Düsseldorf: Ein Design-Geschäft als Neustart

Düsseldorf : Ein Design-Geschäft als Neustart

Eine Düsseldorferin überlebte die Fukushima-Katastrophe nur knapp. Danach gründete sie "Yooyama" - einen Internet-Shop für alte Einzelstücke und junges Design. Jetzt gibt es auch eine Dependance außerhalb des Internet.

Manchmal reicht ein einziger Moment aus, um dem Leben eine neue Richtung zu geben. Johanna Spielberg hatte dieses Schlüsselerlebnis an einem Frühlingstag im Jahr 2011. Bis zu diesem Zeitpunkt war ihr Weg vorgezeichnet gewesen: Studium, erster Job in einer Unternehmensberatung, Geld verdienen, Karriere machen. Heute steht die 36-Jährige in ihrem winzigen Geschäft, das sie vor wenigen Wochen mit ihrem Lebenspartner Volker Jöcks in der Carlstadt eröffnet hat - und ist glücklich. Wie das so ist, wenn man nicht daran zweifelt, genau das Richtige zu tun.

Der 11. März 2011 begann für die Düsseldorferin mit einem überwältigenden Sonnenaufgang, daran erinnert sie sich genau. Johanna Spielberg reiste nach ihrem Master-Abschluss gemeinsam mit ihren Eltern durch Japan. Bei einem Ausflug sah die Familie plötzlich am Horizont eine Raffinerie brennen. Die Medien sollten kurz darauf die Nachricht von einer Tsunami-Katastrophe in alle Welt verbreiten.

Johanna Spielberg und ihre Eltern saßen zu diesem Zeitpunkt in einem Taxi, in dem das Wasser immer höher stieg. "Irgendwann sind wir durch das Fenster raus, trieben durchs eiskalte Wasser, bis wir schließlich von einem jungen Mann gerettet wurden." So rafft sie die dramatischen Stunden jenes Tages zusammen, in denen sie um ihr Leben bangte.

Wie sehr sie dieses Erlebnis verfolgte, sollte sie Wochen später erfahren, als sie bei einem Kunden in einem Frankfurter Hochhaus war. "Plötzlich gab es einen Feueralarm, alle stiegen plaudernd die Treppen runter, aber ich war völlig außer mir." Noch am selben Abend beschloss sie, ihr Leben zu ändern, und entwickelte gemeinsam mit Volker Jöcks eine Idee: Sie wollten jungen Designern eine gemeinsame Internet-Plattform für ihre Produkte bieten und deren Vermarktung übernehmen. Parallel dazu wollten sie alte Einzelstücke aus aller Welt anbieten.

Beide kündigten ihre gut bezahlten Jobs und gründeten "Yooyama" - Internetshop, Blog (mit Selbstbauanleitung für ein Regal oder Rezepte für Zitronenkuchen) und nun auch das erste Geschäft an der Südstraße. Dieser Internetshop könnte auch "Tausendschönchen" heißen, denn mittlerweile bietet das Paar schon mehr als 1000 Produkte an. "Unser Angebot richtet sich nach dem Shoppingverhalten von Frauen, die sich gern inspirieren lassen", erläutert Volker Jöcks. Die Geschichten zu den Produkten und den Menschen, von denen sie entwickelt wurden, werden gleich mitgeliefert. Von Anna von Mangold, die matte, pudrige Wandfarben in betörenden Farben mixt (die Anleitung zum Streichen gibt's gratis dazu). Von der Dänin Biine, die kuschelige Hundekissen produziert (im Blog berichtet Johanna Spielberg von ihrem Probeliegen). Svenja, die Omas Nachttischlampen mit edlen Stoffen neu bezieht. Und Tine K, die alte Vorratsgefäße, die vietnamesische Hausfrauen einst in den Mekong entsorgten, aus Asien mitbringt - nun werden die Originale und kaum zu unterscheidende Repliken angeboten, die dann nur einen Bruchteil kosten.

Rund 300 Produkte aus der Palette hat das Paar in seinem kleinen Laden untergebracht: Da steht beispielsweise ein altes Salzfass aus Indonesien neben den Apothekerflaschen aus England, der Nachbau der Titanic neben Rahmen aus Südafrika. Altes Holz, das Jugendliche aus den Slums von Kapstadt in neue Form brachten - im Blog von "Yooyama" wird ihre Geschichte erzählt.

(RP)
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