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Emmerich: Verdacht: "Bahn spart auf unsere Kosten"

Emmerich : Verdacht: "Bahn spart auf unsere Kosten"

Bei der Sprechstunde zur Betuwe-Linie forderten Bürger Antworten. Das Misstrauen gegenüber der Bahn ist groß.

Rosemarie Boßmann hat es geschafft, ihren Humor in die Bahn-Sprechstunde hineinzuretten. Und wieder hinaus. "Ich möchte wissen, ob mein Haus stehenbleibt, oder ob demnächst die Bahn durchfährt", erzählt sie fröhlich nach dem Termin. Sie wohnt auf ihrem Hof Auf dem Hundshövel. Wie lange noch, das weiß sie nach der Sprechstunde zwar immer noch nicht — aber wenigstens hat sie die Telefonnummer eines Ansprechpartners ergattert, der zu einem Ortstermin vorbeikommt. "Kann natürlich sein, dass der jetzt nie zu erreichen ist", sagt Rosemarie Boßmann augenzwinkernd.

Die Anliegen waren persönlich oder von allgemeinem Interesse, fundamental oder Detailfragen, mit denen die Bürger am Donnerstag bei der Betuwe-Sprechstunde der Deutschen Bahn waren. Der Andrang war groß: 25 Parteien, meist bestehend aus zwei oder drei Personen, hatten sich binnen der ersten Stunde in die Wartelisten eintragen lassen. Und eines hörte man immer wieder: "Nein, erreichen kann ich hier nichts. Aber wenigstens will ich meine Meinung sagen."

So formulierte es Johannes Knist. Er wohnt am Langgattweg direkt neben den Gleisen. Auf fünf Din-A-4-Seiten hat er aufgeschrieben, was er von der Deutschen Bahn wissen oder ihr vorhalten möchte. Ihm geht es um vieles: "Lärmschutz, Zuglängen, Erschütterungen, Gesundheitsgefährdung — Lärm schadet schließlich", zählt er auf. Seine Familie ist davon gestresst. Und gerade nachts fahren seiner Erfahrung nach jene Züge, die für mehr Geräuschentwicklung sorgen. Er glaubt, dass die Bahn all das in Kauf nimmt, nur, um Geld zu sparen. Denn es gebe modernere Züge, die schnell und leise unterwegs seien: "Von der Technik her ist das machbar. Es ist eine reine Geldfrage."

Viel Kritik haben die Wartenden über die Informationspolitik der Bahn im Gepäck: Man erreiche keine Zuständigen, Briefe würden ignoriert, man werde vertröstet. So sieht es zum Beispiel Christoph Daam aus Elten. Auch er sieht sein Haus durch die Linienführung der Trasse gefährdet. "Ich kann es ja nicht abwenden", sagt er. Und er würde sich ja nicht mal mit allen Mitteln dagegen wehren — "aber man sollte die Betroffenen doch wohl mal ansprechen, oder nicht? Ist das nicht traurig, wenn man so was aus der Presse erfährt?"

Viele wollten auch wissen, was es mit der Zugfolge auf sich hat: Es führen enorm viel mehr Züge als früher. "Ich wohne nah am Güterbahnhof. Ich wüsste gerne, ob da auch Lärmschutz geplant ist", sagt Jan Herter. "Es wird ja immer schlimmer — nachts kann man das Fenster nicht mehr auflassen."

(RP/ac)