Grevenbroich: Die Konkurrenz unter Altenheimen nimmt zu

Grevenbroich : Die Konkurrenz unter Altenheimen nimmt zu

Die Wartenlisten sind bei drei Seniorenheimen leer. Deren Betreiber fürchten um die Zukunft, denn zwei Anbieter planen neue Plätze.

Einen Platz im Pflegeheim finden - das ist in Grevenbroich zurzeit ohne Wartezeit möglich. Bei Einrichtungen wie dem "Lindenhof" oder dem Caritashaus St. Barbara gibt es keine Wartelisten mehr. Für Interessenten oder Familienangehörige, die rasch auf Betreuung angewiesen sind, ein Vorteil. Doch für die Anbieter könnte die gesunkene Nachfrage langfristig zur Existenzbedrohung werden. "Die Konkurrenz der Einrichtungen wird sich verstärken" ist Hans-Werner Reisdorf, Geschäftsführer der Caritas in Grevenbroich, überzeugt. Jetzt wollen sich die Betreiber überlegen, wie sie reagieren: Denn bis 2016 werden noch zwei Anbieter auf den Markt stoßen - und der ist in Grevenbroich bereits umkämpft.

Mit einer solchen Entwicklung hat Marcus Mertens von der Heimaufsicht des Rhein-Kreises Neuss bereits gerechnet. Immer wieder habe der Rhein-Kreis auf den drohenden Überhang an Heimplätzen in der Schloss-Stadt hingewiesen: "Es gibt es aktuell in fünf Eichrichtungen 499 Heimplätze. 280 weitere Betten sind geplant - und 779 Plätze sind zuviel." Auch Mertens fürchtet "verschärfte Probleme": "Wozu ein solches Überangebot führen kann, das hat das Beispiel Meerbusch gezeigt." Dort war eine teils leerstehende Einrichtung wegen Mängeln geschlossen worden.

Wie die alteingesessenen Einrichtungen reagieren können, zeigen unterschiedliche Beispiele: Die älteste, das Seniorenstift St. Josef, hat stationäre in Kurzeit-Pflegeplätze umgewandelt. Dies überlegt auch Barbara Kremers-Gerads vom Seniorenzeitrum Lindenhof. "Die Nachfrage nach Kurzzeitpflege ist groß; wir prüfen, das Angebot auszubauen." Bei der Caritas will man verstärkt auf Wirtschaftlichkeit achten, erläutert Reisdorf: "Die Wartenlisten sind abgeschmolzen. Die Personalsituation ist schwierig, auf dem Arbeitsmarkt fehlen examinierte Pflegekräfte." Er hoffe, sein Personal halten zu können. Eine Übergangslösung könnten in einigen Bereichen Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen sein.

Klaus Hiekmann, Vertriebsmitarbeiter von "Pro Urban" sieht in Grevenbroich Chancen: Sein Unternehmen plant bis 2016 im Lindencarré 137 Heimplätze. "Wir haben eine Bedarfsanalyse für Grevenbroich erstellen lassen." Nach Einschätzung von Experten werden 20 Prozent der vorhandenen Einrichtungen in fünf bis sieben Jahren vom Markt verschwunden sein, meint Hiekmann. Im November 2013 hat das Seniorenzentrum Bernardus GmbH in Elsen eröffnet. "Von den 80 Heim- und acht Kurzzeitpflegeplätzen sind alle belegt", erläutert Direktorin Marion Wawra. Auch sie meint, dass "es in Grevenbroich ein zu großes Angebot an Heimplätzen geben wird": "Es wird sich zeigen, wer die Konkurrenz übersteht". In ihrer Einrichtung seien noch Veränderungen geplant: So soll "junge Pflege" für Menschen ab 18 Jahren eingerichtet werden. Langfristig soll auch ein Palliativbereich mit acht Plätzen entstehen.

(NGZ)
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