Ralf Schmitz gastiert in Duisburg mit seiner Tour „Schmitzeljagd“

Interview Ralf Schmitz : „Sensationsstimmung“ in Duisburg

Der Komiker gastiert am 23. und 24. Mai im Theater am Marientor in Duisburg mit seiner Tour „Schmitzeljagd“. Ein Interview über seine Katze und Improvisation auf der Bühne.

Eine persönliche Frage vorweg: Wie geht es Hildegard?

Ralf Schmitz Hervorragend, das ist eine Sensationskatze, und ich bin froh, dass sie mich ausgesucht hat.

Hildegard ist eine Katze, die Ihnen zugelaufen ist, nachdem Ihre Katze Minka, über die Sie ein Buch geschrieben haben, im methusalemesken Alter verstarb. Ihre Fans fordern nun ein neues Buch. Hat Hildegard überhaupt Buchpotenzial?

Schmitz Definitiv. Sie hat sogar Enzyklopädiepotenzial. Ich habe wahrgenommen, dass sich die Fans über ein weiteres Buch freuen würden und halte das für eine schöne Idee. Das Potenzial ist vorhanden, aber derzeit fehlt mir die Zeit, das Buch zu schreiben.

Sie sind absoluter Katzenmensch, oder?

Schmitz Ich denke, das ist eine Prägung, die man nicht mehr los wird. Meine Katze Minka bekam ich, als ich acht Jahre alt war, und sie war 27 Jahre bei mir. Ich mag zwar auch Hunde, aber ich bin ein Katzenmensch. Und ich sage immer: Meine Katze hat durchgehalten wie Jopi Heesters.

Und Sie waren dann die Simone Rethel an der Seite der alten Minka?

Schmitz (Lacht) Ja, so kann man das sagen.

Für Ihr neues Solo-Programm „Schmitzeljagd“ haben sie Termine bis ins Jahr 2020. Schränkt das einen kreativen Menschen wie Sie ein, wenn er so weit im Voraus verplant ist?

Schmitz Nee, gar nicht. Die festen Termine bedeuten für mich auch immer Vorfreude. Sie fesseln mich nicht oder schränken mich nicht ein, weil ich ja wirklich sehr gerne auf der Bühne bin. Dazwischen bleibt eine Menge Zeit für andere Sachen. Die Termine bilden eine Basis, einen kleinen Rahmen, den man sich setzt, um dazwischen mit anderen Themen und Ideen zu jonglieren. Ich kenne das nicht anders und möchte es auch so. Natürlich wird man manchmal etwas reisemüde und freut sich dann, ein paar Tage zuhause zu sein. Dann kribbelt es aber auch schon wieder und ich möchte wieder neu gefordert werden. Ich habe zwar diesen Hang und Drang zur Improvisation, aber der erspart einem natürlich nicht, im Vorfeld lange über Entscheidungen nachzudenken. Ich mache nicht alles aus der Hüfte und mag einen Spruch besonders gerne: „Wer ein Ass aus dem Ärmel schütteln möchte, der muss vorher eins reingesteckt haben“. Für mich bedeutet das, meinen Beruf auf eine solide Basis gestellt zu haben und stundenlang an einer Nummer zu feilen.

Das Improvisationstalent überlässt nichts dem Zufall?

Schmitz Eine gute Vorbereitung gehört für mich dazu. Wenn ich bewusst Entscheidungen getroffen habe, kann ich dann die Kür viel einfacher tanzen. Als ich mit Improvisationstheater angefangen habe, sagte man mir: „Wo keine Grenzen sind, da hört Freiheit auf.“ Und das stimmt auch. Auf der Bühne bedeutet das, wenn man nur gesagt bekommt: „Jetzt improvisier mal“, dann ist das schwierig. Wenn man aber eine Grenze bekommt, eine Einschränkung oder Richtung, in die man geschubst wird, etwa „jetzt sei mal ein alter Mann“, dann rollt der Zug unaufhörlich.

Viele Zuschauer mögen es nicht, einbezogen zu werden. Auf welche Plätze sollte man sich nicht setzen, wenn man nicht auf die Bühne will?

Schmitz Es gibt keinen sicheren Platz bei mir. Natürlich hole ich aus Zeitgründen oft jemanden, der vorne sitzt, auf die Bühne. Hinten ist man vermeintlich sicherer als vorne. Ich betone aber: vermeintlich! Aber keine Angst: Wenn ich jemanden mit Panik in den Augen vor mir sehe und weiß, der schafft es nicht ohne einen Herzinfarkt auf die Bühne, dann braucht der auch keine Angst zu haben. Menschen, die überhaupt nicht wollen, dürfen sich verweigern – ich insistiere da aber schon mal (lacht wieder). Wichtig ist: Der Zuschauer, der auf die Bühne kommt, ist da, um mir das Leben schwer zu machen. Über Ralf darf man lachen, aber nicht über den Zuschauer. Es geht um das Zuarbeiten, ums Improvisieren für mich. Ich muss damit umgehen, was der Zuschauer mir gibt – und nicht andersrum. Zuschauer sollen nicht meine Arbeit machen, um Himmels Willen. Die Rückmeldungen sind übrigens extrem positiv.

Sie waren beim Springmaustheater in Bonn und gelten als Improvisationstalent. Kann man Improvisation lernen?

Schmitz Das Wichtigste ist, dass man die Angst verliert, Fehler zu machen. Man kann einige Dinge oder Techniken trainieren. Vor allem muss man offen sein und nichts ablehnen. Man muss sich selbst zwingen, immer „Ja“ zu sagen und sich spontan darauf einzulassen. Das hilft übrigens auch für andere Situationen im Leben, wenn man sich sagt: „Okay, das nehme ich jetzt so an und mache das Beste daraus.“

Kennen Sie Momente, in denen Ihnen die Schlagfertigkeit fehlt und Sie hinterher denken, ach, hätte ich doch das oder das gesagt in diesem Augenblick?

Schmitz Ja. Tatsächlich eher selten, aber das passiert hin und wieder. Manchmal hat man sich verrannt, oder man sagt etwas, was man bereut. Ich finde es wichtig, dann die Flucht nach vorne anzutreten und zu sagen: „Das ist mir so rausgerutscht, ich habe nicht darüber nachgedacht.“ Ich finde es immer toll, wenn ein Gegenüber im Gespräch das kann und man sich eingesteht, nicht auf einer argumentativen Autobahn unterwegs, sondern flexibel zu sein.

Ein sehr geschätzter Kollege von mir sagt immer: Menschen, die langsam reden, denken auch langsam. Sie würden das unterschreiben?

Schmitz (lacht) Das ist schwer zu sagen, bei manchen wird das vielleicht so sein, was ja nicht schlimm ist. Manche wägen aber auch einfach nur sehr lange ab, was sie sagen. Oder sie sind müde und wollen gar nicht reden, das hält ja nur auf. Jeder ist, wie er eben ist. Ich selbst habe sehr großen Spaß an der Sprache, und wenn ich schnell rede, krieg ich einfach mehr Worte unter. Es ist eine Frage der Perspektive. Ich finde, dass ich gar nicht so schnell rede, die anderen sind einfach nur ein bisschen langsamer. Übrigens ist das auf der Bühne ein großer Vorteil: Während die anderen reden, nutze ich meine zwei Sekunden Vorsprung und habe schon die Antwort parat.

Als Komiker gelten Sie als absoluter Schnellsprecher und Wibbel. Wie und wo entspannen Sie – oder geht das gar nicht?

Schmitz Die Bühne ist eine überhöhte Situation. Privat lese ich gerne, sitze auf der Couch oder treffe mich mit Freunden. Ein schneller Redner bin ich allerdings auch dann. Ich schwimme gerne, gehe spazieren und sitze mit einem Buch im Café. Bei der Tour habe ich übrigens immer Inlineskates dabei, die ich auch ständig nutze.

Inlineskates sind jetzt nicht gerade langsam...

Schmitz Äh, stimmt. Aber ich fahre damit zum Beispiel in ein Café und lese da. Und halte dann auch die Klappe.

Wenn Sie gerne schwimmen und draußen sind – wie wäre es mit Tauchen?

Schmitz Tauchen ist toll, ich habe tatsächlich vor drei Jahren damit angefangen, bin aber weit davon entfernt, ein Profi zu sein. Man ist unter Wasser wie auf einem anderen Planeten und beobachtet Schildkröten oder Rochen, wie sie dreidimensional durchs Wasser gleiten. Da könnte ich heulen vor Glück.

Gibt es Orte im Rheinland oder dem Ruhrgebiet, die Sie besonders inspirieren oder Sie geprägt haben?

Schmitz Da würde ich ganz klar das Springmaustheater in Bonn nennen. Und das Theater am Marientor in Duisburg. Ich liebe dieses Theater und trete da auch im Rahmen meiner Tour auf. Es ist schön, es ist alt, es ist keine trockene Halle. Und in Oberhausen war ich mal bei einer Unterwasser-Installation mit Walgesängen. Da wurden riesige Wale an die Wände projiziert und man stand mittendrin. Ich fühlte mich als sehr kleiner Wal.

Auf welche Bühne freuen Sie sich bei Ihrer Tour besonders?

Schmitz Im Ruhrgebiet und im Rheinland zählt der Dialekt natürlich sehr. Wenn ich den an der richtigen Stelle einpflege, stärkt er das Zuhause-Gefühl (verfällt ins Rheinische). Im Theater am Marientor in Duisburg herrscht immer eine Sensationsstimmung. Das macht einfach Spaß.

Sie sind gerade im Interview-Marathon – welche Frage würden Sie sich selbst stellen?

Schmitz (überrascht) Äh, also, das ist schwierig. Was haben denn andere Kollegen dazu gesagt? Ich meine, ich habe ja immer Antworten parat, aber Fragen...?

Jetzt ist Improvisation gefragt, na los, kommen Sie.

Schmitz (lacht) Kann ich Sie anrufen, wenn mir eine Frage einfällt? Ganz ehrlich, ich habe keine Ahnung. Mir ist schon jede Frage gestellt worden, die man stellen kann. Kurz: Ich habe eine Blockade im Kopf. Mir fällt gerade wirklich nichts ein, und das ist irgendwie sehr lustig.

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