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Grüne fordern: Mercatorquartier nur für Bewohner ohne eigenes Auto

Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses : Grüne wollen im Mercatorquartier nur Bewohner ohne Autos

Die Grünen plädieren dafür, die 300 Wohneinheiten im Mercatorquartier nur an Wohninteressenten ohne eigenes Auto zu vergeben. Dennoch stimmen sie im Wirtschaftsausschuss wie alle anderen auch für das Projekt.

Dass das geplante 28.000 Quadratmeter große Mercatorquartier in der Innenstadt im Innenbereich autofrei sein soll, war schon immer Konsens. Das von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gebag zu realisierende Quartier zwischen Poststraße, Oberstraße, Rabbiner-Neumark-Weg und Gutenbergstraße mit insgesamt rund 300 Wohneinheiten, Gastronomie, Dienstleistungen, kleinteiligem Einzelhandel und einer Kindertagesstätte soll 350 bis 400 Tiefgaragenstellplätze erhalten. „Das Quartier soll autofrei bleiben, auch Besucher sollen die Parkplätze in der Tiefgarage nutzen“, erklärte Hendrik Trappmann, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, am Dienstag bei einer Sondersitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung und Verkehr.

Damit habe man eine Chance vertan, kommentierte Claudia Leiße (Grüne). „Autofrei heißt aus unserer Sicht, dass Bewohner gar kein Auto haben“, sagte sie. Sie regte an, auf die Tiefgarage zu verzichten, zumindest aber eine Stellplatz-Reduzierung um zwei Drittel. „Dann hätten wir die Chance, hier ein anderes Klientel zu bekommen“, so Claudia Leiße. Der „Knackpunkt Tiefgarage“ sei aus Sicht der Grünen negativ zu bewerten: „Die Kosten ließen sich ohne Tiefgarage reduzieren. Großkronige Bäume können mit einer Tiefgarage nicht gepflanzt werden, ein intelligentes Regenwassermanagement mit Versickerung ist ebenfalls nicht möglich“, so die Sprecherin der Grünen. Eine „deutliche Überarbeitung“ sei notwendig, so ihr Urteil.

Herbert Eickmanns (SPD) war da ganz anderer Auffassung: „Wir werden den Bürgern nicht vorschreiben, dass nur diejenigen ohne Auto dort einziehen dürfen.“ Solche Forderungen brächten ihn allenfalls zum Schmunzeln. Es gebe sowohl großes Interesse von Investoren als auch von Wohninteressenten, die unter den jetzt bekannten Bedingungen dort hinziehen wollten, so Eickmanns.

Wirtschaftsdezernent Andree Haack bezeichnete das Mercatorquartier als „eines der Vorzeigeprojekte für Duisburg“. Die Forderung der Grünen nach einer neuen Grundschule für das Quartier kämen zu spät: „Diese Diskussion hätte man viel früher führen müssen.“ Außerdem verwies er auf das „einmalige Image“ des Quartiers. Inbesondere die Rekonstruktion des Mercatorhauses zeige die stolze Geschichte der Stadt.

Der historische Bezug soll sich auch bei der zukünftigen Bebauung zeigen. So sind die geplanten Spitzdachhäuser auch als Reminiszenz an die mittelalterlichen Gebäude, die hier einst standen, zu sehen. Lediglich im Bereich Gutenbergstraße/Rabbiner-Neumark-Weg soll mit einer sieben- bis achtgeschossigen Bebauung ein „Hochpunkt“ gesetzt werden.