Derendorf: Auf den Spuren des NS-Terrors

Derendorf: Auf den Spuren des NS-Terrors

Mit der Broschüre "Geschichtsorte in Derendorf" will die Bezirksvertretung 1 an NS-Verbrechen in Düsseldorf erinnern und Anwohner zu einer Spurensuche in ihrer Nachbarschaft ermutigen.

Bilder von der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten gibt es viele: Die bekanntesten zeigen weit entfernte Orte wie Berlin oder Auschwitz. Doch der NS-Terror wütete auch in Düsseldorf. "Es ist wichtig, zu zeigen, dass Geschichte auch hier vor Ort stattgefunden hat", sagt Annette Klinke (Grüne), Mitglied der Bezirksvertretung 1. Deshalb wurde im Auftrag der Bezirksvertretung im vergangenen Jahr eine Broschüre für einen Rundgang entlang historischer Orte der NS-Zeit erstellt, um Anwohner und Interessierte über die Verbrechen in ihrer Nachbarschaft aufzuklären.

Zu dem Mahnmal gehört eine Stahlwand, auf der die Zielort Litzmannstadt, Minsk, Riga, Theresienstadt, Izbica und Auschwitz vermerkt sind. Foto: Andreas Bretz

Dreh- und Angelpunkt des Rundgangs ist das Gelände um den ehemaligen Güterbahnhof in Derendorf. So diente zum Beispiel der Alte Schlachthof auf dem Gelände der Hochschule Düsseldorf zwischen Oktober 1941 und September 1944 als zentrale Sammelstelle für die jüdische Bevölkerung, die unter dem Vorwand eines "Arbeitseinsatzes im Osten" mehrheitlich in den Tod geschickt wurden. Auch andere Orte der damaligen Täter wie das Gelände um das ehemalige Gefängnis an der Ulmer Höh, wo Regimegegner inhaftiert wurden, oder die Gestapoleitstelle an der Prinz-Georg-Straße, sind Teil der Broschüre.

Erstellt wurde diese in Zusammenarbeit von Mitarbeitern des Alten Schlachthofs sowie der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. "Die Menschen sind immer wieder überrascht, wie viele Verbrechen hier in Düsseldorf begangen wurden", berichtet Bastian Fleermann von der Mahn- und Gedenkstätte. Deshalb konzentriert sich die Broschüre nicht nur auf eine Karte mit Markierungen der einzelnen Standorte, sondern bietet jeweils noch historische Bilder und erzählt in einem kurzen Informationstext die Geschichte des jeweiligen Erinnerungsortes. "Menschen brauchen kleine Geschichten, um die große Geschichte zu begreifen", sagt Annette Klinke. Das ist auch deshalb hilfreich, weil viele der Geschichtsorte nur schwer als solche zu erkennen sind. Häufig sind es nur kleine Gedenktafeln oder Stolpersteine, die auf ihre jeweilige Historie hinweisen, und im Alltag leicht zu übersehen sind.

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Erzählt wird jedoch nicht nur die Geschichte der Täter, sondern auch die Biografien einiger Opfer und Bürger finden Erwähnung. So wird beispielsweise an die jüdische Gemeindeschwester Elfriede Bial erinnert, die bis zu ihrem Tod in Auschwitz aufopferungsvoll anderen verfolgten Gemeindemitgliedern half. Oder an die Düsseldorfer Joseph und Hilde Neyses, die während des Krieges eine Jüdin versteckten und so vor dem sicheren Tod bewahrten.

Für die zehn Orte der Broschüre ist keine Reihenfolge festgelegt. Auch eine Besichtigung in Etappen ist denkbar. Denn statt eines starren Rundgangs wollen die Initiatoren die Anwohner dazu einladen, sich bei Interesse mit der Vergangenheit ihres alltäglichen Umfeldes auseinanderzusetzen.

2000 Exemplare wurden von der Broschüre bereits gedruckt. Interessierte können sich die Broschüre kostenlos an der Gedenkstelle des Alten Schlachthofs, der Mahn- und Gedenkstätte an der Mühlenstraße sowie an der Bezirksverwaltungsstelle an der Ratinger Straße abholen.

(RP)