Priester streitet Missbrauch in Kevelaer jetzt ab

Fall in Kevelaer : Priester streitet sexuellen Missbrauch plötzlich ab

Das Bistum ist aber weiter von der Schuld des ehemaligen Kaplans aus Kevelaer überzeugt. Drittes Opfer hat sich gemeldet.

Überraschende Wende im Fall eines Priesters, der in seiner Kaplanzeit in Kevelaer eine Frau sexuell missbraucht haben soll. Nachdem der Mann die Tat bislang zugegeben hatte, streitet er jetzt ab, sich an der Frau vergangen zu haben. Das teilte das Bistum auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Früher hat er die Tat eingeräumt, seit der Fall an die Öffentlichkeit gekommen ist, streitet er einen Missbrauch ab“, sagt Stephan Kronenburg, Sprecher des Bistums Münster. Für das Bistum selbst habe sich dadurch nichts geändert. Es gebe weiterhin keinerlei Zweifel an der Schilderung der Betroffenen. Das sei auch die Auffassung von Bischof Felix Genn.

 Nachdem der Fall  öffentlich geworden war, hatte sich eine zweite Frau beim Bistum gemeldet. Auch sie gibt an, in den 80er Jahren in Kevelaer von dem Mann sexuell missbraucht worden zu sein. Inzwischen hat sich noch ein drittes mutmaßliches Opfer gemeldet, bei dem es um geistlichen Missbrauch geht. Damit wird ein Machtmissbrauch beschrieben, der im Kontext des geistlichen oder religiösen Lebens vor allem in Formen der Begleitung (etwa der Beichte) erfolgt. Der Begriff wird vor allem in Zusammenhang mit der emotionalen Kontrolle durch Sekten verwendet. Auch dieser Vorwurf wird   überprüft. Bischof Felix Genn hat  in Wadersloh seine Bitte um Entschuldigung für das Vorgehen in dem Fall sexuellen Missbrauchs von Kevelaer wiederholt. Insbesondere sei es ein Fehler gewesen, dass der Pfarrer, das Seelsorgeteam und die Gremienmitglieder in Wadersloh nicht über die Hintergründe  informiert worden seien. In Waderloh hatte der frühere Kaplan aus Kevelaer lange gearbeitet, ohne dass dort jemand von den Vorwürfen wusste. Der Bischof zeigte sich bestürzt über die Äußerungen des Priesters, er sei zu Unrecht verurteilt worden: „Er hat es getan. Er hat die Tat 2010 vor mir bekannt“, machte der Bischof klar. Er habe dem Priester zu sehr vertraut, dass er sich an die von der Glaubenskongregation in Rom verhängte Auflage, Gottesdienste nur noch ohne große Öffentlichkeit zu feiern, halten werde. „Das war blauäugig“, sagte Bischof Genn. Zudem sei das Verbot nicht deutlich genug formuliert gewesen. Inzwischen habe er ein Dekret erlassen, das dem Priester jeden priesterlichen Auftritt in der Öffentlichkeit untersage und ihn auffordere, die Pfarrei zu verlassen.

Der Bischof ging auf ein Dilemma ein. Die Betroffene habe, was ihr gutes Recht sei, den ausdrücklichen Wunsch geäußert, die Öffentlichkeit nicht zu informieren. „Es hätte aber dann ein Weg gesucht werden müssen, der diesen Wunsch respektiert hätte, aber zugleich die Menschen in der Pfarrei nicht im Unklaren gelassen hätte“, sagte der Bischof und ergänzte:. „Wir haben nicht sensibel genug auf das Interesse der verletzten Person und zugleich auf das berechtigte Interesse der Pfarrei und der Öffentlichkeit geachtet. Das war ein Fehler.“

Aus diesen Fehlern müsse das Bistum und auch er selbst lernen. So würden aktuell alle Dekrete, die seit 2010 erlassen worden seien, noch einmal überprüft. Der Bischof betonte, dass er Fehler gemacht, aber nichts vertuscht habe. Mit ihm werde es keine Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs geben.