Düsseldorf will mehr von Partnerstädten profitieren

Palermo, Moskau, Chongqing: Das bringen Düsseldorf die Partnerstädte

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel will mehr internationale Kontakte knüpfen, aktuell nach Kanada. Aber was haben die Bürger davon?

Düsseldorfs Außenpolitik wird zum Thema im Stadtrat. Das Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP fordert Aufklärung darüber, was die zunehmende Zahl von Städtepartnerschaften bringt. Sie beantragt, dass die Verwaltung um Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) "strategische Ziele" vorlegt. Zudem wünschen die Ratsleute ein Konzept, wie Politik und Gesellschaft stärker einbezogen werden können.

Dies soll nicht nur für die bestehenden Partnerschaften gelten, sondern auch die Auswahl von neuen prägen. Geisel strebt derzeit eine feste Partnerschaft mit Montreal an. Eine Delegation wird daher im Oktober nach Kanada reisen. Das soll nicht das Ende sein: Denkbar sei ein intensiverer Austausch auf europäischer Ebene, heißt es auf Anfrage - aber auch "Entwicklungspartnerschaften in Afrika".

Zusammenarbeit beim Thema Verkehr?

Monika Lehmhaus (FDP) betont, es sei grundsätzlich sinnvoll, dass sich Verwaltung und Politik austauschen und voneinander lernen. "Das hilft, aus dem Kleinklein rauszukommen." Sie lobt auch, dass sich Geisel um das Thema bemühe. Allerdings müsse bei jeder Partnerschaft klar werden, welche Ziele sie verfolge. Sie fragt sich, worin diese etwa im Austausch mit den entfernten Riesen-Metropolen Moskau (15 Millionen Einwohner) oder Chongqing (29 Millionen) bestehe. Sie schlägt vor, künftig konkrete, auf ein Thema beschränkte Kooperationen mit ähnlichen Städten zu vereinbaren - etwa zu neuen Verkehrs-Konzepten. "Wir brauchen Zusammenarbeit auf Augenhöhe." Dabei könnten niederländische Städte fruchtbarere Partner sein.

Die Grünen wiederum wünschen, dass die Stadt mehr für den Austausch auf Bürgerebene tut. "Wir haben den Eindruck, einige Partnerschaften dümpeln vor sich hin", sagt Fraktionssprecher Norbert Czerwinski. Die Beziehungen zur neuesten Partnerstadt Palermo, mit der es bereits einen regen Künstler-Austausch gab, hätten sich gut entwickelt - was auch CDU-Politiker Giuseppe Saitta lobt. Das gelte aber nicht für alle anderen Städte.

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Geisel will internationale Beziehungen pflegen

Düsseldorf hat sieben feste Partnerstädte. Dazu kommen unterschiedlich gelagerte Kooperationen. Die Stadt zählt sogar die Karnevals-Freundschaft mit Teneriffa dazu. Geisel bemüht sich seit seinem Antritt 2014 um einen Ausbau. Aus seiner Sicht ist das nicht zuletzt angesichts hoher Auslandsinvestitionen und vieler Migranten eine Selbstverständlichkeit, selbst wenn sich der Nutzen nicht immer messen lässt. "Wir sind die internationalste Stadt in NRW, da gehört es sich, dass wir internationale Beziehungen pflegen", sagt er. Dies sei vor seiner Zeit vernachlässigt worden.

Geisel räumt ein, dass es unterschiedlich viele Berührungspunkte gebe, andererseits werde man langjährige Partnerschaften auch nicht kündigen. Er verweist darauf, dass der Aufwand relativ begrenzt ist.

Die Stadt listet auf Anfrage eine Vielzahl von Aktivitäten auf. Das Jugendamt etwa tausche sich mit Haifa zu Angeboten für Eltern aus, das Umweltamt rede mit Moskauer Kollegen über Begrünung. Mit Warschau kooperiere man zu Start-Ups. Es habe sich bereits etabliert, dass Ziele mit den Partnern schriftlich vereinbart werden, heißt es.

Darüber hinaus fördere die Stadt mit 40.000 Euro pro Jahr den Austausch insbesondere von Jugendlichen. Beispiele: Schüler des Lore-Lorentz-Kollegs machten Praktika in Reading, der Jugendkammerchor von St. Margareta reise nach Moskau. Eine Theatergruppe des Görres-Gymnasiums sei beim Schüler-Theaterfestival in Chemnitz dabei.

(arl)
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