Düsseldorfer Altstadt: Streit ums Riesenrad: Und das Licht bleibt an!

Düsseldorfer Altstadt : Streit ums Riesenrad: Und das Licht bleibt an!

Wegen eines Anwohners bleibt das Riesenrad nachts dunkel. Noch, denn die Stadt will das nicht. Jetzt wird gemessen, ob die Beleuchtung des Riesenrades unangemessen hell ist.

Das Riesenrad am Burgplatz hat sich ja inzwischen als neues Wahrzeichen der Stadt etabliert. Selbst die Düsseldorfer und ihre Gäste, die das Rad nicht besteigen, weil sie etwa Höhenangst haben, schätzen den Blick auf das Panorama im Winter mit dem leuchtenden Riesenrad am Burgplatz.

Allerdings war seit Neuestem damit von 22 Uhr an Schluss. Grund ist die Beschwerde eines Anwohners in der Altstadt. Dabei soll es sich nicht um einen Anwohner direkt am Burgplatz handeln, sondern er soll im weiteren Umkreis wohnen, wie die Rheinische Post erfuhr. Der hatte beim Ordnungsamt angezeigt, dass er wegen des Lichts des Riesenrads nicht schlafen könne. Das Licht scheine eben die ganze Nacht in seine Wohnung, was ihn störe. Daraufhin ist das Ordnungsamt an den Betreiber des Riesenrades, Oscar Bruch, herangetreten. "Um des lieben Friedens willen haben wir gesagt, dass wir das Licht um 22 Uhr abschalten", sagt Bruch dieser Zeitung. Dabei habe es sich nicht um eine Auflage des Ordnungsamtes gehandelt, sondern "die Abschaltung erfolgt auf freiwilliger Basis".

Tatsächlich ist das Riesenrad nur bis 22 Uhr in Betrieb, das Gros der Beleuchtung inklusive der hellen Scheinwerfer wurde dann ohnehin abgeschaltet. Bislang blieb allerdings der äußere Kranz des Gerätes mit einem "herkömmlichen LED-Schlauch, den man in jedem Baumarkt kaufen kann", beleuchtet, wie Bruch erklärt. Der Riesenradbetreiber will keinen Ärger haben. Schade findet er dennoch, dass er die Leuchten ausschaltet. "Das Licht in der Nacht hatte ja schon etwas Weltstädtisches. In Singapur oder London, wo ebenfalls solche Riesenräder stehen, kommt auf jeden Fall niemand auf die Idee, dass die nachts das Licht ausmachen sollen." Ähnlich sehen es viele Düsseldorfer.

"Wenn man es ruhig und dunkel haben will, muss man nicht in die Altstadt ziehen", lautet etwa die Meinung eines Passanten gestern Mittag. Andrea Berner aus Unterrath, die am Mittwoch gemeinsam mit ihrer Familie in der Stadt war und auch mit dem Riesenrad fahren wollte, sagt: "Ob das wirklich so hell ist, weiß ich nicht, aber wer in einer Großstadt wohnt, dem muss doch klar sein, dass er es nicht komplett dunkel haben kann. Ich finde den Blick auf die Stadt mit dem Riesenrad sehr schön."

Eine Ansicht, die wohl auch der Oberbürgermeister teilt. "Das Ziel der Stadt ist, einen Konsens zu erreichen, damit das Riesenrad auch nach 22 Uhr leuchtet", sagte Stadtsprecherin Kerstin Jäckel-Engstfeld. Auch sie betonte, dass der Betreiber das Riesenrad freiwillig abgeschaltet habe. Ob durch die Beleuchtung geltende Immissionswerte überschritten werden, soll in den kommenden zwei Tagen das Umweltamt prüfen. Auf dieser Grundlage will man mit dem Anwohner noch einmal reden.

Tatsächlich kann zuviel Licht in Großstädten ein Problem werden. Licht hemmt beispielsweise die Produktion des Hormons Melatonin, was Schlafstörungen und das Auftreten von Winterdepressionen zumindest vermuten lässt, sagt der Ökologe Franz Hölker vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. So gibt es seit 2006 etwa den Hamburger Lichtbeirat als ein die Umweltbehörde beratendes Gremium, dessen Entscheidungen empfehlenden Charakter haben. Dem Lichtbeirat gehören Lichtplaner und Vertreter der Handelskammer sowie der Behörden an. Bei der Familie Bruch will man nun die Ergebnisse der Messung abwarten. Bis dahin bleibt das Licht aus, so Bruch. Was danach geschieht, weiß man noch nicht. Wenn es nach der Stadt geht, soll das Riesenrad in jedem Fall wieder leuchten.

(RP)
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