Kreismuseum Zons zeigt Arbeiten von Marienberg-Schülerinnen

Zons: Entfremdete Wirklichkeit im Kreismuseum

Eine Ausstellung zeigt, wie sich die Schülerinnen des Kunst-Leistungskurses des Erzbischöflichen Gymnasiums Marienberg in Neuss davon frei gemacht haben, die Wirklichkeit realitätsgetreu darzustellen.

Ein vermeintlich perfekt realitätsgetreues Bild zu verändern und zu entfremden – genau das war die Herausforderung der im Rahmen des Kunst-Leistungskurses am Erzbischöflichen Gymnasium Marienberg in Neuss behandelten Wirklichkeitsdiffusion. Was dabei herausgekommen ist, kann jetzt im Kreismuseum Zons besichtigt werden.

„Am Anfang war es wie eine Art Barriere, das als fertig angedachte Bild noch weiter zu verändern“, erläutert eine Schülerin. Zunächst hatten die Jugendlichen damit begonnen, realitätsgetreue Porträts zu zeichnen. Hierbei sollte die Wirklichkeit so nah wie möglich getroffen werden. Daraus entwickelte sich schließlich - in Anlehnung an den Künstler Gerhard Richter - die Idee, sich von dem Wahren loszulösen. Getreu dem Motto ‚Kunst ist frei’ wurden die Selbst- und Fremdporträts mit Schleifmaschine, Schwämmen, Lappen, schmutzigen Pinseln oder Fingern bearbeitet.

Unterstützt wurden die Schülerinnen in ihrem Schaffensprozess von Lehrer Olaf Gruschke. Er beschreibt die Kunst als etwas Zufälliges: „Man weiß nie, was am Ende rauskommt.“ Vor einigen Jahren wurden bereits Werke anderer seiner Schüler im Kreismuseum ausgestellt. Dabei war die Zusammenarbeit so erfolgreich, dass beide Seiten dies gerne wiederholen wollten. Davon waren auch die Schülerinnen begeistert: „Es ist eine große Ehre für uns, unsere Werke hier auszustellen zu dürfen“. Gezeigt werden Bilder aus dem Schulleben, Porträts und inszenierte Situationen. An der Ausstellung beteiligt sind überwiegend Werke der Schülerinnen aus dem Kunst-Leistungskurs der Stufe 12 (Q2), vereinzelt ist jedoch auch der darunter liegende Jahrgang vertreten (Q1).

  • Neuss : Ausstellung mit Arbeiten von Schülerinnen

Der Kunstraum für die Schülerinnen des Neusser Mädchen-Gymnasiums steht immer offen, so dass es ihnen möglich war, auch in ihren Freistunden an ihren Bildern weiterzuarbeiten. Ganz auf sich alleine gestellt waren sie jedoch nie. Neben Hilfestellungen vonseiten ihres Lehrers ist es für sie ganz selbstverständlich, sich untereinander zu helfen und zu inspirieren. „Wenn man mal nicht weiter kam, hat man sich einfach Hilfe dazu geholt und gemeinsam an dem Bild weitergearbeitet“, beschreiben die Schülerinnen ihren Schaffensprozess. Demnach sind bei der Ausstellung nicht nur Einzelwerke zu sehen, sondern auch zahlreiche gemeinsam entstandene Bilder. Welche ausgestellt und wie diese in den Räumlichkeiten des Museums angeordnet werden sollten, konnten die Mädchen selbst entscheiden. Um vor Ort die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, wurden sie von ihrer Schule für zwei Tage freigestellt.

Die Ausstellung umfasst insgesamt drei Räume: In zwei von ihnen werden Selbst- und Fremdporträts zum Thema ‚Wirklichkeitsdiffusion’ zu sehen sein. Für die Fremdporträts haben sich die Künstlerinnen nicht nur gegenseitig gezeichnet, sondern auch Freunde und Lehrer dargestellt. Im dritten Raum trifft der Besucher auf Collagen, die im Zuge des im Unterricht behandelten Themas des ‚Surrealismus’ entstanden sind. Aber auch diese Werke lassen sich aufgrund ihrer realitätsverfremdenden Wirkung unter dem Thema der ‚Wirklichkeitsdiffusion’ fassen.