Grevenbroich: Lachgas gegen Zahnarzt-Angst

Grevenbroich : Lachgas gegen Zahnarzt-Angst

In Deutschland entscheiden sich immer mehr Zahnärzte, Lachgas einzusetzen. Es dämpft Schmerzen, nimmt aber auch die Angst vor der Behandlung. Ein Besuch bei der Fortbildung in einer Grevenbroicher Praxis.

Für fünf Millionen Deutsche ist diese Vorstellung schrecklicher als jeder Horrorfilm: ein Besuch beim Zahnarzt. Wer Angst vor Schmerzen hat, den sirrenden Bohrer fürchtet oder in Panik ausbericht, sobald er den Zahnmediziner im weißen Kittel sieht, dem kann geholfen werden — mit Lachgas. Unkontrollierte Heiterkeitsanfälle im Behandlungsstuhl bringt die Mischung aus Sauerstoff und Lachgas (Distickstoffoxid) zwar nicht, aber "sie nimmt den Patienten die Angst", so der Grevenbroicher Zahnarzt Klaus Glemp. Dies ist der Grund, warum er und seine Frau Monika künftig Lachgas einsetzen werden. In ihrer Praxis fand jetzt eine Fortbildung für Zahnmediziner und Assistenten statt.

Lachgas vor dem Bohren — in den USA und Skandinavien ist die Sedierung gängige Praxis. "In Deutschland ist dies ein neuer Trend", weiß Marcus Lemke, Sprecher des Kölner "Instituts für dentale Sedierung". Zahnärzte würden sich immer häufiger für den Einsatz entscheiden, auch weil die Geräte einfach und sicher zu bedienen seien: "Zudem können Patienten, die Angst haben, schneller und stressfreier behandelt werden."

Schwer und entspannt

Auch Klaus Glemp hat im eigenen Behandlungsstuhl Platz genommen und die Lachgas-Mischung eingeatmet: "Man fühlt sich schwer, entspannt — ähnlich wie nach dem Genuss von Wein", beschreibt der Zahnmediziner. Weitere Vorteile für die Patienten nennt Wolfgang Lüder (45), Zahnarzt und Fortbildungsinstruktor für Lachgas aus Rosenheim: "Die Patienten verlieren das Zeitgefühl, empfinden die Behandlung als deutlich kürzer.

Auch das Würgegefühl wird unterdrückt." Außerdem gebe es keine dauerhaften Einschränkungen: Die Wirkung des Lachgas-Gemsichs verflüchtige sich, sobald normal geatmet werde: "Schon nach zwei Minuten kann man wieder Auto fahren." Lachgas könne auch für Kinder verwendet werden, ungeeignet sei es aber für "Schwangere und Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen", so Markus Lemke. Auch aus Kostengründen ist es interessant, die Funktionen des zentralen Nervensystems mit Lachgas zu dämpfen. "Eine Vollnarkose kostet mindestens 300 Euro, eine Behandlung mit Lachgas bis zu 150 Euro", so Lüder. "Zahnärzte in kleineren Städten oder auf dem Land haben Probleme, einen Anästhesisten zu finden", weiß Instituts-Sprecher Lemke.
Ob jetzt mehr Menschen in ihre Praxis stürmen? Das wissen Klaus und Monika Glemp nicht. "Aber sie gehen ohne Angst", meint Glemp.

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