Dormagen: Kulinarisches und Historisches im Kreismuseum Zons

Lovica-von-Pröpper-Abend im Kreismuseum Zons : Einblicke in den Geschmack des 19. Jahrhunderts

Der Lovica von Pröpper gewidmete Abend im voll besetzten Gewölbekeller des Kreismuseums Zons war ein faszinierender Einblick in vergangene Zeiten. Die  heute wenig bekannte Autorin hat eine Fülle von Koch- und Hauswirtschaftsbüchern verfasst und strenge Benimm-Regeln aufgestellt.

Die „bemerkenswerte Frau unseres Kreises“, wie Archivleiter Stephen Schröder betonte, hat auf ihre Art Geschichte geschrieben. Als Mitglied der Oberschicht und ausgestattet mit einer sorgfältigen Erziehung, hat sie (*1810) daheim auf Schloss Hülchrath gelernt, was später ihr literarisches Sujet werden sollte. Fußend auf der Rezeptsammlung ihrer Mutter, ist mit 30 Büchern ein umfassendes Lebenswerk entstanden. Das reicht von einfachen Gerichten bis zur häuslichen Konditorei.

Der Gewölbekeller war festlich eingedeckt, und die Gäste wurden nicht enttäuscht. Koch Hans Uhr hatte eine gute Auswahl getroffen. Begleitet von Rot- und Weißwein prangten auf der Speisenkarte: illustrierte Gürkchen, Weinsuppe, Kartoffelauflauf mit Erbsensalat, und als Nachspeise Kaffee und Schwarzbrottorte. Jeder Gang war eine Augenweide, erfreute den Gaumen und machte neugierig auf den Fortgang des Abends. Museumsleiterin Karina Hahn rezitierte im Wechsel mit Stephen Schröder gekonnt Passagen aus der 1887 erschienenen Publikation „Das Hauswesen“, in denen es um Dienstboten geht. Wenn die Regeln gar zu weit jenseits heutiger Gepflogenheiten formuliert waren, blieb schallendes Gelächter nicht aus.  Kostproben? „Um 22 Uhr muss alles zu Bett sein“ oder „Übrigens gewöhne man die Dienstmädchen nicht an feine Speisen“.

Dem großen Vergnügen und der gepflegten Geselligkeit tat das keinen Abbruch, wie die Kreis-Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Kreuels meinte. Musikstudentin Anna Hültenschmidt am Klavier spielte in den Pausen romantische Stücke.

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