Düsseldorf: Razzia im Bordell am Bahndamm - Prostituierte sollen Freier betäubt haben

Razzia in Bordell am Bahndamm in Düsseldorf : Gestohlenes Geld floss über Buchhaltung an Prostituierte

Seit September sollen Prostituierte und Wirtschafter in dem Bordell-Komplex am Bahndamm in Düsseldorf-Oberbilk Freier betäubt und ausgeplündert haben. Jetzt wurden fünf Frauen und drei Männer verhaftet. Wie viel Geld sie erbeutet haben, ist unklar.

Fünf Prostituierte und zwei Wirtschafter des Bordellkomplexes „Hinter dem Bahndamm“ sollen zusammen mit einem Gehilfen Freier unter Drogen gesetzt und deren EC-Karten mit überhöhten Beträgen belastet haben. Die Polizei hat seit September im Oberbilker Rotlichtmilieu ermittelt und am frühen Montagmorgen gegen alle acht Verdächtigen Haftbefehle vollstreckt.

Das gefährliche Geschäftsmodell ist im Milieu bekannt. 2012 gerieten die Edelbordelle an der Rethelstraße aus dem gleichen Grund in die Schlagzeilen, ihr einstiger Betreiber wurde vor einem Jahr nach einem Mammutprozess zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Anders als im sogenannten Rethelstraßen-Verfahren geht die Polizei im aktuellen Fall allerdings nicht von organisiertem Verbrechen aus, sondern allenfalls von einer kriminellen Bande, die in deutlich kleinerem Stil die Freier betrogen und teilweise auch mit kompromittierenden Fotos erpresst haben soll. Das erpresste oder von den EC-Karten abgebuchte Geld soll über die zentrale Buchhaltung des Bordellbetriebs an die Beschuldigten geflossen sein. Die Summen sollen zwischen einigen hundert und – nach Informationen unserer Redaktion in einem einzigen Fall – knapp 10.000 Euro betragen haben.  Die   fünf Frauen, die dominikanische, türkische und deutsche Wurzeln haben und zwischen 30 und 51 Jahren alt sind,  haben  nach Informationen mit den Betrieben der Rethelstraße nie zu  tun gehabt.

Opfer können sich nicht erinnern

In den Wohnungen der Beschuldigten fand die Kripo am Montag rund 100.000 Euro Bargeld, die zusammen mit Betäubungsmitteln und Waffen beschlagnahmt wurden. Die Bande soll mindestens seit einem Dreivierteljahr mit der Methode unterwegs sein: Im September hatten sich die ersten Geschädigten bei der Polizei gemeldet und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Immer wieder waren seither ähnliche Anzeigen eingegangen, von Männern, die  im „Bahndamm“ Alkohol getrunken und danach Bewusstsein und Erinnerungsvermögen verloren hatten. Wieder halbwegs klar im Kopf hätten sie dann festgestellt, dass EC- oder Kreditkarten deutlich höher belastet worden seien, als für das Sexgeschäft  vereinbart worden war. Toxikologische Tests wiesen nach, dass die Betroffenen mit dem Drink offenbar große Mengen Kokain konsumiert hatten.

Foto: Polizei Pressestelle Düsseldorf

Beim Kriminalkommissariat 21, auf Milieu- und Drogendelikte spezialisiert, wurde die Ermittlungskommission „Ventana“ (spanisch für Fenster) eingerichtet. Der Name spielt auf die dem Bahndamm zugewandte Seite der drei Appartementhäuser an, an der sich die Prostituierten in ihren Fenstern Bahnreisenden präsentieren. In den frühen 1960er Jahren waren die Häuser als „Dirnenquartier“ errichtet worden, um die Straßenprostitution rund um den Bahnhof zu bekämpfen. Gegen den derzeitigen Betreiber wird laut Polizei nicht ermittelt.

Weitere betrogene Freier gesucht

Unterstützt werden die Fahnder inzwischen auch von einer anderen Behörde: Der Fiskus soll Interesse an den hohen Einnahmen der Frauen angemeldet haben. Bei den laufenden Finanzermittlungen geht es aber nicht nur um mögliche Steuervergehen, sondern auch um die Höhe der Beute. Die dürfte auch weit über dem liegen, was die bisher bekannten Freier eingebüßt haben. Die Polizei geht davon aus, dass sich längst nicht alle Geschädigten gemeldet haben und bittet sie, sich  unter 0211 8700 zu melden.