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Duisburg: Kabarett auf dem maroden Kahn "Deutschland"

Duisburg : Kabarett auf dem maroden Kahn "Deutschland"

Rheinhausen Die Ausgangssituation der MS Deutschland ist prekär: Der marode Kahn ist festgefahren, besitzt keinen Motor und wird gesteuert vom geldgierigen Kapitän Sebastian Pufpaff, der es eigentlich "nicht gerade so mit Steuern" hat. Dazu kommt mit Henry Schumann als erstem Offizier ein alteingesessener Verfechter der leninistischen Prinzipien, der seinen Kapitän auf Schritt und Tritt zu boykottieren versucht, und der Praktikant Martin Zingsheim. Der begnügt sich damit, altkluge Bemerkungen abzugeben und mit dem Kopf zu nicken.

Auf eine wellenreiche Kreuzfahrt durch das Bermuda-Dreieck der neudeutschen Politik nahm das Trio alias "Das Bundeskabarett" seine Zuschauer mit seinem Programm "Ein schwerer Fall" mit. Zum 20. Geburtstag des Mauerfalls arbeiteten die drei Kabarettisten die junge deutsche Geschichte in der Bezirksbibliothek mit bemerkenswert unerhörter Ironie auf, mit gezielter Provokation, Musik und klischee-lastigen Streitgesprächen zwischen "Ossi" und "Wessi".

Statt sich ihrer Lage konstruktiv zu nähern, begonnen Pufpaff und Schumann mit scheinbar endlosen Schuldzuweisungen, die aufs Übelste ausarteten: "Alter Bolschewistensack! Jedes große Land hat eine Wüste und wir haben eben Sachsen-Anhalt." – "Sie dreckiges Kapitalistenschwein! Wie Dagobert Duck, nur den Zaster im Kopf, aber immer fetter werden."

Absperrband ersetzt die Mauer

So machten der ostdeutsche Vollblut-Kommunist und der notorisch grinsende Schön-Wetter-Mann die alte Rechnung auf und diskutierten über die Vorzüge ihrer Systeme. Schon bald war die Mauer im Gespräch: "Alles hat man uns weggenommen, sogar unsere Mauer. Die war für uns wie die Freiheitsstatue, nur umgekehrt", sehnte sich Schumann nach DDR-Zeiten.

  • Comedian Sebastian Puffpaff.
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Trotz bedeutungsvoller Symbolik ließen die Dialoge in der ersten Hälfte des Programms an mancher Stelle etwas an Tempo vermissen, auch wenn der begnadete Pianist Zingsheim mit seinen musikalischen Einlagen ein ums andere Mal begeisterte. Später gewann "Das Bundeskabarett" rasant an Fahrt und animierte die etwa 80 Zuschauer zum lautstarken Mitmachen.

Höhepunkt des Abends war der behelfsmäßige Neubau der Mauer per Absperrband, der das Publikum in Ost und West teilte und die Wessis zu geschichtsträchtigen Sprechchören zwang: "Wir sind das Volk!" – "He, das ist unser Text!"

Am Ende bemerkten Pufpaff und Schumann in einer überraschenden Wendung, dass die MS Deutschland mit einer vereinten Besatzung besser dran ist und nur so dem sicheren Hafen der Zukunft entgegen schippern kann.

(RP)