Derendorf: Sitz-Ei statt Stuhl-Kreis

Derendorf: Sitz-Ei statt Stuhl-Kreis

Seit fast einem Jahr wird an der KGS Essener Straße das Dachgeschoss ausgebaut. Der Schulbetrieb findet statt - manchmal improvisiert.

Auf den bunten Hüpfkästchen, die auf dem Boden des Schulhofs aufgemalt sind, können die Kinder nicht mehr springen. Absperrgitter haben die Handwerker gezogen, die kreuz und quer über den Hof verlaufen. Platz ist nicht mehr viel da an der Essener Straße mit der Hausnummer 1, dort wo die katholische Grundschule steht. Werkzeug, Material und große Maschinen werden hinter den Zäunen gelagert, einen großen Teil des Schulhofs nimmt der Container ein, in dem seit Ostern etwa die Hälfte der Schüler der KGS Essener Straße unterrichtet wird.

Weil das Dachgeschoss der Grundschule ausgebaut und ein Aufzug an der Außenwand montiert werden soll, gibt es auf allen Etagen Baustellen. Zwischen Lärm, Staub und Dreck muss der Schulbetrieb aber weiterlaufen, für die Direktorin Natascha Dörner und ihr Kollegium an manchen Tagen eine echte Herausforderung. Die dritten und vierten Klassen sind in den Container gezogen, dort sollen sie mehr Ruhe haben für ihre Klassenarbeiten, die in den Jahrgängen benotet werden. Ruhe gibt es aber nicht immer, Viertklässler Oli tut sich manchmal schwer beim Lernen, wenn gehämmert oder gebohrt wird. Er und seine Freunde haben ihren schönen Raum im dritten Stock nur ungern verlassen.

"Am Anfang war es schon schwer", sagt Alexandra, die wie Oli in der vierten Klasse von Barbara Hofer sitzt. Bald hat sie dem Umzug aber etwas Gutes abgewinnen können: "Wir sind jetzt viel schneller in der Pause." Die Klasse hat sich arrangiert, "wir machen keinen Sitz-Kreis mehr sondern ein Sitz-Ei", erzählt Paulina, die es ein bisschen eng findet im Container. Dafür ist der Blick nach draußen fantastisch - Bauarbeiter, Kräne, tonnenschwere Lkw. Da ist es nicht immer leicht, sich zu konzentrieren, findet Frederik, "die lenken ab".

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Strenger sind auch deshalb die Regeln geworden, eine hat die Klassenlehrerin nach ein paar Tagen im Container schon aufgestellt: Gucken dürfen ihre Schüler, aber keine Kommentare zum Geschehen vor dem Fenster abgeben, damit nicht die ganze Klasse abgelenkt wird. Leiser müssen die Jungen und Mädchen sein, zu dünn sind die Wände zur Nachbarklasse, "und wenn jemand dringend auf Toilette muss und rennt, dann merken wir das Getrampel", sagt Chantal. Manchmal tropft es von der Decke, neulich kam kein Wasser aus dem Hahn im Klassenzimmer, zu kalt ist es draußen gewesen, die Leitungen waren eingefroren.

Aber die Kinder haben es sich schön gemacht in ihrem kleinen neuen Raum, haben Bilder gemalt für die Wand, zu Karneval aus Zeitungspapier Girlanden gebastelt. Nomen-, Verben- und Adjektive-Poster hängen neben der Tafel, so wie eigentlich in jeder Grundschul-Klasse. Danny zum Beispiel findet es sogar richtig cool im Container, "und in der Ogata durften wir auch öfter auf den Spielplatz". Für Moritz ist der Mülldienst leichter geworden, die großen Tonnen stehen gleich draußen um die Ecke. Und Helena erinnert sich gern an den Sommer, "da haben wir oft draußen gearbeitet".

Flexibel sind sie alle geworden an der Grundschule Essener Straße, Schüler, Lehrer und OGS-Team. Mal wird der Stundenplan umgekrempelt, oder aber eine Klasse wechselt den Raum. Ab und zu versucht Natascha Dörner auch ein bisschen Einfluss zu nehmen auf den Bauleiter, neulich erst hatte eine Lehramtsanwärterin ihre Prüfung, dafür haben sich die Handwerker dann auch zurückgehalten mit den lauten Arbeiten. Dörner kann kaum abwarten, wenn irgendwann das Gerüst weg ist und es wieder Platz gibt auf dem Schulhof zum Toben und Rennen und Fangen. Weil sie und ihre Grundschule dann endlich ein tolles Dachgeschoss haben, für das die Direktorin die Umstände dann doch irgendwie gerne in Kauf nimmt. Nur die vierte Klasse von Barbara Hofer wird nichts mehr haben vom Ausbau, im Sommer soll der voraussichtlich abgeschlossen sein. Dann gehen Alexandra und Lily und Lisa und Chantal auf weiterführende Schulen. "Aber Frau Hofer hat uns schon zum Klassenfest mit Rundgang eingeladen", sagt Moritz zufrieden.

(RP)