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Waldpädagogin aus Dormagen: Achtsamkeit mit Hilfe der Natur

Waldpädagogin aus Dormagen : Achtsamkeit lernen mit Hilfe der Natur

Die studierte Biologin Nina Keßler möchte Kindern und Erwachsenen zeigen, wie man in der Natur Kraft tanken kann. Sie bietet Kurse und Workshops an.

„Natursein“, das ist es, worauf Nina Keßler Tag für Tag setzt. So verbringt die studierte Biologin seit einigen Jahren den Großteil ihres Tages draußen in der Natur – entweder entdeckt sie gemeinsam mit ihren Walddetektiven den Tannenbusch, lehrt den (zumeist) Teilnehmerinnen ihrer Kurse „Achtsamkeit“ oder tobt mit ihrem Hund im Grünen.

Keßler, die ursprünglich einmal Kunst studieren wollte, gründete im Jahr 2017 die „Walddetektive“ und fasste somit Fuß in der Welt der Naturpädagogik. Auf Anraten ihrer Eltern hatte sie nach dem Abitur Biologie in Düsseldorf und Bochum studiert. Zehn Jahre lebte sie in der Großstadt, bis es sie vor elf Jahren, wenige Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, zurück in ihre Heimatstadt zog. „Ich war schon damals eine alleinerziehende Mutter und die Prioritäten hatten sich nach der Geburt meines Sohnes verschoben. Ich habe damals im Bereich der Biopsychologie und der Neuroinformatik geforscht, das geht in den meisten Fällen einher mit Tierversuchen, etwas, was ich nicht mit mir vereinbaren konnte“, so Keßler. „Als ich Mutter wurde, hat dann das Leben für mich entschieden. Ich hätte eigentlich noch einen Doktor gemacht, beschloss dann jedoch, mir etwas Neues aufzubauen.“

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Eine Weile arbeitete sie in einer Kindertagesstätte und nutzte ihr Hintergrund- und Basiswissen aus der Biologie, um ihr Wissen über die Natur zu vermitteln. 2017 sei dann die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SWD) auf sie aufmerksam geworden, kurz darauf gründete sie die „Walddetektive“ im Tannenbusch. Dabei handelt es sich um ein Angebot für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, welches die geschulte Waldpädagogin leitet. Immer mittwochs trifft sich die Gruppe im Wald. „Die Walddetektive sind für mich keine Einnahmequelle, sondern eine Herzensangelegenheit. Der Fokus liegt darauf, dass die Kinder ganz frei sein können und ihren Bedürfnissen im Wald nachgehen dürfen“, erklärt Nina Keßler.

Zudem bietet die Biologin immer wieder sogenannte Waldwochenenden für Kinder an. Am 4. und 5. Juni findet das sogenannte „Wildnis-Wochenende“ statt. „An diesem Wochenende dreht sich alles um die Themen Naturrituale, Kräuterkunde und Schnitzen. Wir lernen beispielsweise, welche Kräuter man ohne Gefahr essen kann.“ Das neueste Programm der Delratherin trägt den Namen „MädchenKraftZeit“. „Die MädchenKraftZeit ist ein Herzensprojekt zwischen Sonja Dibowski, Wildnispädagogin, und mir.  Gemeinsam kreieren wir diesen besonderen Raum für die Mädchen. Wir legen unser Herz in die Vorbereitung der einzelnen Mädchenzeiten und begleiten die Mädchen ganz sanft und achtsam durch die Nachmittage“, so Keßler. Mädchen seien bei den Walddetektiven bisher in der Unterzahl. „Wir setzen darauf, dass sich dies mit diesem völlig neuen und ganz anderen Angebot ändert.“ In den Sommerferien (27. Juni bis 1. Juli) gibt es ein Wochenangebot unter dem Motto „Wild und frei“. „Ich habe einen großen Rucksack an Ideen. Wir werden Tipis aufbauen, schnitzen und Kräuterseife herstellen.“

Nina Keßler will jedoch nicht nur den Kindern die Natur näherbringen, sondern auch den Erwachsenen. „Die Vision ist bei den Erwachsenen dieselbe. Ich hatte auch viele schwierige Momente in meinem Leben und durch die Natur habe ich immer wieder zu mir selber zurück gefunden. Das möchte ich weitergeben.“ 2020 habe sie dann mit dem Naturcoaching begonnen. „Ich habe mich insbesondere auf Frauen spezialisiert. Diese Workshops sind so schön und besonders, weil es zu einem wirklich offenen Gedankenaustausch kommt und auch schon mal Tränen fließen. Ich möchte den Frauen helfen, sich wieder auf die Natur einzulassen.“ Zusätzlich bietet Keßler auch Teambuilding-Kurse für Unternehmen an. „Manchmal brauchen gestresste Teams auch nur ein paar Stunden in der Natur, um wieder herunterzukommen.“

Für die Waldpädagogin jedenfalls wäre ein Büro-Job nichts. „Ich bin fast immer in der Natur, ob ich nun arbeite, oder nicht. Ich fühle mich an der frischen Luft am wohlsten.“ Durch ihre Selbstständigkeit könne sie ihr Biologie-Studium nun mit ihrer „kreativen Ader“ verbinden. Außerdem schreibt Nina Keßler aktuell an einem Buch.