp Keulertz von seiner Frau Carola. Ein endgültiger Abschied: Wenige Stunden später lebte der 67-Jährige nicht mehr.

Sein unerwarteter Unfalltod riss seiner Frau fast den Boden unter den Füßen weg. "Es war ein Schock. Plötzlich war mein Mann tot. Und ich habe mich nicht von ihm verabschieden können", erinnert sich die Wahl-Neuenhausenerin. Den Partner aus 27 Jahren in seinen letzten Sekunden nicht begleitet zu haben: Das schmerzte seine Witwe sehr.

Die damals 49-Jährige blieb allein in der gemeinsamen Wohnung zurück: Dort, wo sich beide lange Abende unterhalten hatten. Dort, wo sie Reisen geplant hatten. Dort, wo sie überlegt hatten, vielleicht mal als Königspaar die Neuenhausener Schützen zu repräsentieren.

Die große Beerdigung, viele Erledigungen: Für Carola Keulertz begann eine Zeit, in der sie nur funktionierte: "Ich musste mich ablenken, wollte immer etwas zu tun haben. Nur nicht nachdenken müssen." Manchmal brach der Schmerz des Verlustes über sie herein. Dann konnte Carola Keulertz kaum an ein Morgen denken – an einen weiteren Tag ohne Jupp.

Fast 25 Jahre waren beide verheiratet. Als sie sich im Urlaub auf Mallorca kennenlernten, schien eine feste Beziehung unwahrscheinlich: "Ich arbeitete in den Niederlanden, Jupp lebte in Deutschland" erinnert sich die Erzieherin. Josef Keulertz war beeindruckt von der lebenslustigen Niederländerin; sie schätzte den stets hilfsbereiten, unternehmungslustigen Motorradfan ebenso. Aus der Urlaubsliebe wuchs eine Fernbeziehung, zwei Jahre später sagten beide am Standesamt "Ja" zueinander. Kurz vor der Geburt von Tochter Nadine zog Carola Keulertz nach Neuenhausen, fünf Jahre später wurde Sohn Niels geboren. Gemeinsame Interessen gab es für das Ehepaar viele, jeder pflegte aber auch eigene Freundschaften und Hobbys.

"Bei 17 Jahren Altersunterschied war uns immer klar, dass ich zurückbleiben würde. Jupp sagte ,Ich will nicht, dass Du alleine bleibst'", erinnert sich Carola Keulertz. Dass sie heute fast ohne Tränen über ihren Verlust sprechen kann, verdankt sie "meiner Familien und meinen Freunden". Auch wenn die Witwe nach einem halben Jahr der Trauer andere Zuhörer gesucht hatte: "Ich wollte niemanden belästigen." Bestatter Martin Willmen riet zum Besuch bei der Hospizbewegung "Jona": "Das hat mir gut getan: Hier konnte ich reden und traurig sein. Es war jemand da, der mir einfach zuhörte."

Heute kann Carola Keulertz ohne Tränen von ihrem Mann erzählen, schöpft aus der Gewissheit seiner Liebe Kraft. Noch immer hält sie manche Zwiesprache mit ihm, fühlt sich ihm nahe – für eine neue Beziehung sei die Zeit noch nicht gekommen. "Man muss langsam lernen, Freude wieder zuzulassen" – ob turnen, Reisen mit Freundinnen oder im Garten ein Hörbuch hören. Carola Keulertz weiß: Sie kann aufstehen. Auch wenn der 22. April 2012 kein Tag wie jeder andere wird.

(NGZ)