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Düsseldorf: Tony Marony läuft seinem Traum von Berühmtheit hinterher

Düsseldorfer Original : Schlagersänger Tony Marony macht sein Ding

Tony Marony ist ein Schlagersänger aus Düsseldorf, der zwar keinen Ton trifft - sich aber trotzdem auf jede Bühne stellt, die ihm angeboten wird. Davon gibt es zwar immer weniger, Marony druckt dennoch frische Autogrammkarten. Was treibt diesen Mann an? Ein Porträt.

Man könnte Tony Marony bemitleiden, weil er nicht loslassen kann und seinem Traum von zweifelhafter Berühmtheit hinterherläuft. Man könnte ihn aber auch dafür bewundern, weil er trotz Spott, Häme und vieler Rückschläge mit Leidenschaft das macht, woran er den größten Spaß hat. Doch egal, wie man das Auftreten des Schlagerbarden bewertet, muss man ihm eins lassen: Er ist ein Unikat.

Wo große Karrieren ihre Bauchlandungen erleiden, verbrachte Tony Marony seine erfolgreichsten Tage: Er sang bei Baumarkteröffnungen und war Dauergast in Talk- und Realityshows. 150 Auftritte als Sänger kamen pro Jahr zusammen, obwohl Marony, der bürgerlich Jörg Sven Meier heißt, keinen Ton trifft. Sich selbst beschreibt er als „Schlagerentertainer“, seinen Stil nennt er „Humorschlager“. Doch die Zahl seiner Auftritte ist in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, der Trash-TV-Markt überschwemmt mit Castingshowkandidaten und anderen Sternchen. Aufgeben will der Schlagerbarde deshalb aber nicht. Was treibt diesen Mann an?

Sein Weg in die Öffentlichkeit begann in den 1980ern, als er in einer Radioshow des niederländischen Showmasters Lou van Burg auftrat. Selbstbewusst riss er dort ein Mikrofon an sich und sang einfach drauf los. „Die Leute haben sich die Ohren zugehalten“, erinnert er sich. Doch während viele andere Menschen in dieser Situation mit Schamesröte im Gesicht die Flucht ergriffen hätten, entdeckte Marony Potenzial für weitere Auftritte. Denn obgleich ihn die Leute auslachten oder auspfiffen: Sein Auftreten bescherte ihm Aufmerksamkeit. Das sollte fortan sein Markenzeichen werden.

So tourte Marony erst lokal, später auch national durch größere und kleinere Hallen, um die Leute mit seiner Interpretation von Gesang zu unterhalten. Er tingelte durch Talkshows und andere TV-Formate, immer in der Rolle des singenden Clowns. „Ich wurde auch schon mal mit Tomaten beworfen.“ Abgehalten hat es ihn nicht. Es gehört zu seinem Geschäft, dass er bei seinen Zuschauern polarisiert. Nicht selten wird er wegen seiner skurrilen Auftritte für dumm gehalten. „Das stecke ich weg.“  Wer mit ihm redet, merkt, dass er nicht dumm ist. Doch Tony Marony nimmt sich selbst nie zu ernst. Ein großer Vorteil in seinem Geschäft.

Seit der Jahrtausendwende ist die Menge seiner Auftritte jedoch spürbar zurückgegangen. Durch Castingshows und andere Formate ist die Konkurrenz im Trash-Segment größer geworden. „Jeder fühlt sich heute berufen, zu singen“, klagt er. Ein Vorwurf, der sich auch leicht auf sein Schaffen beziehen ließe. Auf diesen Widerspruch angesprochen, beginnt er, zu lachen. „Das stimmt natürlich“, gibt er zu.

Ein weiteres Problem ist sein leicht antiquiertes Auftreten: „Mit diesem Bumm-Bumm-Schlager kann ich nichts anfangen“, erzählt er. Stattdessen singt er Schlagerklassiker vergangener Jahrzehnte. Auf der Bühne steht er stets mit Sakko und Einstecktuch. Vorschläge, doch einmal mit einem legereren Outfit aufzutreten, lehnte er ab. „Das wäre nicht ich.“ Authentizität ist ihm wichtig.

Doch die Kehrseite seiner Authentizität ist, dass er von seinen Engagements längst nicht mehr leben kann. Das Geld aus seinen erfolgreichsten Zeiten ist weg. „Ich habe auf falsche Freunde und Berater vertraut.“  Ein Punkt, in dem er vielen Großen in nichts nachsteht. So hat er in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch sein Privatleben für Aufmerksamkeit gesorgt. 2012 heiratete er „Schwiegertochter gesucht“-Kandidatin Melanie Meier. Fünf Jahre später folgte die Scheidung. „Wir haben mittlerweile keinen Kontakt mehr.“

Während er sich mit dem Aus seiner Ehe abgefunden hat, gilt das nicht für seine Gesangsambitionen. „Ich will den Leuten wieder Freude bereiten“, erzählt er. Ein großer Stapel frisch gedruckter Autogrammkarten wartet in seiner Sakkotasche auf Abnehmer. Anfragen für Auftritte gebe es auch wieder. In Köln habe sich gar ein Fanclub gegründet. Ob sich damit auch Rechnungen bezahlen lassen, wird sich zeigen.