Weinfest auf Gut Graefenthal in Goch

Weinfest : Graefenthal für Genießer

Zum zweiten Weinfest auf Graefenthal präsentierten neun Winzer aus deutschen Weinanbaugebieten ihre Produkte. Zum ersten Mal war eine Reihe von Tastings im Angebot.

Die Weintraube hat ihre eigene Philosophie, die auch ein erfahrener Winzer nach eigener Aussage nie ganz ergründen kann. Und den „holländischen Italiener“ gibt es wirklich, er harmoniert mit einem trockenen aber samtigen Dornfelder, der selbst nach sieben Jahren immer noch ein „schönes feines Leben“ hat – So klingen Impressionen von einem von drei Abenden auf Gut Graefenthal, die dem feinen Geschmack gewidmet waren, genauer gesagt dem Geschmack erlesener Weine und aller Leckerbissen, die dazu passen.

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr, war das zweite Niederrheinische Weinfest größer und mit einigen Neuerungen ausgestattet. „Wir haben in diesem Jahr die Fläche erweitert und zum ersten Mal bieten wir eine Reihe von Tastings an, sie sind schon fast alle ausgebucht“, sagte Emma Hogendoorn vom Organisationsteam am ersten Abend. Wählen konnte man zwischen Tastings mit Käse, Brot oder Schokolade.

An der festlich gedeckten Tafel im Kreuzgang des Klosters begann eine Reise durch die Welt des Geschmacks. Therese van Neerven, diplomierte Käsesommeliere bei Edeka Kusenberg, und Rainer Heil, seines Zeichens Winzer aus Brauneberg an der Mosel, waren die „Reiseleiter“, die unterhaltsam und informativ durch die gustatorische Welt führten und zahlreiche Überraschungen servierten.

Stilvoll angerichtet auf einer Schiefertafel lag der Bergkäse „Kaiseralb“ aus Tirol neben dem Ziegengouda „Old Amsterdam“. Dazu gab es Trauben-Nuss-Salat mit Quitten-Senf-Soße, und wer mochte, konnte sich Akazienhonig über den Käse träufeln. Zu diesem vielschichtigen Geschmacksarrangement den richtigen Wein zu servieren, dazu hatte Rainer Heil gerade mal eine Stunde Zeit. Der Winzer aber entschied nach eigenem Geschmack und Gefühl, denn: „Was ich euch einschenke, habe ich selbst in meinem Keller probiert.“ Das Ergebnis war ein gut gekühlter Riesling halbtrocken, denn „der Käse ist leicht süß, da darf der Wein nicht ganz trocken sein“. Dann verwies er auf die mineralische Note des Weins, dessen Trauben an 20 Jahre alten Rebstöcken gereift waren, und sogleich war genau dies zu schmecken: die steilen, etwas steinigen Hänge an der Mosel, das warme Sonnenlicht, die Eichenfässer im Winzerkeller. Zum zweiten Gang servierte Therese van Neerven den italienischen Höhlenkäse Taleggio, spanisches Feigenbrot und als zweite Käsesorte den würzigen „holländischen Italiener“ mit selbstkreierter Zwiebelmarmelade als perfekter Beilage. Nun kam der Rotwein dazu, ein trockener Dornfelder des Jahrgangs 2011. „Der behält auch im Kühlschrank seine fruchtige Note“, sagte der Experte und klärte auf, dass Rotwein durchaus bei hochsommerlichen Temperaturen gekühlt werden darf. „Kalter Rotwein geht nicht ins Blut, damit fahre ich noch Auto – wenn die Polizei mich lässt“, erklärte Rainer Heil mit einem Lächeln.

Eine Entdeckung war die Zwiebelmarmelade. Die Käsesommeliere zeigte nicht nur fundierte Kenntnis von allen erdenklichen Käsesorten und deren Herstellung, sondern verriet auch bereitwillig ihr Rezept für die ebenso fruchtige wie herzhafte Marmelade. Die Tafelgäste probierten, entdeckten und lobten, was serviert wurde. Die großzügigen Käseportionen aus dem Hause Kusenberg waren einigen fast zu viel, probiert wurde aber alles – es war einfach zu spannend.

Draußen auf dem Klosterinnenhof ging die Reise weiter, wo die anderen Winzer von Mosel und Nahe, aus der Pfalz und Rheinhessen ihre Spitzenweine anboten. „Ein herrliches Ambiente“, sagte Karl-Heinz Eckes, Winzer aus Sommerloch an der Nahe, über Graefenthal als Ort für ein Weinfest. Er war schon im letzten Jahr dabei, wie auch das Ehepaar Marion und Walter Hackenbruch aus Mehring an der Mosel, die mit einem Mix aus Secco und Pfirsichlikör den „Sommertraum“ anboten.

Sowohl außen als auch im Kreuzgang konnten sich die Besucher verwöhnen lassen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Für Weinkenner inzwischen nicht neu ist auch die Schokolade als ganz besondere Beigabe zum edlen Traubensaft. Bäckermeister Joachim (Jocki) Reffeling präsentierte neben einem reichhaltigen Angebot an Brotsorten, Tostados, Flammkuchen & Co. das neueste Produkt des belgischen Schokoladenherstellers Callebaut: „Ruby“. „Ein hundertprozentiges Naturprodukt, die größte Schokoladenentdeckung seit 80 Jahren“, so Carmen Laker, Fachfrau des Abends für das Schokoladen-Wein-Tasting.

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