Düsseldorfer Firma Capricorn will Nürburgring kaufen

Insolvente Rennstrecke: Düsseldorfer Firma will Nürburgring kaufen

Das Unternehmen Capricorn hat ein Angebot für den Kauf der Rennstrecke in der Eifel abgegeben. Inhaber Robertino Wild bestätigt das. Die Firma baut Autoteile und sitzt am Rand des Medienhafens.

Im Ringen um den ins Schlingern geratenen Nürburgring ist nun auch eine Düsseldorfer Firma beteiligt: Capricorn, ein Hersteller von Autoteilen, hat nach Meldungen unterschiedlicher Medien ein Kaufangebot abgegeben. Inhaber Robertino Wild hat die Kaufabsichten bestätigt, berichtete jetzt der Südwestrundfunk. Bisher hat Wild diese Information der RP nicht bestätigt.

Wer den umtriebigen Geschäftsmann kennt, wird sich nicht wundern über diese Nachricht: Der Mann war immer gut für Überraschungen. In Düsseldorf machte er zuletzt Schlagzeilen, als er als Inhaber des spektakulären Hafenrestaurants Lido auftauchte und gemeinsam mit Spitzen-Köchen seine Vorstellungen einer besonderen Gastronomie erklärte.

Die Firma Capricorn hätte als Lieferant von Komponenten für Hochleistungsmotoren in der Formel 1 den nötigen Benzingeruch. Eine offizielle Bestätigung der Kaufabsichten gibt es allerdings nicht. Laut Selbstbeschreibung umfasst die Produktpalette von Capricorn High-End-Kurbelwellen, Nockenwellen, Zylinderlaufbuchsen, Kolben, Pleuel und weitere Produkte. Die Komponenten werden in Formel-1-Boliden, in edlen Sportwagen wie Bugatti Galibier, Audi R 8 oder Porsche 918 Spyder eingesetzt, kommen aber auch beim Prototypenbau der großen Hersteller zur Anwendung. Zudem nutzt das Unternehmen die Nordschleife des Nürburgrings heute als Teststrecke.

Das Unternehmen war 1994 als Firma für Oldtimer-Restaurationen Düsseldorf gegründet worden. Capricorn zog 1999 nach Mönchengladbach, weil im Medienhafen nicht genug Platz war. 2007 wurde der Firmensitz wieder in den Medienhafen zurückverlegt, weil es Ärger mit der Gladbacher Wirtschaftsförderung gegeben hatte. Allerdings ist der Maschinenpark für die Bauteilfertigung sowie alle Prüfstände, die Qualitätskontrolle und der Fahrzeugbau noch heute in Gladbach.

Nürburgring soll 300 Millionen Euro kosten

Der Kaufpreis für den Nürburgring plus dazu gehörende Gebäude (Hotel etc.) soll bei knapp 300 Millionen Euro liegen, es hat aber angeblich auch schon Anbieter gegeben, die nicht mehr als 30 oder 40 Millionen geboten haben.

Der ADAC, der einst als möglicher Investor der Rennsportanlage hoch gehandelt wurde, ist offenbar nach wie vor nicht bereit, sein Angebot nachzubessern. Er hatte weniger als 40 Millionen Euro für Rennstrecke und Boulevard geboten. Das war den Insolvenzverwaltern zu wenig, um ihn in den Datenraum zu lassen, in dem alle Betriebszahlen und Verträge einsehbar sind. Angeblich sollen, bevor der ADAC sein Angebot abgab, bereits höhere Offerten abgelehnt worden sein.

Das Aus für den Automobilclub hat heftige Kritik in der strukturschwachen Region ausgelöst. Betrieben werden die Hotels am Nürburgring bereits heute von einem Düsseldorfer Unternehmen. Die Hotelkette Lindner, die ihren Sitz am Seestern hat, verfügt über einen langjährigen Pachtvertrag.
In den vergangenen Wochen waren diverse Käufer des Nürburgrings im Gespräch, so das Unternehmen La Tene Capital aus Hongkong, das angeblich eine Viertelmilliarde Euro zahlen wollte. Als Unterhändler tritt auch ein schillernder Karl Serres de Condé auf, der in den USA schon die Namen Charles Bourbon de Condé und Charles Scorpio genutzt haben soll, in Wirklichkeit aber Karl Zeretzke heißt.

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