Strukturwandel bei den Krankenhäusern des Leisner-Klinikums

Goch : Hospitäler: Emotionen raus halten

Ehemaliger Chefarzt meint: „Zwei Schwerpunktkrankenhäuser im Kreis sind genug“

(nik) Mit einiger Unruhe warten die politischen Parteien und vermutlich auch der Bürgermeister von Goch auf die Informationen des Karl-Leisner-Kinikverbunds zum angekündigten Strukturwandel. Zugesagt wurde, noch in dieser Woche Auskunft geben zu wollen. Ob dies zugleich eine öffentliche Mitteilung werden soll, ist vorerst nicht klar. Wie berichtet heißt es, dass die chirurgischen Stationen aus Goch abgezogen und am Klever Hospital angesiedelt werden sollen. Im Gegenzug soll Goch stärker ambulant aufgestellt werden.  Von Facharztpraxen, Kurzzeitpflege oder auch einer Pflegeschule in den dann leerstehenden Abteilungen ist die Rede. Viele Gocher sorgen  sich um ihre künftige medizinische Akutversorgung.

Das hält ein ehemaliger Chefarzt, mit dem die Rheinische Post sprach und der nicht namentlich genannt sein möchte, für nicht gerechtfertigt. Die angekündigten Strukturveränderungen, mit denen bekanntlich bereits 2012 begonnen wurde, seien „dringend notwendig“. Emotionale Argumente, die so vielleicht in der Vergangenheit zogen, seien nicht mehr förderlich. Jede Solidarisierung - in diesem Fall mit dem Gocher Krankenhaus - müsse eine andere Qualität haben als bloße „Kirchturmpolitik“.

Der früher leitende Arzt erinnert daran, dass fast alle Patienten ständig nach Spezialisten rufen.Selbst bei relativ harmlosen Erkrankungen suchten sie lieber eine Spezialklinik in Duisburg, Düsseldorf oder Essen auf. Klar, dass dies den kleineren Hospitälern Probleme mache.

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„Die Erfordernisse der modernen Medizin und der geltenden Gesundheitspolitik benötigen eine sachliche Auseinandersetzung mit der Struktur und Organisation der Krankenhausversorgung. Der Kreis wäre mit zwei  Schwerpunktkrankenhäusern in Kleve und Geldern bestens versorgt. Hier müssten alle Fachrichtungen der Akutmedizin mit Bettenabteilungen vertreten sein. Für die Patienten ergäbe dies innerhalb des Krankenhauses eine optimierte interdisziplinäre Versorgung mit kurzen Wegen und kurzer Behandlungszeit.“

Ähnlich hatte sich der heutige  NRW-Gesundheitsminister Laumann schon geäußert, als er noch Patientenbeauftragter der Bundesregierung war. Und bei einem Besuch im Gelderner Krankenhaus im Jahr 2015 ließ er wissen: „Wir brauchen alle 20 bis 25 Kilometer ein Krankenhaus, nicht drei Krankenhäuser auf 25 Kilometern.“ Die Reihe von Krankenhäusern im Kreis Kleve entlang der B 9 - von der Kreisstadt über Goch und Kevelaer bis Geldern - hatte ihn wohl verwundert.

Der frühere Chefarzt findet, dass ambulantes Operieren, eine kleine Notfallversorgung, die Geriatrie, eine Rehabilitationsabteilung, die Alterspsychiatrie und die Strahlentherapie für kleinere Häuser gut geeignet seien. Zumal beim gleichzeitigen Bettenabbau Landesregierung und  Kostenträger die Umstrukturierung sicher gerne und großzügig unterstützen würden.

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