Grevenbroich: Die Kopfweiden-Frisöre

Grevenbroich : Die Kopfweiden-Frisöre

Die eisige Kälte macht ihnen nichts aus – denn sie arbeiten sich warm. Seit 22 Jahren pflegen Naturschützer die alten Kopfweiden im Stadtgebiet. Die Bäume spiegeln auch ein Stück Grevenbroicher Geschichte wider.

Die eisige Kälte macht ihnen nichts aus — denn sie arbeiten sich warm. Seit 22 Jahren pflegen Naturschützer die alten Kopfweiden im Stadtgebiet. Die Bäume spiegeln auch ein Stück Grevenbroicher Geschichte wider.

Es ist kalt, richtig kalt. Das Thermometer zeigt acht Grad minus an — wer jetzt im Freien arbeiten muss, bekommt mehr als nur kalte Hände. Freiwillig geht da keiner raus — sollte man denken. Eine Handvoll Grevenbroicher um Rolf Behrens (53) trotzt jedoch der eisigen Kälte. Ihre Mission: Kopfweiden frisieren — und sich dabei langsam warm arbeiten.

Neben Kühen und Kohle gehören Kopfweiden zu den drei großen "Ks" des Niederrheins. "Dieser Baum ist typisch für unsere Landschaft", sagt Behrens, der sich im Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) engagiert. Der Orkener und seine Mitstreiter haben sich vorgenommen, die Weide so lange wie möglich zu erhalten — auch weil sie ein Stück Heimatgeschichte widerspiegelt. Noch im 17. Jahrhundert verdienten viele Grevenbroicher ihr Geld mit diesem Baum. Die Plastik "Der Korbflechter" — 1991 von der Künstlerin Anneliese Langenbach geschaffen — erinnert in Gustorf noch heute an dieses traditionsreiche Handwerk.

Wer helfen möchte, kann sich der Gruppe am 29. Februar in Hülchrath anschließen

Seitdem das Holz nicht mehr für Flechtarbeiten, zum Heizen oder als Viehfutter genutzt wird, ist der Bestand der knorrigen Gewächse stark rückläufig. Vor diesem Hintergrund macht sich der Bund stark für den Erhalt des alten Kulturbaumes. Bereits seit 22 Jahren werden rund 50 Kopfweiden im Stadtgebiet von den Mitgliedern gepflegt. Im Winter ziehen die Freiwilligen los, um die breiten "Schädel" der zum Teil mehr als einem halben Jahrhundert alten Bäume zu stutzen.

"Diese Arbeit ist notwendig", erklärt Rolf Behrens: "Wenn Kopfweiden lange nicht mehr geschnitten werden, brechen ihre Kronen unter der Last der Äste zusammen." Das wollen die Freiwilligen verhindern — und sie klotzen selbst bei Minustemperaturen rein. "Zwei Paar dicke Socken, ein warmer Pullover — und dann geht das schon", meint der 53-jährige Orkener.

Mit der Kopfweidenpflege erhalten die Ehrenamtler letztlich auch der heimischen Tierwelt wertvolle Lebensräume. "Ein Beispiel ist der Steinkauz, dem die alten und zum Teil ausgehöhlten Bäume hervorragende Nistmöglichkeiten bieten", sagt Behrens. Das beim "Frisieren" übrig gebliebene Material wird von den Naturschützern übrigens sinnvoll verwertet. Unter anderem werden die Äste an Kindergärten abgegeben und kommen dort beim Bau von Weiden-Tipis zum Einsatz.

Wer bei den Pflegearbeiten helfen möchte, kann sich der Gruppe am 29. Februar in Hülchrath anschließen; dann wird der Baumschnitt in der Nähe des Degenhofs fortgesetzt. Gegen die Kälte gibt's zwischendurch heißen Kaffee — und nach getaner Arbeit eine richtig gute Suppe. "Und die macht wieder munter", weiß Rolf Behrens.

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