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Grevenbroich: Bahnsteig Gustorf ist marode

Grevenbroich : Bahnsteig Gustorf ist marode

Vorne hui, hinten pfui: Das gilt für den Gustorfer Bahnhof. An der ehemaligen Ladestraße hat die Stadt gerade die neue P+R-Anlage fertiggestellt. Wenige Meter weiter sieht's kaum einladend aus: Der Bahnsteig ist marode.

Die seit Jahren geplante "Park+Ride"-Anlage am Gustorfer Bahnhof ist gestern offiziell übergeben worden. "Ein gelungenes Werk", urteilt Bürgermeisterin Ursula Kwasny mit Blick auf die 22 neuen Pendler-Parkplätze, die an der ehemaligen Ladestraße entstanden sind. Das Projekt kostete rund 135 000 Euro, den Löwenanteil (85 Prozent) übernahm das Land. "Das Geld ist gut investiert", meint Planungsdezernent Werner Hoffmann: "Mit der Anlage wird der Bahnhof enorm aufgewertet — zumindest in diesem Bereich."

Am Donnerstag wurde der neue "P+R"-Platz übergeben. Foto: Jazyk, Hans

Hoffmann sagt das bewusst, denn wenige Meter weiter sieht es kaum einladend aus: Am Bahnsteig bröckelt der Asphalt, da wuchern Brombeersträucher, da schießt das Unkraut in die Höhe — ein Hauch von Wildwest-Atmosphäre. "Das ist ein Schandfleck", empört sich die Gustorfer SPD-Ratsfrau Marie-Jeanne Zander und fragt: "Wer soll denn bei einem solchen Anblick noch für das Bahnfahren begeistert werden?"

Das sieht die Stadt genauso. "Es wäre sinnvoller gewesen, den Bau des ,P+R'-Platzes mit einer Sanierung des Bahnsteigs zu verbinden", sagt Werner Hoffmann. Die Verwaltung habe dies mehrfach im Vorfeld des Projekts bei den zuständigen Stellen angeregt — doch: "Die Bahn sperrt sich bislang gegen ein solches Vorhaben. Wir kommen da einfach nicht weiter", meint Ursula Kwasny. Dass der Bahnsteig dringend saniert werden muss, davon ist sie überzeugt: "Der Zustand ist unzumutbar."

Die Bürgermeisterin hat sich um prominente Schützenhilfe gekümmert und den Landtagsabgeordneten Wiljo Wimmer (CDU) eingeschaltet — doch auch er stieß bisher bei der Bahn auf Granit. "Die Stadt baut auf der neuen ,P+R'-Anlage zwei neue Behindertenparkplätze, doch der Bahnsteig ist weiterhin nicht barrierefrei", betont Wimmer: "Er ist so niedrig, dass Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte ohne Hilfe kaum eine Möglichkeit haben, in den Zug zu kommen." Der Landtagsabgeordnete hat dies bereits mehrfach bei der Bahn angemahnt, zuletzt am 29. November in einem Brief an den Konzernbevollmächtigten der Bahn für NRW, Reiner Latsch. Eine Antwort steht noch aus, Wimmer verspricht weiter am Ball zu bleiben.

Aktuell hat die Deutsche Bahn AG am Gustorfer Haltepunkt allerdings nichts auf der Planungsschiene. Wie Sprecher Jürgen Kugelmann auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, sei der Bahnsteig in der Vergangenheit mit einer sogenannten "Dynamischen Schriftanzeige" ausgerüstet worden, auf der etwa Verspätungen angekündigt werden: "Etwas anderes ist aber nicht vorgesehen. Weder in unserer Modernisierungs-Offensive NRW noch in anderen Programmen."

(NGZ)