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Fußball: Harris: "Meine Tattoos sind Kunst"

Fußball : Harris: "Meine Tattoos sind Kunst"

Die Torhüterin des FCR Duisburg liebt Kunst. Durch ihre Tattoos trägt sie eine Botschaft nach außen.

Ashlyn Harris ist ein Vollprofi. Auf die Frage, welche Hobbies sie neben dem Fußball in ihrer Freizeit verfolge, antwortet die 27-jährige Torfrau des Frauenfußball-Bundesligisten FCR 2001 Duisburg mit ernster Miene: "Ich versuche an jedem freien Tag an mir zu arbeiten und absolviere individuelle Einheiten."

 Trotz des schlechten Wetters ist Beachgirl Harris gut drauf.
Trotz des schlechten Wetters ist Beachgirl Harris gut drauf.

Nur auf Nachfrage lässt sie wissen, dass sie besonders in der Weihnachtszeit auch gerne mal shoppen geht. Harris, die mit ihrem natürlich karibischen Teint im tristen deutschen Winter sofort ins Auge sticht, lässt aber keinen Zweifel daran, weshalb sie nach Deutschland gekommen ist. "Ich bin hier, um besser zu werden", beschreibt die ehrgeizige Sportlerin, die den Sonnenstaat Florida ihr Zuhause nennt. Selbst zu Weihnachten klettert das Thermometer im südlichsten Bundesstaat der USA nicht selten über die 25°- Marke.

 Harris' größtes Tattoo auf der linken Körperseite.
Harris' größtes Tattoo auf der linken Körperseite.

Krokodile, Schlangen und andere Reptilien sind dort heimisch. Das Leben in Florida ist ein anderes als das im wettertechnisch allenfalls mäßigen Deutschland, das Harris nun für die meiste Zeit des Jahres ein neues Zuhause ist. Mit dem deutschen Winter hat sie schon Bekanntschaft gemacht. Seit einigen Tagen schleppt sie eine Erkältung mit sich herum, die sie gar nicht leiden kann, zwingt sie die Torfrau doch zu einer sportlichen Pause. Und das nachdem sie sich erst gerade von einer Verletzung erholt hatte.

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Für die leidenschaftliche Surferin, die der deutschen Sprache nach wenigen Monaten in Duisburg noch nicht mächtig ist, aber fleißig übt, um sich irgendwann auf Deutsch mit ihren Teamkolleginnen unterhalten zu können, war der Schritt in ein fremdes Land nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen kein leichter. "Es ist schwierig", sagt sie, "denn die meisten Leute trauen sich nicht so recht, Englisch zu sprechen. Wenn dann alle nur Deutsch miteinander reden, möchte man nicht andauernd danach fragen, wer was gesagt hat."

Weit weg von Freunden und Bekannten, in einer kulturell andersartigen Umgebung, wie sie kaum einen größeren Kontrast zu ihrer Heimat darstellen könnte, bezieht Harris ihre Stärke aus einem Stück Heimat, das sie immer mit sich trägt. Ihre auch in Sommerkleidung nicht ganz zu sehenden Tattoos "erzählen eine Geschichte" sagt sie. Einen großen Teil dieser Geschichte nimmt neben ihrer persönlichen jene ihrer Familie ein, die Harris in der Ferne einen sicheren Halt gibt: "Meine Familie liegt mir sehr am Herzen.

Deswegen nimmt sie in meinen Tätowierungen einen besonderen Platz ein." Doch leicht zu erkennen ist das nicht, denn die Tattoos der hübschen Blondine haben jede Menge Tiefgang poetischer Natur. Harris, die in ihrer Zeit an der berühmten Universität von North Carolina Kommunikation und auch Philosophie im Nebenfach studierte, zeichnet die Vorlagen für ihre Tätowierungen übrigens selbst. "Ich bin sehr künstlerisch veranlagt", sagt Harris, die die visuellen Ausdrucksmöglichkeiten von Kunst im Besonderen schätzt. Durch verschiedene Motive, die sie auf ihrer Haut trägt, möchte sie unterschiedliche Botschaften nach außen transportieren.

"Schon immer war ich von der griechischen Mythologie fasziniert und dem, für was einzelne Figuren stehen." Innen, auf ihrem linken Arm, trägt sie ein Abbild von Athene, der griechischen Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, deren Eigenschaften sie bewundert. Denn es sind gerade die Eigenschaften, die im umkämpften Profisport Identifikation spenden und täglich gefordert sind.

Überhaupt will sie mit dem Image des "kleinen Mädchens" nichts zu tun haben. "Als Frau hat man es oft nicht leicht und wird weniger ernst genommen. Immer wieder gibt es Leute, die einem sagen, was man nicht werden kann."

Dass sie persönlich diesem Bild nicht entsprechen möchte, kommuniziert "Ash", wie sie ihre Teamkameradinnen nennen, durch eine Prinzessin mit einem zersplitterten Handspiegel auf dem linken Oberarm. Genau dort wo die optische Botschaft für jeden klar ersichtlich ist. "Ich möchte damit offen zeigen, dass ich nicht dieser Norm entspreche und nicht dem, wie Frauen oft betrachtet werden", erklärt sie kämpferisch. Generell sei sie in ihrer Ansprache sehr direkt und spreche ihre Meinung aufrichtig und stets geradeaus.

Davon zeugt mit Sicherheit auch ihre Art Fußball zu spielen. Auf dem Platz trägt sie ihre energischen Kommandos bis über die Grenzen des Platzes hinaus. Während Harris einige Botschaften offen zur Schau trägt, sind die Motive, die ihre Familie betreffen, schützend verborgen. Auf ihrer linken Innenseite trägt sie ein großes, an die heimische Fauna erinnerndes Blumenornament, dem seitlich ein Vogel entfliegt. Im Schnabel trägt dieser eine rosafarbene Schleife. "Die Schleife steht für den Kampf gegen Brustkrebs", erklärt Harris,"Meine Großmutter und Tante haben daran gelitten." Auch ein prachtvolles, goldenes Kreuz ragt aus den Blumen hervor. Es steht für den christlichen Glauben.

Besonders nahe steht Harris ihr Bruder Christopher Ryan, dessen Namen sie deswegen direkt unterhalb des Herzens tätowiert trägt. Ihren Vater, der von den amerikanischen Ureinwohnern abstammt, trägt sie während ihrer langen Abwesenheit von Zuhause in Form eines Traumfängers mit sich, der sich symbolisch über ihren linken Unterarm erstreckt.

Die Weihnachtstage wird Harris im Kreise ihrer Familie in Florida verbringen, wo sie besonders die endlosen Strände zu ihrem Lebensmittelpunkt zählt. Dort wird sie bis zum Start der Vorbereitung auch genug Zeit haben, ihre hartnäckige Erkältung abzuschütteln und im kommenden Jahr nach überstandener Verletzung voll durchzustarten. Außerdem wird sie die Zeit auch künstlerisch nutzen. Wie genau, verrät sie gerne: "Weitere Motive für meinen linken Arm habe ich schon gezeichnet. Wenn ich zurück in Duisburg bin, wird meine Geschichte wieder ein Stückchen länger sein."

(RP/rl)