Grevenbroich: Charlotte Häke erwägt Rückzug

Grevenbroich: Charlotte Häke erwägt Rückzug

Laacherin überlegt, ob sie noch zur Wahl als Behindertenbeauftragte bereit ist.

Der neue Stadtrat könnte mit Blick auf den Posten des ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten der Stadt Grevenbroich ein Eigentor geschossen haben. Nachdem die Neuwahl auf die Sitzung am 28. August verlegt wurde, erwägt die einzige Kandidatin, Charlotte Häke, nun, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen. Und: Andere Kandidaten sind derzeit nicht in Sicht.

Charlotte Häke hatte das Amt der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten seit 2006 inne. Die Umstände der kurzfristigen Verschiebung der Wiederwahl haben ihr zugesetzt. "Das Verhalten mancher empfinde ich als gelebte Undankbarkeit." Schwer zu schaffen macht der 56-Jährigen, dass es seither Anfeindungen im Internet gegeben habe. "In einigen Facebook-Gruppen gab es einen regelrechten Shitstorm." In der Tat kam es dort zwischen Bürgern und zum Teil auch Charlotte Häkes Ehemann zum verbalen Schlagabtausch. Die Äußerungen wurden in den Facebook-Gruppen inzwischen gelöscht. Bürger kritisieren jedoch auch die Reaktionen aus Häkes Lager als unangemessen.

Gestern Nachmittag hätte sie eigentlich im Rathaus gesessen und ihre turnusmäßige Sprechstunde abgehalten. Nach der Vertagung der Wiederwahl musste diese jedoch ersatzlos gestrichen werden. Nichtsdestotrotz bekommt Charlotte Häke weiterhin Anrufe von ratsuchenden Bürgern. "Ich kann ihnen nur sagen, dass ich nicht mehr befugt bin, ihnen als Behindertenbeauftragte der Stadt zu helfen." Möglich sei dies allenfalls über ein anderes Amt, das sie ausübt: Beim "Zentrum für selbstbestimmtes Leben" in Köln ist sie als Lotsin für Menschen mit Behinderung tätig.

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Der Rat hatte die Verwaltung aufgefordert, bei karitativen und sozialen Vereinen und Einrichtungen in der Stadt anzufragen, ob es dort andere Kandidaten-Vorschläge gibt. Ein Nackenschlag für Charlotte Häke, die seit 2006 mehr als 32 000 Beratungen durchgeführt hat. Für die Kritik an ihrer Arbeit, die es fraktionsübergreifend im Ältestenrat gegeben haben soll, hat sie kein Verständnis. "Wie sollen Mitglieder eines Rates in Grevenbroich über meine Arbeit enttäuscht sein, für die sie sich nie wirklich interessiert haben?", fragt sie.

Bei der Stadt läuft derweil die Suche nach weiteren Bewerbern für das Ehrenamt. Stadtsprecher Andreas Sterken bestätigt, dass das Verfahren läuft. "Wir haben acht Sozialverbände angeschrieben und eine Frist bis Anfang August gesetzt. Damit ist gewährleistet, dass wir die Neuwahl eines Behindertenbeauftragten am 28. August wieder wie geplant auf die Tagesordnung der Ratssitzung setzen können."

(NGZ)
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