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Duisburg/Haiti: Zahnpasta gegen Verwesungsgeruch

Duisburg/Haiti : Zahnpasta gegen Verwesungsgeruch

Der Duisburger Ruben Wedel von der Kindernothilfe arbeitet seit Tagen unermüdlich im Katastrophengebiet. Gegen den Verwesungsgeruch streicht er sich Zahnpasta unter die Nase. Helfer von I.S.A.R. Germany suchen weiter nach Überlebenden.

Das Thermometer zeigt mehr als 30 Grad an. Die Sonnenstrahlen prallen auf die vielen Toten, die auch sechs Tage nach dem großen Beben immer noch überall auf den Straßen zwischen den Trümmern der haitischen Hauptstadt Port-Au-Prince herumliegen.

Der beißende Verwesungsgeruch, der sich über die Millionenstadt gelegt hat, ist für die Menschen kaum noch zu ertragen. Der Duisburger Ruben Wedel, der für die Kindernothilfe vor Ort ist, streicht sich Zahnpasta unter die Nase, um nicht Gefahr zu laufen, von dem Gestank ohnmächtig zu werden. Fast rund um die Uhr ist der 29-Jährige seit seiner Ankunft am Freitag im Einsatz. Geschlafen hat er seit Tagen nur wenige Stunden. Es sei eine Grenzerfahrung, eine Arbeit am absoluten körperlichen Limit, berichtet er.

Menschen helfen sich

Von den Plünderungen, Aufständen und Gewaltexzessen hat Wedel bisher noch nichts mitbekommen. Im Gegenteil. Er spricht von einem Miteinander, einem gegenseiten Helfen, das er seit seiner Ankunft erfahren habe. Untergebracht ist der Duisburger in dem Hauptquartier der Heilsarmee. Der Stützpunkt gilt als sicher. Dort kümmert er sich um die vielen verletzten Kinder. Die meisten von ihnen haben ihre Eltern durch das Erdbeben verloren.

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Noch immer seien die Hilfslieferungen nicht im großen Umfang bei den Bedürftigen angekommen. "Es fehlt an Ärzten, Krankenschwestern und Medikamenten”, sagte Wedel am Telefon. Im Schnitt müsste sich ein Arzt um 1000 Verletzte kümmern. Bei der Kindernothilfe Duisburg sind bisher rund 265.000 Euro an Spenden eingegangen. Am Montag startete am Düsseldorfer Flughafen ein Hilfsflug nach Puerta Plata (Dominikanische Republik), der gemeinsam von den Organisationen "Ein Herz für Kinder”, humedica, Kindernothilfe World Vision und der Fluggesellschaft Air Berlin organisiert wurde. Immer noch können die meisten Maschinen nicht direkt in Haiti landen. Mit an Bord der Maschine sind weitere Helfer, Medikamente, und Nahrunsgmittel im Wert von rund 100.000 Euro.

Security bewacht Helfer

Helfer der Duisburger Hilfsorganisation I.S.A.R Germany, darunter auch sechs Duisburger, suchen unterdes in Carrefour, der zweitgrößten Stadt des Landes, weiter nach Überlebenden unter den Trümmern. Die Stadt, die rund 25 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt, ist zu mehr als 50 Prozent durch das Erdbeben zerstört worden. Bisher konnten sie aber noch keinen Überlebenden bergen. Sie wollen aber nicht aufgeben, suchen unermüdlich weiter. Die 30 I.S.A.R-Helfer vom Niederrhein haben von der Gewalt noch nichts mitbekommen. Dennoch sind auch sie, wie die meisten anderen Helfer auch, meist mit Sicherheitspersonal unterwegs. "Das geht wohl nicht anders. Ohne Security ist es einfach zu gefährlich", sagt Pia Abels von I.S.A.R Germany.