Lokalsport: Turbulenzen bei der Turu

Lokalsport: Turbulenzen bei der Turu

Nach 21 Jahren wollte Heinz Schneider die Führung des Traditionsvereins abgeben. Jetzt zieht der designierte Nachfolger die Kandidatur zurück, Schneider wird Interimschef. Zudem gehen Manager Ilja Ludenberg und die Turu getrennte Wege.

Die Jahreshauptversammlung der Turu begann mit einer großen Überraschung. Noch-Präsident Heinz Schneider, der seinen Rücktritt angekündigt hatte, war eine gute Stunde vorher von seinem designierten Nachfolger im Vorstand des Oberbilker Fußballvereins, Arthur Schikowski, telefonisch davon unterrichtet worden, dass dieser das Amt nicht übernehmen werde. "So kurz vorher habe ich das noch nicht erlebt", bedauerte Schneider, fügte aber auch an, das er die krankheitsbedingten Gründe Schikowski dafür respektieren müsse.

Versammlungsleiter Michael Josten machte den Vorschlag, Schneider zum Ehrenpräsidenten zu ernennen. Dies geschah unter dem starken Applaus der Mitglieder einstimmig. Schneider, der die Geschicke Turus 21 Jahre lang gelenkt hat, dankte sichtlich bewegt. "Ich werde Turu nie im Stich lassen", versprach er und kündigte an, seine bisherigen Arbeiten bis zum Amtsantritt eines Nachfolgers fortzusetzen.

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Einen Tag später gab es die nächste faustdicke Überraschung. Der Verein teilte mit, dass er die Zusammenarbeit mit dem sportlichen Leiter Ilja Ludenberg zum 30. Juni beendet. Während sich Turu bei Ludenberg, der seine Aufgabe erst im November begonnen hatte, für seine "hervorragende Arbeit" bedankte, gab es von ihm folgende Stellungnahme: "Nach zwei intensiven Jahren in Straelen mit der Landesliga-Meisterschaft und dem Oberliga-Aufstieg wollte ich mindestens ein Jahr Pause machen. Herr Schneider bat mich dann um Hilfe bei Turu. Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, bei Turu einzuspringen." Im Gespräch mit unserer Redaktion betonte Ludenberg, der zuvor in unterschiedlicher Funktion bei Fortuna tätig war, dies nur Schneider zuliebe gemacht zu haben. "Das hätte ich noch nicht einmal für Fortuna getan", versichert er. Sein Trainerteam und er hätten einen Scherbenhaufen übernommen. "Der Klassenerhalt ist unter diesen Umständen eine tolle Leistung der Mannschaft, die einen Riesencharakter hat." Damit sei seine Mission erfüllt. "Ich wäre zwar gern den erfolgreichen Weg weitergegangen, aber das war nicht meine Entscheidung." Dem Vernehmen nach soll Turus Ex-Trainer Frank Zilles, der bereits vor seinem Weggang Interesse an der Postion bekundet hatte, Sportdirektor werden.

Auf der Versammlung war all das noch kein Thema. Als Schneider seinem Freund und scheidenden Vorstandskollegen Gerd Westhoff für alles dankte, gab es nochmals Beifall. "Wir sind immer Schulter an Schulter gegangen", betonte Schneider. Der 83-jährige Westhoff zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück, will aber immer noch beratend zur Verfügung stehen. Für die Spieler ergriff Kapitän Saban Ferati das Wort: "Ich habe schon in einigen Vereinen gespielt, aber ich habe noch in keinem Klub ein so gutes, freundschaftliches Verhältnis zu einem Präsidenten gehabt wie hier zu Herrn Schneider."

(RP)