Analyse: Braucht die moderne Stadt Gaslaternen?

Analyse: Braucht die moderne Stadt Gaslaternen?

Die Straßenbeleuchtung steht bei den Sondierungsgesprächen der Ampelkoalition auf der Tagesordnung. Energiesparen, Einsparung von CO2 sowie das Stadtbild müssen dabei auf einen Nenner gebracht werden. Gaslaternen sind der Prüfstein.

Bei der Straßenbeleuchtung hebt sich Düsseldorf vom Einerlei vieler Städte ab und kann mit einem Markenzeichen aufwarten: Gaslaternen. Etwa 16 000 stehen noch im Stadtgebiet. Mit ihrem sanften Schein und den nostalgischen Formen sind sie vielen Düsseldorfern ans Herz gewachsen. Aber unter dem Gesichtspunkt des Klimaschutzes gelten sie als veraltet und technisch überholt, weil sie gemessen an der Leuchtkraft viel Energie verbrauchen und einen hohen CO2-Ausstoß haben. Ihr Abbau war daher ein Punkt des Klimaschutzprogramms, das seinerzeit noch OB Joachim Erwin aufgestellt hatte.

Schon damals war diese Forderung umstritten, und auch bei den kommenden Kooperationsgesprächen für eine Ampelkoalition werden unterschiedliche Standpunkte angeglichen werden müssen, steht Umweltschutz der schönen Tradition gegenüber. "Düsseldorf hat ein bemerkenswertes System von Gaslaternen, das beispielhaft die technische Entwicklung bei der Straßenbeleuchtung zeigt", sagt die FDP-Fraktionsvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Unabhängig von ökologischen Gesichtspunkten müsse bewertet werden, ob diese besonderen Anlagen bewahrt werden sollen. Denn Gaslaternen würden der Stadt eine besondere Atmosphäre geben und seien für Touristen, die diese Beleuchtung nicht kennen würden, ein Hingucker.

Mit der veralteten Technik der Gaslaternen tut sich dagegen die SPD schwer. "Die CO2-Belastung ist hoch, die Gasleitungen kommen in die Jahre und müssen erneuert werden", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Jochen Wirtz. Es sei daher sinnvoll, auf elektrische Leuchten umzurüsten. Die Form der Alt-Düsseldorfer Laterne könne beibehalten, die Gasstrümpfe könnten durch elektrische, energiesparende LED-Leuchten ersetzt werden. Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Markus Raub ist es zudem denkbar, dass in einigen ausgesuchten Stadtvierteln Gaslaternen erhalten bleiben, aber Umweltschutz sei wichtig.

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Der Abbau von Gaslaternen rage gemessen beispielsweise an einer besseren Verkehrspolitik nicht gravierend zum Klimaschutz bei, sagt Norbert Czerwinski, Fraktionssprecher der Grünen. Die kulturellen Aspekte könnten daher auch beachtet werden. "Wichtig ist aber eine Beteiligung der Bürger an der Entscheidung, ob Laternen abgebaut oder umgerüstet werden", so Czerwinski. Dabei spiele auch das Sicherheitsbedürfnis eine Rolle: manchen Anwohnern sei die Gasbeleuchtung zu schummrig.

Leserforum Sind die Gaslaternen wichtig für das Stadtbild? Können sie mit LED-Leuchten ausgestattet werden. Oder sind moderne elektrische Laternen angebracht? Sie können Ihre Meinung mitteilen per E-Mail an stadtpost@rheinische-post.de - Betreff "Leserforum".

(RP)
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