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Düsseldorf: Alleinerziehende finden kaum Jobs

Düsseldorf : Alleinerziehende finden kaum Jobs

Gut ausgebildete Frauen, die Arbeit suchen, haben in der boomenden Stadt Düsseldorf gute Chancen. Allerdings ist auch die Konkurrenz größer. Wer weniger qualifiziert ist und nur Teilzeit arbeiten kann, hat es dagegen schwerer. Eine Analyse.

Der Düsseldorfer Arbeitsmarkt bietet gute Chancen für Frauen, ist andererseits für weibliche Arbeitnehmer mit geringeren Qualifikationen ein schwieriges Pflaster. Das zeigt der aktuelle Report "Frauen am Arbeitsmarkt", den die Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung (G.I.B.), die Europäische Union und das NRW-Arbeitsministerium veröffentlicht haben.

Nirgendwo ist der Anteil der Frauen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend aus Einkünften von Angehörigen bestreiten, niedriger als in der Region Düsseldorf/Kreis Mettmann. Er liegt dort bei 24,6 Prozent. In den restlichen 15 Regionen Nordrhein-Westfalens sieht das anders aus. Zum Vergleich: Rund um Olpe und Siegen sind es fast 40 Prozent. Die Botschaft dieser Zahlen: Mehr Düsseldorferinnen als im Landesschnitt tragen zum Familieneinkommen bei oder stehen komplett auf eigenen Füßen. Kleiner als andernorts ist in der Landeshauptstadt auch der Anteil von Frauen ohne Berufsabschluss. In der Düsseldorfer Region liegt er bei knapp 27 Prozent, im nahe gelegenen bergischen Städtedreieck sind es beispielsweise 33,7 Prozent. Vergleichsweise gering ist auch der Anteil der ausschließlich geringfügig Beschäftigten. Er liegt bei nur 14,7 Prozent. Andersorts sind es bis zu neun Prozent mehr.

"Düsseldorf bietet überdurchschnittlich viele qualifizierte Jobs und zieht entsprechend Frauen an, die beispielsweise als Ingenieurin, Ärztin, Architektin oder Werbefachfrau arbeiten wollen", ordnet Janina Mielke, beim Jobcenter die Beauftragte für Chancengleichheit, diese Zahlen ein. Die Frauen, die sie betreut, zählen als Bezieherinnen von Sozialleistungen freilich nicht zu dieser Gruppe. "Viele verfügen über keine abgeschlossene Berufsausbildung oder wollen nach einer längeren Familienphase wieder in den Arbeitsmarkt, häufig als Teilzeitkraft", sagt die Jobberaterin.

Tatsächlich ist der Anteil der Teilzeitbeschäftigen in Düsseldorf gestiegen. "2006 waren es rund 40 000 Frauen, heute sind es 62 400 von insgesamt 178 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten weiblichen Arbeitnehmern", weiß Silke Uellendahl, die bei der Agentur für Arbeit ebenfalls als "Beauftragte für Chancengleichheit" arbeitet.

Besonders schwierig ist die Suche für Alleinerziehende. Jede fünfte arbeitsuchende Frau (20,1 Prozent) in Düsseldorf fällt in diese Gruppe. Zum Vergleich: In Essen liegt dieser Anteil bei nur 8,4 Prozent, in Mönchengladbach bei 27,4 Prozent. Warum es diese Unterschiede gibt, erklären die Statistiker nicht. Arbeitgeber fürchten bei Frauen mit Kindern und ohne Partner häufige Ausfälle oder eine von vorneherein eingeschränkte Verfügbarkeit. "In leichter zugänglichen Bereichen wie der Altenpflege oder der Gastronomie erwarten die Arbeitgeber aber genau das", meint Mielke.

Mit einer Wiedereinstiegsberatung versucht die Agentur für Arbeit, solchen und anderen Frauen neue Brücken in die Arbeitswelt zu bauen. "Anders als sonst üblich können sie dienstags von 9 bis 12 Uhr ohne Termin zu uns kommen", sagt Uellendahl.

Zu den Klientinnen, um die sich Janina Mielke kümmert, zählt Valbona Bislimi. Mit sechs Jahren kam die heute 31-Jährige aus dem Kosovo nach Deutschland. Eine Ausbildung zur Verkäuferin brach sie ab, weil sie damals schwanger wurde. Auf Tochter Enesa (8) folgten Elona (6) und Eldion (4). "Klar, dass ich mich erstmal um die Familie gekümmert habe", sagt die junge Frau. Vor gut einem Jahr zerbrach ihre Ehe, jetzt ist sie alleinerziehend, könnte ohne das Geld vom Jobcenter sich und die drei Kinder nicht durchbringen.

"Ich will wieder arbeiten. An die 20 Bewerbungen habe ich geschrieben, bislang kamen nur Absagen", sagt die alleinerziehende Mutter. Im Projekt "Kenne" des Jobcenters lernt sie unter anderem zeitgemäße Bewerbungen zu schreiben. "Ich möchte meine Kinder nicht vernachlässigen und würde eine Teilzeitarbeit bevorzugen", meint Bislimi. Anderseits denke sie darüber nach, noch einmal eine Umschulung zur Touristikkauffrau in Angriff zu nehmen. "Jung genug bin ich ja." Doch ein möglicherweise dafür in Frage kommendes Projekt an der Oststraße hat aus ihrer Sicht einen Hasenfuß: Es setzt einen Vollzeit-Einstieg voraus.

"Ich tendiere dazu, mit so einem Projekt noch zwei oder drei Jahre zu warten. Meine beiden Jüngsten sind einfach noch zu klein." An Arbeit ist die Frau aus Itter aber schon jetzt interessiert. Ihre Vision: "Eines Tages möchte ich so viel verdienen, dass ich einschließlich der Unterhaltszahlung für meine Kinder keine Sozialhilfe oder Aufstockung mehr brauche."

(RP)